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Freitag, 27.06.2014

Onlinebestellungen waren das Schlimmste

Warum Dirk Rossmann auch unter der Schleckerpleite litt und seine Söhne ihn gern behalten möchten.

Milliardär mit Prinzipien: Dirk Rossmann.
Milliardär mit Prinzipien: Dirk Rossmann.

© dpa

Herr Rossmann, immer mehr Menschen kaufen im Internet. Sorgt Sie das?

Nein. Das Onlinegeschäft ist bei Büchern, bei Elektroartikeln und bei Mode erfolgreich. Aber was ist bei Mode typisch? Eine riesige Marge – der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis ist gigantisch. Deshalb ist auch beim Lebensmittelhandel online der große Durchbruch weltweit bisher nicht da. Wir haben im Handel Preiskrieg – die Margen sind einfach zu klein, um den Aufwand zu rechtfertigen. Man hat zu viele Kosten im Online-Handel. Als Schlecker in die Insolvenz ging, fingen die Leute an, bei uns online zu kaufen. Das war das Schlimmste, was uns passieren konnte. Die Leute kauften Windeln und Toilettenpapier; da haben wir keine Marge, und deshalb machten wir Verluste.

Mitten in Hannover entsteht derzeit Ihre 33. Hannover’sche Filiale. Sie hat eine für Rossmann-Maßstäbe sehr große Verkaufsfläche. Ist das der neue Trend?

Eigentlich planen wir nur noch mit Läden ab 650 bis 700 Quadratmetern Verkaufsfläche aufwärts, andere machen wir gar nicht mehr auf. Der Trend zu großen Läden ist eindeutig: Wir schließen auch dieses Jahr wieder 70 kleine Läden, aber machen auch 150 große auf. Wir haben eine eigene Immobiliengesellschaft und entwickeln jährlich 15 bis 20 eigene Objekte. In den großen Städten ist es ganz schwer, Flächen dieser Größe zu bekommen.

Kann das Prinzip „Filialzahl runter, Gesamtfläche rauf“ auch in dicht besiedelten Ballungsräumen funktionieren?

In Hannover haben wir vier Läden geschlossen und einen großen aufgemacht – aber das ist ein Rossmann-Markt, wie wir ihn uns heute vorstellen. In den neuen großen Läden haben wir zusätzliche Sortimente wie Spielwaren, Schreibwaren und Haushaltsbedarf.

Sie sind 67 Jahre alt, die Übergabe an Ihre Söhne soll Schritt für Schritt ablaufen. Wie ist denn Ihre Arbeitsteilung?

Von IT, Logistik und Einkauf verstehe ich wenig. Von Expansion hingegen verstehe ich etwas. Dort arbeitet auch mein älterer Sohn Daniel mit. Im Einkauf arbeitet mein jüngerer Sohn Raoul. Meine Frau ist für die Eigenmarken verantwortlich. Jeder hat seinen Bereich. Die Führungskräfte haben Freiräume, und es ist meine Aufgabe zu sehen, wie sie untereinander agieren, wie das Betriebsklima ist. Ich sehe mich mehr als Moderator und Psychologen. Insofern wollen mich meine Söhne auch noch gar nicht loswerden.

Familie und Firma – wie geht das?

Wir gehen liebevoll miteinander um – mit wechselseitigem Respekt und Vertrauen. Wir streiten uns aber auch mal, wir zanken uns. Das gehört auch zu unserer Unternehmenskultur.

Sie führen mit Ihrer Frau Alice, Einkaufschef Praus und Finanzchef Frobel die Geschäfte. Letztere gehen in den Ruhestand, neuer Einkaufschef wird Ihr Sohn Raoul. Und was ist dann mit den zwei Geschäftsführerposten?

Es gibt Nachfolger aus den eigenen Reihen, aber die Neuordnung will ich erst im Oktober bekannt geben.

Interview: Heiko Lossie und Ralf E. Krüger (dpa)

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