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Donnerstag, 07.12.2017

Parkchaos an der Hochschule

Die Anwohner rund um die Verwaltungshochschule finden kaum mehr Parkplätze, weil die Studenten Kniffe nutzen, um lange kostenlos zu stehen.

Von Dominique Bielmeier

Für etwa vier Menschen, die sich auf dem Campus der Hochschule aufhalten, ist laut Baurichtlinie ein Parkplatz vorgesehen. Dass aber deutlich mehr mit dem Auto zur Hochschule fahren, zeigt sich täglich in den umliegenden Straßen wie hier der Loosestraße.
Für etwa vier Menschen, die sich auf dem Campus der Hochschule aufhalten, ist laut Baurichtlinie ein Parkplatz vorgesehen. Dass aber deutlich mehr mit dem Auto zur Hochschule fahren, zeigt sich täglich in den umliegenden Straßen wie hier der Loosestraße.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Die Loosestraße und benachbarte Straßen in Cölln am Mittwochnachmittag: Auto reiht sich an Auto auf den Parkplätzen, die mit Parkuhr nur zwei, drei Stunden lang gratis sind. Die Kennzeichen verraten, dass viele Fahrer keine Meißner sind: Aus Dresden kommen sie, aus Bautzen, Plauen, Chemnitz, Leipzig, und sogar aus Köln, Stuttgart und Frankfurt am Main.

„Als Anwohner hast du überhaupt keine Chance mehr“, sagt ein Mann, der in der Loosestraße wohnt und anonym bleiben möchte. Die Studenten seien teilweise so dreist, dass sie alle zwei Stunden die Parkuhren vorstellten. Alle Straßen rings um die Hochschule Meißen seien betroffen. „Die Studenten fahren alle einzeln“, sagt der Mann, der sich wegen der schwierigen Parksituation in Cölln an die Sächsische Zeitung gewandt hat. „Vonwegen Fahrgemeinschaften!“

In der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege, zu der auch ein Fortbildungszentrum des Freistaates gehört, ist das Problem seit einer Weile bekannt. Schon 2009 habe es Hinweise von umliegenden Bewohnern gegeben, dass Studenten und Fortbildungsteilnehmer Parkplätze blockierten, erzählt Gert Hocke, der Referatsleiter Studienangelegenheiten.

Damals seien mehr Kurzzeitparkplätze, eben diese, die das Parken auf zwei Stunden beschränken sollen, eingerichtet worden. „Danach war ein wenig Ruhe eingetreten, bis sich wieder ältere Anwohner beschwerten, dass einige Studenten offenbar in jeder Pause die Parkuhren weiterdrehen“, sagt Hocke. Außerdem wurde es in der Zeit, in der die Parkbeschränkung gilt, nun auch für die Anwohner schwierig, ihr Auto abzustellen.

Die Kritik gab die Hochschulleitung damals an den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) weiter, der über weitere Parkplätze zu entscheiden hat. „Wir hatten das Glück, dass noch im selben Jahr weitere 88 Stellplätze gebaut wurden“, sagt Hocke. Damit wuchs die Zahl auf 324 – den heutigen Stand.

Hocke rechnet die Personen gegen, die sich täglich an der Hochschule aufhalten: rund 360 Präsenzstudenten, etwa 80 Hochschulmitarbeiter und rund 120 Fortbildungsteilnehmer, macht etwa 560 Menschen, von denen manche aber auch mit der S-Bahn aus Dresden kämen. Trotzdem rund 200 Leute mehr als Stellplätze zur Verfügung stehen, könnte man meinen.

Doch Hocke sagt überraschenderweise: „Wir sind besser gestellt, als es die Baurichtlinien vorsehen.“ Nach diesen sollten die 324 Plätze nämlich für rund 1 300 Menschen reichen. Deshalb sieht er auch wenig Chancen, vonseiten des SIB weitere Parkplätze genehmigt zu bekommen. „Anders wäre es, wenn es, wie angedacht, eine Ausbildungsoffensive im Freistaat geben würde, mit dem Ziel, dem demografischen Wandel in der Verwaltung entgegenzutreten und mehr Leute auszubilden“, sagt Hocke. „Wenn wesentlich mehr Studenten hier sein könnten, müsste man die Parkplatzsituation neu überdenken.“ Schon in diesem Jahr kann die Hochschule einen Rekord bei den Studentenzahlen vorweisen.

Montags und freitags, wenn die Studenten direkt aus ihren Heimatorten kommen beziehungsweise nach dem Unterricht dorthin zurückfahren, sei die Situation besonders angespannt, das berichtet auch der Anwohner. Bei Großveranstaltungen können laut Hocke locker noch einmal 300 Menschen dazukommen. Die Hochschule verweise dann immer auf die Parkplätze links und rechts der Elbe. „Ich bin selbst Meißner“, sagt Hocke, „und laufe jeden Tag von der Albrechtsburg 25 Minuten hierher – und das tut mir sogar gut.“

Die Anlieger der Hochschule haben sich mit ihrem Problem inzwischen auch an den Oberbürgermeister gewandt. Dieser habe zugesagt, dass zumindest Ein- und Ausfahrten bald markiert werden sollen.