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Dienstag, 22.09.2015

Pegida-Anhänger bedrohen Kinder am Schauspielhaus

Teilnehmer der Pegida-Bewegung auf einer Kundgebung in der Dresdner Innenstadt.
Teilnehmer der Pegida-Bewegung auf einer Kundgebung in der Dresdner Innenstadt.

© dpa

Dresden. Am Montagabend ist es während der Pegida-Demonstration in der Dresdner Innenstadt zu verbalen Angriffen auf Schüler gekommen. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 18 Jahren sind Teilnehmer des Festivals „Schultheater der Länder“. Aus allen 16 Bundesländern sei der Theaternachwuchs angereist, so ein Verantwortlicher des Kultusministeriums, darunter auch Kinder mit Migrationshintergrund.

Als die Schüler nach der letzten Aufführung aus dem Schauspielhaus kamen und auf den Fußweg traten, wurden sie unmittelbar von Pegida-Teilnehmern angepöbelt. Kinder mussten sich hierbei Gebrüll wie „Euch kriegen wir auch noch“ oder „Geht erstmal arbeiten“ anhören. Auch der bei Rechtsextremen beliebte Spruch „Wer Deutschland nicht liebt, muss Deutschland verlassen“ wurde skandiert. Außerdem sollen einige Kinder geschubst worden, so ein Augenzeuge.

Offenbar hatte ein Teil der Pegida-Anhänger die Schüler als Gegendemonstranten wahrgenommen und entsprechend aggressiv reagiert. Das Kultusministerium hat sich nun öffentlich bei den Kindern entschuldigt. „Wir haben Euch nach Dresden eingeladen und willkommen geheißen, um mit Euch gemeinsam das Festival der Schultheater der Länder zu feiern. Aus vielen Bundesländern seid Ihr zu uns gekommen und wolltet mit viel Freude in Dresden Theater spielen. Doch unsere Gastfreundschaft wurde von Pegida-Demonstranten mit Füßen getreten. Wir sind entsetzt und betroffen, dass Ihr am gestrigen Montagabend vor dem Schauspielhaus Dresden von Pegida-Demonstranten angegriffen, beleidigt und bedroht worden seid. Wir verurteilen die Angriffe auf Euch zu tiefst. Es ist beschämend und spricht Bände für emotionale Armut und Kleingeistigkeit dieser Menschen, die Euch bedroht haben.“ Das Festival gehört zu den größten seiner Art in Europa.

Mit dem Vorfall konfrontiert, sagte Pegida-Anführer Lutz Bachmann gegenüber sz-online.de: „Ich sage dazu überhaupt nichts. Es ist nie zu diesem Vorfall gekommen.“ Wenn darüber nichts im Polizeibericht stehe, könne es auch nicht passiert sein, so Bachmann weiter. Laut Polizei werden nur Straftaten oder Personenfestsetzungen in diesem Bericht dokumentiert. Dass mehrere Augenzeugen den Hergang authentisch schildern können, kommentierte Bachmann mit den Worten: „Es ist mir scheißegal.“ (szo/two)