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Montag, 17.10.2016

OB Hilbert findet klare Worte

Einen Tag nach der Pegida-Jubiläumskundgebung demonstrierten Dresdner für ein menschlicheres Miteinander. An Demonstrationen und Kundgebungen beteiligen sich mehrere Tausend Menschen.

Dresden beging am Montag auf dem Neumarkt ein Bürgerfest.
Dresden beging am Montag auf dem Neumarkt ein Bürgerfest.

© Sven Ellger

Dresden. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat das Pegida-Bündnis scharf attackiert. „Diese selbsternannten Patrioten haben sich als das entpuppt, was sie in ihrer Spitze sind: Gegner unserer Demokratie, Gegner unseres Staates“, sagte er am Montag während seiner Rede bei einem Bürgerfest unter dem Motto „Dresden zeig dich“. Zu diesem hatte Hilbert nach den Pöbeleien vom 3. Oktober aufgerufen. Etliche Bündnisse, die sich seit Langem gegen Fremdenhass engagieren, kritisierten daraufhin das späte Positionieren Hilberts, schließlich gäbe es Pegida seit nunmehr zwei Jahren.

Die "Herz statt Hetze"-Demonstrationen

Das Bürgerfest auf dem Neumarkt

Los ging es auf dem gut gefüllten Neumarkt mit einem ökumenischen Friedensgebet. Kreuzkirchenpfarrer Christian Behr thematisierte in seiner Rede die Proteste zum Tag der Deutschen Einheit: „Was man am 3. Oktober erleben musste, sprengte meine Vorstellungskraft. Beschimpfungen bis hin zu rassistischen Äußerungen. Die Worte sind nicht zu rechtfertigen und menschenunwürdig.“ Neben Behr und Hilbert sprach auch Frank Richter, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Auch er fand deutliche Worte zu Hetzern und Pöblern in dieser Stadt - und bekam von allen Rednern wohl den meisten Applaus an diesem Abend. Zwischen weiteren Redebeiträgen gab es immer wieder Musikeinlagen, im Kulturhauptstadtcontainer konnte diskutiert werden, mehrere Bürgermeister standen für Gesprächsrunden zur Verfügung.

Eine von der Polizei zunächst blockierte Gruppe von etwa 20 mutmaßlichen Pegida-Anhängern wurde gegen 18 Uhr schließlich doch auf den Neumarkt gelassen. Promt wurden Journalisten - auch SZ-Reporter - mit „Lügenpresse“ angepöbelt. Augenzeugen zufolge waren auch einige Rechte von der Identitären Bewegung auf dem Platz. Die Polizei teilte am Abend mit, dass einzelne Störer des Platzes verwiesen worden seien.

Neben dem Bürgerfest gibt es mehrere Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Bereits am Nachmittag sind schätzungsweise jeweils mehr als 1000 Menschen vom Bahnhof Neustadt und an der TU losgelaufen. Die beiden Demozüge vereinigten sich am Pirnaischen Platz. Die Initiative Durchgezählt nannte auf Twitter Teilnehmerzahlen vom Start der Demos, SZ-Reporter schätzen die Zahl der vereinigten Demo am Pirnaischen Platz auf 6 000 bis 8 000 Menschen. Einig scheinen sich die Demonstranten nicht zu sein: Eine Gruppe ruft „Wo, wo, wo wart ihr gestern?“ und meint damit die Anti-Pegida-Demos vom Sonntag. Am Postplatz findet schließlich die Abschlusskundgebung statt. Dort spricht unter anderem der sächsische Linke-Parteichef Rico Gebhardt. „Wer heute noch einem Bachmann und Konsorten hinterher läuft, der ist ein Rassist und nichts anderes,“ sagte er und bekam viel Applaus. Der Grüne Valentin Lippmann fügte hinzu, Pegida sei nicht das größte Problem in Dresden, sondern die vielen Tausend Dresdner, die sich nicht eindeutig dagegen positionieren würden.

Ursprünglich sollten die Veranstaltungen eine direkte Alternative zur zunächst ebenfalls für Montag angekündigten Pegida-Kundgebung bieten. Diese wurde aber um einen Tag vorverlegt, nachdem den selbsternannten Patrioten der Theaterplatz wegen einer bereits vom Grünen-Politiker Jürgen Kasek angemeldeten Gegendemo verwehrt worden war. Organisator Lutz Bachmann hatte seine Anhänger am Sonntag zu „Raucherpausen“ aufgerufen und behauptete, dass er und Siegfried Däbritz aufgrund eines Verbotes nicht daran teilnehmen könnten. Dieses „Verbot“ war allerdings weder der Polizei noch der Versammlungsbehörde bekannt. Der Theaterplatz blieb am Montag übrigens menschenleer, was Kasek zufolge genau so geplant gewesen sei. (szo)