erweiterte Suche
Mittwoch, 06.12.2017 Pirnaer Adventskalender

Ohne Korb kein Transport

Wie lebten die Pirnaer zu Canalettos Zeiten? Türchen 7: der Korbmacher.

Von Christian Eissner

Aus dem siebenten Türchen unseres Pirnaer Adventskalenders schaut Anni Rosa Lichtmann (7) aus Pirna als Korbmacherin.
Aus dem siebenten Türchen unseres Pirnaer Adventskalenders schaut Anni Rosa Lichtmann (7) aus Pirna als Korbmacherin.

© Marko Förster

Pirna. Wenn Wochenmarkt war im Pirna des Jahres 1753, dann hat man sie ganz sicher auf dem Marktplatz angetroffen: Korbmacher. Aus Weidenruten geflochtene Körbe dienen uns heute fast nur noch zur Dekoration, damals waren sie eines der wichtigsten Transportbehältnisse. Bauern transportierten in den Körben Obst, Gemüse und Eier, Markthändler ihre Waren, die Bürgerfrauen nutzten sie für Besorgungen oder auch, um die Wäsche zum Waschen und Bleichen zu tragen. Aus Weidenholz geflochten waren Wiegen für Kleinkinder, auch Truhen und Stühle flocht man. Auf dem Lande und in ärmeren Haushalten stellte man einfache Körbe oft selbst her.

In der Stadt hingegen ging man zum Korbmacher, wenn Ersatz benötigt wurde oder wenn im Haushalt ein Korbprodukt angeschafft werden musste, dessen Herstellung Erfahrung und Kunstfertigkeit voraussetzte. Denn auch wer die Grundtechnik beherrschte, brachte noch lange kein elegantes Flechtmuster zustande.

Korbmacher, das war oftmals ein Broterwerb aus der Not heraus. Das Ausgangsmaterial fand sich an den Weiden der Bäche und Flussläufe, wo die geschnittenen Ruten auch eingeweicht werden konnten, denn nur so ließen sie sich später verarbeiten. Der Korbmacher benötigte keine Ausstattung mit Spezialwerkzeug wie andere Handwerker, er lebte in bescheidenen Verhältnissen, zog von Dorf zu Dorf und von Markt zu Markt, um seine Waren zu verkaufen. Er konkurrierte dabei mit Tagelöhner- oder Bauernfamilien, die sich in der dunklen Jahreszeit die Haushaltskasse mit dem Verkauf des selbst hergestellten Flechtwerks aufbesserten. Reich konnte ein Korbmacher also nicht werden.

Die Weidenruten schnitt er November bis Februar am Flussufer, trocknete sie und weichte sie dann zwei bis drei Wochen in kaltem Wasser ein, damit sie wieder biegsam wurden. Für besonders schöne helle Körbe war das Prozedere noch aufwendiger. Diese Weidenruten mussten im Wasser stehen, bis sie Wurzeln und Blätter trieben, sie wurden dann geschält, getrocknet und vor dem Verarbeiten noch einmal eingeweicht. Es steckte also viel mehr Arbeit in einem Korb als nur das reine Flechten.