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Öl in Lachen und brenzlige Lagen

Bei der Messe Florian diskutieren Fachleute über neue Herausforderungen. Eine davon sind Einsätze nach Anschlägen.

06.10.2017
Von Christoph Springer

hen und brenzlige Lagen
Bei der Messe Florian können Einsatzwagen in Ruhe angeschaut werden – es werden auch Antworten bei der Bekämpfung von Terroranschlägen gesucht. Foto: Sven Ellger

Alle reden über Berlin. Was passiert beim zweiten Hit, fragen sich Feuerwehrleute, Retter und Katastrophenschützer. Wie können sie sich selbst beim Einsatz schützen, wenn nach einem ersten Terroranschlag noch ein zweiter folgt? In Berlin lautete eine Frage nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche: Hat der Lkw, mit dem der Attentäter in die Menschenmenge gefahren war, eine gefährliche Ladung?

Wie bei solchen Anschlägen professionell reagiert werden kann, ist eines der Themen, die auf der Messe Florian 2017 diskutiert werden. Aber eine Antwort gibt es noch nicht, diese Probleme sind auch für die hauptamtlichen Helfer neu. Sie setzen dabei auf die Erfahrungen ihrer Kollegen aus Paris und Berlin. Die berichten in einem Forum von ihren Einsätzen nach den Terroranschlägen in ihren Städten. Andreas Rümpel, der Chef des Dresdner Brand- und Katastrophenschutzamtes, hofft auf neue Ideen, auf „Lösungen für besondere Gefährdungslagen“. Denn auch der Freistaat bereitet sich auf solche Szenarien vor. „Das ist zum Beispiel der Massenanfall von Verletzten“, erklärt Rümpel im besten Feuerwehrdeutsch eines der Probleme. Werden bei einem Anschlag Hunderte Menschen verletzt, genügt es nicht, Einsatzzelte aufzubauen, um die Verletzten dort vorübergehend unterzubringen und vielleicht sogar schon zu behandeln. Dann müssen die Rettungsdienste und Kliniken enger zusammenarbeiten als bisher. Rümpel: „Wenn es so einen Fall in Leipzig gibt, dann müssen bei mir in Dresden die Alarmglocken klingeln“. Dann gehe es nicht nur darum, Fahrzeuge und Personal zur Verfügung zu stellen. Dann müssten die Dresdner darüber nachdenken, zum Beispiel die Anfahrt der Hilfskräfte aus allen Himmelsrichtungen oder die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern in und um Leipzig koordinieren. „Aber dazu müssen wir ganz anders vernetzt sein als bisher“, sagt der Chef der rund 600 städtischen Brandschützer und Notfallretter.

Drei Tage lang haben er und seine Kollegen auf der Florian Zeit, solche Fragen zu diskutieren. Die Messe wird von der Dresdner Firma Ortec organisiert, die wie die Sächsische Zeitung zur DDV-Mediengruppe gehört. Mehr als 200 Aussteller präsentieren in drei Hallen und auf dem Außengelände jede Menge Feuerwehren und Rettungsfahrzeuge, Spezialtechnik wie Lampen, Messgeräte und Signalleuchten, Einsatzkleidung und Atemschutzgeräte. Auch Drohnen und Systeme zum Schutz vor den kleinen Flugobjekten werden gezeigt. Sogar ein Helikopter ist neben den Messehallen gelandet, die DRF Luftrettung präsentiert einen ihrer Hubschrauber.

Mehr noch als Technik und Schutzausrüstung beschäftigt die Verantwortlichen bei den Feuerwehren und den Hilfsdiensten die Frage, ob und wie sie in den kommenden Jahren neue Kollegen gewinnen können. „Noch ist es ganz gut“, beschreibt Rümpel das Interesse an der Ausbildung bei der Feuerwehr, doch die Zahl der Bewerber ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken. 260 kamen zum letzten Azubi-Test der Berufsfeuerwehr, früher waren es fast 500. 20 haben einen Ausbildungsplatz bekommen. Genau so viele brauchte Rümpel, um die Kollegen ersetzen zu können, die in Rente gehen, wenn die neuen Azubis fertige Feuerwehrmänner sind. Doch der Kampf um neue, geeignete Bewerber und Engpässe bei der Ausbildung beschäftigen den Chef der Dresdner Brandschützer immer mehr. So sollten 2018 für Dresden 20 Azubis in die zweijährige Ausbildung einsteigen, es gab aber nur zwölf Plätze für die Landeshauptstadt in der Landesfeuerwehrschule in Nardt (Landkreis Bautzen). Nun denkt Rümpel darüber nach, acht Azubis bei der Feuerwehr Dresden selbst auszubilden. Außerdem bemängelt er, dass alle angehenden Feuerwehrmänner noch eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter machen müssen, wenn sie auch voll im Rettungsdienst mitarbeiten wollen. Fünf Jahre Gesamtausbildungszeit sind zu viel, moniert Rümpel. Dazu kommt, dass die Azubis besser bezahlt werden müssten. Mehr als knapp 1 000 Euro netto bekommt keiner von ihnen, in den alten Bundesländern sind das durchaus ein paar Hundert Euro mehr.

Bei der Messe können potenzielle Azubis bei Feuerwehr und Rettungsdienst Fragen zur Ausbildung stellen und ein paar Aufgaben des Einstellungstests lösen. Diesen Service bietet das Dresdner Brand- und Katastrophenschutzamt an seinem Stand G1 in Halle 3 an. Auch die Handwerkskammer, die Jugendfeuerwehr Sachsen, das DRK und die Johanniter-Unfall-Hilfe aus Dresden beantworten auf der Florian 2017 Fragen zur Ausbildung und zum Berufseinstieg bei der Feuerwehr und den unterschiedlichen Rettungsdiensten.

www.messe-florian.de