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Donnerstag, 04.01.2018

Oberhof kämpft mit Millionen gegen den Abstieg

Weltcup-Absage, WM-Niederlage und Zuschauer-Schwund: In die kriselnde Biathlon-Hauptstadt wird nun beträchtlich investiert.

Von Daniel Klein

Arnd Peiffer lebte jahrelang in Oberhof, zog nun nach Bayern um.
Arnd Peiffer lebte jahrelang in Oberhof, zog nun nach Bayern um.

© dpa

Es war von fast allem etwas dabei: Regen, Graupel, Schnee – und ganz viel Sturm. Einen Tag vor Beginn des Weltcups bestätigte Oberhof seinen Ruf als Biathlonort mit den schwierigsten Wetterbedingungen. Die Prognosen sind auch nicht viel besser, es droht schmuddelig zu werden. Die leichten Plusgrade lassen zudem die Schneedecke auf der 2,5 Kilometer langen Loipe dahinschmelzen. Doch für den Fall der Fälle wurde vorgesorgt. In den Depots lagern noch 24 000 Kubikmeter künstlicher Schnee. Das sollte reichen.

Oberhof hat aus den Versäumnissen der Vergangenheit gelernt. Vor zwei Jahren musste der Weltcup abgesagt werden, weil die Grundlage für die Wettbewerbe fehlte. Die Quittung folgte umgehend. Wenige Monate später fiel die Stadt am Rennsteig bei der Abstimmung über die WM-Vergabe 2020 krachend durch, erhielt lediglich vier Stimmen. Die Internationale Biathlon-Union (IBU) drohte mit weiterem Liebesentzug, der Weltcup war generell in Gefahr.

Thomas Schulz kann sich noch gut an die Zeit erinnern. „Es hat die Menschen in der Region aufgerüttelt und ihnen gezeigt, dass alles verletzbar ist“, sagt der Bürgermeister, der in der 1 600 Einwohner kleinen Stadt eine Pension betreibt. Die Auswirkungen der Absage bekam auch er zu spüren, in einem Hotel im benachbarten Suhl brach der Jahresumsatz gleich um zwölf Prozent ein. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gewerbetreibenden der Region durch einen Weltcup einen Umsatz von 20 Millionen Euro erzielen.

Damit der nicht für immer wegfällt, wurde reagiert. Ein Teich entstand, der die Schneekanonen mit Wasser versorgt. Und ein Depot, in dem zumindest ein Teil der künstlichen Kristalle über den Sommer gerettet wird. Um konkurrenzfähig zu bleiben, reicht das jedoch nicht aus. Seit dem großen Umbau für die WM 2004 wurde am Stadion kaum etwas verändert. Andere Standorte wie das tschechische Nove Mesto haben Oberhof inzwischen überholt. Deshalb wird nun kräftig investiert, die Strafrunde verlegt, der Tunnel darunter vergrößert, das Zielgebäude ausgebaut. Künftig sollen die Biathleten mit einem Fahrstuhl zum Startbereich kommen, der Weg durch die Zuschauermassen bleibt ihnen so erspart. Beginnen sollen die Arbeiten noch in diesem Jahr. 20 Millionen Euro lässt sich die öffentliche Hand das kosten.

Ausgezahlt hat es sich schon jetzt. Die IBU verlängerte wohl auch unter dem Eindruck der versprochenen Modernisierungen die Weltcup-Garantie für vier weitere Jahre bis 2022. Im Spätsommer wird dann über den WM-Gastgeber von 2023 abgestimmt, Oberhof will erneut antreten. Die Chancen dürften diesmal besser stehen.

In diesen Tagen soll ein Imagefilm präsentiert werden. Es wäre ganz hilfreich, wenn die Livebilder mit den Bildern im Video Ähnlichkeit hätten. Matschige Wiesen, peitschender Wind und verwehtes Schießen wären nicht förderlich für die Bewerbung – volle Ränge dagegen schon. Jahrelang galt Oberhof als weltweite Biathlon-Hauptstadt mit den meisten, lautesten und verrücktesten Fans. In den vergangenen Jahren waren die jedoch scharenweise weggeblieben. Daran war sicher nicht nur das obligatorische Schmuddelwetter schuld. Die Kritik an völlig überteuerten Hotelzimmern sowie unfreundlichen und unflexiblen Gastronomen wuchs.

In den kommenden Tagen rechnen die Organisatoren mit 65 000 Zuschauern, das wären immerhin 5 000 mehr als vor einem Jahr. Und es gibt noch eine positive Nachricht aus Oberhof: Laura Dahlmeier hat ihre Erkältung auskuriert, wird starten. Wenn nur das Wetter nicht wäre ...

TV-Tipp: Do., 12.30 Uhr: Sprint der Frauen, ARD

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