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Freitag, 06.03.2015

Partikelfilter am Bau - Pflicht zur Nachrüstung kommt

Als Fahrer eines älteren Dieselfahrzeugs kann man schon mal ins Grübeln kommen, wenn die exorbitant hohe Rechnung vom Finanzamt ins Haus geflattert kommt. Häufig übersteigen die geforderten Summen den Restwert des Fahrzeugs bei Weitem.

So landen viele alte Diesel beim Entsorger oder auf den Schiffen nach Afrika, obwohl sie im Grunde noch nicht am Ende ihrer Lebensdauer angekommen sind.

Üble Stinker

Betrachtet man aus der Perspektive des Dieselfahrers dann aber eine beliebige Baustelle, werden die Grübelfalten noch tiefer. Was sich dort die Bagger, Kipper, Walzen und Raupen in die Luft zu pusten erlauben spottet jeder Beschreibung. Meterlange Rauchfahnen, welche aus uralten, keuchenden Baumaschinen entweichen gehören bei vielen Baustellen zum alltäglichen Bild.

Das ist nicht nur unfair, es ist auch vor allem ungesund. Die Rußpartikel aus ungereinigten Dieselmotoren ist schon seit langem als Verursacher von Lungenkrebs ausgemacht. Erschwerend kommt hinzu, dass in Großstädten permanent diverse Baustellen im Betrieb sind - mit dem entsprechenden Equipment, versteht sich. Das bedeutet, dass gerade in den am dichtesten besiedelten Regionen ein permanenter Ausstoß von Rußpartikeln aus Baumaschinen erfolgt, mitsamt den schädlichen Folgen.

Die Pflicht zur Nachrüstung kommt

Obwohl es in vielen anderen Ländern bereits Pflicht ist, war das Nachrüsten von dieselbetriebenen Baumaschinen hierzulande lange Zeit auf rein freiwilliger Basis. Doch nun tut sich etwas. Aus den genannten Gründen ist es nahe liegend, dass es die Stadtstaaten sind, welche hier einen Vorstoß machen. Und das recht konsequent. Anders als bei Autofahrern, welche theoretisch auch älteste Diesel fahren dürfen, wenn sie die hohen Steuern bezahlen und einige Innenstädte meiden, kommt bei den Baumaschinen möglicherweise ein Totalverbot. Berlin und Bremen verbieten ab Sommer 2016 alle Diesel betriebenen Baumaschinen, welche nicht mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet sind. Das betrifft nicht nur die mobilen Baugeräte wie Bagger, Raupe oder Kipper. Auch die stationären Maschinen, wie Stromaggregate oder Luftkompressoren sind dann nicht mehr verkehrsfähig.

Weniger gravierend als befürchtet

Was dramatisch klingt, ist jedoch bei Licht betrachtet nur halb so schlimm. Eine Nachfrage beim größten deutschen Hersteller für Nachrüstfilter ergab, dass eine Maschine schon älter als Baujahr 1992 sein muss, um nicht mehr nachgerüstet werden zu können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass auch über zwanzig Jahre alte Maschinen mit der entsprechenden Investition weiter betrieben werden könnten.

„Setzt sich die neue Norm für Baumaschinen deutschlandweit durch, dann ist auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt eine große Bewegung zu erwarten“, so Dr. Heico Koch, Geschäftsführer der Trade Machines FI GmbH und Spezialist für Maschinenauktionen. Eine mehr als deutliche Wertminderung betrifft jene Baumaschinen, welche vor 1992 produziert wurden. Für neuere Maschinen gelte jedoch ein umgekehrter Effekt. „Die Ausdünnung des Angebots wird eine Stabilisierung der Preise nach sich ziehen“. Mit Partikelfiltern nachgerüstete Baumaschinen werden bei vielen aufgeschreckten Unternehmern dankbare Abnehmer finden. Daraus kann ein kluger Unternehmer auch einen Wettbewerbsvorteil machen.

Vom Staat ist indes keine Hilfe zu erwarten. Die Verpflichtung kommt und die Unternehmen müssen investieren und dies auch nachweisen. Kann ein Unternehmen nicht nachweisen, einen ausschließlich sauberen Fuhrpark an Baumaschinen zu betreiben, bleibt es von der Ausschreibung öffentlicher Aufträge ausgeschlossen.