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Ost-Wirtschaft besorgt wegen Trump

Die Vereinigten Staaten von Amerika werden künftig von Donald Trump angeführt. Der Republikaner fiel im Wahlkampf mit Abschottungsplänen und einer Abkehr von Handelsabkommen auf. Sein Sieg erfüllt die ostdeutsche Exportwirtschaft mit Sorge.

09.11.2016

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Der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), Reint Gropp.

© IWH

Magdeburg. Die politische Unsicherheit nach der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten hat nach Experteneinschätzungen negative Folgen für die ostdeutsche Wirtschaft. „Wenn die wichtigste Wirtschaftsmacht der Welt von einem Mann geleitet wird, der keinen Regeln folgt, die wir kennen, dann führt das überall zu Investitionszurückhaltung“, sagte der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), Reint Gropp, am Mittwoch. „Unsicherheit ist Gift für neue Investitionen.“ Zudem fürchten Wirtschaftsvertreter Trumps Wahlkampfankündigung, die USA mit neuen Zöllen und weniger Freihandel künftig stärker abzuschotten.

Das würde auch die exportorientierten Branchen in Ostdeutschland treffen, vor allem in Sachsen, wie der Vize-Chef des Dresdner Ifo-Instituts, Joachim Ragnitz, sagte. Die USA seien für den Freistaat der zweitwichtigste Handelspartner. Wichtigste Ausfuhrprodukte seien Autos, Maschinen und elektrotechnische Waren - alles Güter, die in Sachsen einen hohen Anteil an der Produktion ausmachten.

Die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft will zwar zunächst abwarten, welchen wirtschaftspolitischen Kurs Trump als US-Präsident tatsächlich einschlägt. Für die stark exportorientierte sächsische Wirtschaft seien offene Märkte und Freihandel aber von existenzieller Bedeutung.

Die ostdeutschen Maschinenbauer reagierten besorgt auf den Sieg des Republikaners. Die Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten aufgrund der Russland-Sanktionen bereits herbe Rückschläge beim Exportgeschäft hinnehmen müssen, erklärte der Verband. Eine mögliche Abschottung des US-Marktes würde die Branche erneut hart treffen.

Für die Unternehmen in Sachsen-Anhalt ist die Bedeutung des US-Marktes in den vergangen Jahren enorm gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Export in die Staaten vervierfacht, sagte die Geschäftsführerin für Internationales bei der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Birgit Stodtko.

Sieben Prozent des Ausfuhrvolumens gingen inzwischen in die USA, vor allem Elektrotechnik, optische Geräte, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse würden exportiert. Die IHK Magdeburg befürchtet nach dem Wahlausgang Rückschläge für diese Entwicklung. „Für unsere exportorientierten Unternehmen sind Freihandels- und Klimaabkommen zentrale Themen“, erklärte Kammer-Präsident Klaus Olbricht mit Blick auf Trumps ablehnende Haltung zu solchen Verträgen.

„In den USA wird jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen, wir müssen das Beste daraus machen“, erklärte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Der Freistaat werde den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen.

Doch auch in Thüringen ist die Verunsicherung in der Wirtschaft groß, wie die IHK Erfurt mitteilte. Die USA seien binnen weniger Jahre in der Liste der Exportländer vom fünften auf den ersten Platz gerückt. Allein im ersten Halbjahr seien Waren im Wert von 543 Millionen Euro exportiert worden. Kammerpräsident Gerald Grusser hofft, dass in den USA wieder Sachpolitik im Vordergrund stehen wird. „Auch Donald Trump wird erkennen, dass die USA ein Teil der globalen Welt sind und sich ein Abschotten nicht leisten können.“ (dpa)