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Donnerstag, 07.12.2017

„Patienten sollten für Notfalldienst zahlen“

Ab dem nächsten Jahr wird der hausärztliche Bereitschaftsdienst reformiert. Auch am Klinikum Meißen ändert sich etwas.

Von Stephan Hönigschmid

In den Räumen des Elblandklinikums Meißen soll nach Vorstellung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsens in Kürze eine Portalpraxis eröffnet werden, die die Notaufnahme entlastet.
In den Räumen des Elblandklinikums Meißen soll nach Vorstellung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsens in Kürze eine Portalpraxis eröffnet werden, die die Notaufnahme entlastet.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Mit Schnupfen in die Notaufnahme. Obwohl den meisten einleuchtet, dass das nicht sinnvoll sein kann, ist es in der Realität ein großes Problem. Immer mehr Bagatellfälle verstopfen die Notaufnahmen. Nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen gehört von den 25 Millionen Menschen, die jährlich als Notfälle in deutschen Krankenhäusern behandelt werden, ein Drittel dort nicht hin.

Am Ende ist das nicht nur ärgerlich, sondern kostet bares Geld. Denn während ein Patient, der die Notaufnahme des Meißner Klinikums fälschlicherweise in Anspruch nimmt, in der Abrechnung mit etwa 130 Euro zu Buche schlägt, bekommt die Klinik gerade einmal 30 Euro vergütet.

Auf Druck der Politik und der Sorge vor finanziellen Forderungen von Krankenhäusern geht die Kassenärztliche Vereinigung Sachsens (KV) jetzt in die Offensive. „Wir möchten die Kliniken entlasten und werden in jedem Altkreis eine sogenannte Portalpraxis einrichten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KV, Klaus Heckemann, auf SZ-Anfrage. Wie die Körperschaft mitteilt, gebe es in Meißen zwar noch keinen konkreten Starttermin, aber „die KV Sachsen ist mit dem Klinikum im Gespräch.“ Verabschiedet wurde die Reform auf der 69. Vertreterversammlung der KV Sachsen am 18. Oktober dieses Jahres.

Obwohl sich für die Patienten am Prozedere erstmal nichts ändert, soll dennoch eine Verhaltensänderung erreicht werden. So sollen Patienten, deren Gesundheitszustand es erlaubt, in Zukunft vorrangig in die Bereitschaftspraxis vermittelt werden, wo sie eine allgemeinmedizinische und an bestimmten Standorten auch eine fachärztliche Versorgung vorfinden.

„Wenn die Patienten mobil sind, sollten sie in die Praxis kommen“, sagt Heckemann und fügt an: „Außerdem muss klar sein, dass die Rufnummer 112 nur gilt, wenn Lebensgefahr besteht. Alle anderen sollten bitte die 116 117 anrufen.“ Über die letztgenannte Nummer wird der kassenärztliche Bereitschaftsdienst alarmiert, der laut KV im Jahr 2016 von 5100 Menschen im Landkreis Meißen genutzt wurde und der auch nach der Reform zu den Menschen nach Hause fahren wird. „Ein zweiter Arzt wird weiterhin parallel zur Portalpraxis im Einsatz sein“, sagt Heckemann.

Allerdings vergrößert sich für die Ärzte das Einsatzgebiet. Weil die KV im Rahmen der Reform auch die bestehenden 95 Bereitschaftsdienstbereiche in Sachsen auf 23 verringert, müssen die Ärzte weitere Strecken zurücklegen. „Im Landkreis Meißen sind es vier Bereiche. Diese werden nach Mitternacht, wenn erfahrungsgemäß weniger Patienten versorgt werden müssen, zusammengelegt.“ Um die Mediziner zu entlasten und deren Sicherheit zu gewährleisten, müssten diese jedoch nicht mehr mit dem eigenen Pkw fahren, sondern es werde ein Fahrdienst eingerichtet“, so Heckemann, der auch ankündigte, dass es für Sachsen nur noch eine einzige Leitstelle geben wird, die die Menschen anrufen können.

Trotz der Reform, die bis 2020 Stück für Stück umgesetzt wird, würde sich der Vorstandsvorsitzende darüber hinaus ebenfalls wünschen, dass die Patienten für den Notfalldienst bezahlen müssten.

„Als sowohl im für das laufende Quartal als auch im Notdienst noch 10 Euro Praxisgebühr üblich waren, habe ich in Dresden selbst erlebt, wie sich die Zahl der Einsätze halbiert hat.“ 10 Euro seien etwa anderthalb Schachteln Zigaretten. „So viel sollte den Menschen ihre Gesundheit schon wert sein“, gibt Heckemann zu bedenken.