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Äußere Neustadt Donnerstag, 15.11.2012

„Nur Flaschen werfen weg“

Aus Berlin kommt die Aktion „Pfand gehört daneben“ jetzt auch nach Dresden. Statt im Müll soll Leergut in Kästen landen.

Von Iris Hellmann

Es war ein Schlüsselmoment für Matthias Seeba Gomille, als er in Berlin zwei Menschen beobachtete: einen, der seine ausgetrunkene Flasche in den Mülleimer warf, und einen zweiten, der unmittelbar danach darin herumwühlte und die Pulle wieder herausangelte.

Ein trauriges Bild, entwürdigend für den, der auf die paar Cent Pfand angewiesen ist, und auch gefährlich, weil er sich am zerbrochenen Glas verletzen kann. Eine Szene, die auch in der Neustadt vor allem am Wochenende zum abendlichen Bild gehört: vor Klubs, Bars, Diskotheken, im Park oder an der beliebten Treffpunkt-Kreuzung Rothenburger/Görlitzer Straße.

Matthias Seeba Gomille wollte nicht mehr zuschauen, sondern einfach helfen. „Noch am selben Abend habe ich eine Facebookseite gegründet und einen Aufkleber entworfen“, erzählt der Berliner, der hauptberuflich in einer Werbeagentur arbeitet. Die Aktion „Pfand gehört daneben“ war geboren. Mit den entsprechend beschrifteten Aufklebern sollten die Partygänger animiert werden, ihr Leergut nicht in die Papierkörbe oder Mülltonnen zu werfen, sondern eben daneben oder in entsprechend gekennzeichnete Kisten zu stellen, garniert mit frechen Sprüchen wie „Nur Flaschen werfen Geld weg“ oder „Datt ist Pfand, du Flasche“. So soll das entwürdigende Mülltonnen-Durchwühlen den Pfandsammlern erspart und das Verletzungsrisiko gesenkt werden.

In nur einem Jahr hat sich das Projekt bundesweit herumgesprochen. Schulsprecher, kirchliche Gruppen, aber auch Stadträte wenden sich an die Macher. Die Facebookseite hat mehr als 17.000 Fans. „Mit der Resonanz hätten wir am Anfang nie gerechnet“, sagt Matthias Seeba Gomille. Mittlerweile wollen sich auch Getränkehersteller beteiligen, berichtet Mischa Karafiat, der das Konzept in Hamburg betreut.

Und nun werden auch in Dresden fleißig Aufkleber an Mülleimern verteilt. Der Klub Sabotage in der Bautzner Straße 75 wird als einer der ersten solche Pfandkisten aufhängen. „Wir kennen diese Problematik sehr gut“, sagt Betreiber Christoph Töpfer. Bis zu 30 Euro Pfandsumme, so schätzt er, werden an manchen Abenden allein hier rings um den Klub liegengelassen oder weggeworfen. „An den Wochenenden kommen bei uns stündlich die Sammler vorbei, aus allen Altersschichten, vom Studenten bis zum Rentner“, beschreibt er. „Es zerreißt einem das Herz, wenn man sieht, dass manche ältere Menschen an ihrem Lebensabend darauf angewiesen sind.“

Die regional bekannte Band „Yellow Cap“ hat jetzt eigens den Song „Schön daneben“ für das Projekt geschrieben und wird ihn am 22.November im Klub Sabotage erstmals öffentlich vorstellen. Drummer Lars Friedrich hatte in Berlin auf einem Aufkleber von der Aktion gelesen und sich sofort angesprochen gefühlt. „Es ist zu einfach, um es nicht zu tun“, sagt er.

Um „Pfand gehört daneben“ in Dresden noch weiter bekannt zu machen, rufen die Macher für morgen Nachmittag zur Pfandsammelaktion am Alaunplatz auf. Von 15 bis 16 Uhr werden Pfandflaschen aller Art entgegengenommen. Der Erlös kommt der Aktion zugute, um weitere Aufkleber zu drucken oder Pfandkisten aufzustellen.