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Freitag, 20.12.2013

NPD-Chef gibt abgekämpft auf

Rechtspartei in der Krise: Nach langem Führungsstreit tritt Holger Apfel von allen Posten zurück und meldet sich krank.

Von Gunnar Saft

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Galt einst als Hoffnungsträger in der rechten Szene: Der jetzt als NPD-Bundesvorsitzender und NPD-Fraktionschef im sächsischen Landtag zurückgetretene Holger Apfel.
Galt einst als Hoffnungsträger in der rechten Szene: Der jetzt als NPD-Bundesvorsitzender und NPD-Fraktionschef im sächsischen Landtag zurückgetretene Holger Apfel.

© dpa

Das Gerücht hielt sich bereits seit Tagen: Noch vor Jahresende, so hieß es, wolle die sächsische NPD-Landtagsfraktion ihren Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel, der zu dem Zeitpunkt auch Chef der Bundes-Partei war, auf einer eigens anberaumten Fraktionssitzung zum Rücktritt drängen. Zu diesem Termin kam es aber nicht, zu Apfels Rücktritt dagegen schon.

Gestern Vormittag verkündete der 42-jährige Rechtsextreme in einer Mitteilung, dass er sich ab sofort von all seinen Posten trennen wird. Apfel gibt sowohl als NPD-Bundesvorsitzender als auch als NPD-Fraktionschef im Dresdner Landtag auf. Diese beiden Ämter hatte er seit 2011 bzw. bereits seit 2004 ununterbrochen inne.

Die offizielle Begründung für Apfels Handtuchwurf wurde von seiner Partei eilig verbreitet: Ein „Burn-Out“-Syndrom soll der Grund für diesen Schnitt gewesen sein. Herr Apfel habe sich krankheitsbedingt von der politischen Bühne zurückgezogen, teilt man auf Nachfrage bereitwillig mit.

Visionslos und organisatorisch überfordert

Wer will, kann diese Variante glauben. Vieles spricht jedoch dafür, dass der einst mächtigste Mann in der zurzeit von einem Verbotsverfahren bedrohten Partei mit seinen politischen Konzepten und seinem Führungsstil kläglich gescheitert ist. Der gelernte Verlagskaufmann aus Hildesheim, der die sächsische NPD 2004 und 2009 über die Fünf-Prozent-Hürde und damit in den Landtag brachte, galt seit Langem als visionslos und organisatorisch überfordert, wenn es um die Zukunft und den Zustand der Gesamtpartei ging. Die Zahl der Mitglieder sank, und Apfels Kurs einer vermeintlich „seriösen Radikalität“, mit der er die NPD breiteren Wählerschichten schmackhaft machen wollte, verfing nicht, im Gegenteil. Vor allem die freien Kräfte der rechten Szene kritisierten Apfel als zu lasch und angepasst. Sie wendeten sich in Scharen von der Partei ab. Auch Apfels zwischenzeitlicher Aufstieg zum Bundesvorsitzenden, bei dem er seinen langjährigen Rivalen Udo Voigt verdrängte, änderte an der Dauerkritik nichts. Zuletzt gab es sogar Anfeindungen gegen ihn direkt aus dem Führungskreis. Bundes-Vize und Bayerns NPD-Chef Karl Richter hielt dem Parteivorsitzenden öffentlich Mobbing, Intrigen und Konkurrenzneid vor. Nun also Apfels Karriereknick per Krankenschein.

Auffällig ist, wie schnell sich seine ehemaligen Weggefährten auf die vermeintlich überraschende Situation einstellen. Bereits am Sonntag will die NPD-Spitze auf einer Sondersitzung über die Besetzung des vakanten Spitzenamtes beraten. Als aussichtsreichster Nachfolger gilt vorerst Udo Pastörs, der deutlich radikaler auftretende NPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag. Aber auch Ex-Chef Udo Voigt meldet laut Medienberichten wieder Ambitionen an.

Ankündigung wie eine Drohung

Unterdessen bröckelt es ebenfalls an Apfels Heimatfront. Man könne es sich nicht vorstellen, dass Herr Apfel angesichts seines Gesundheitszustandes bei der im August 2014 in Sachsen anstehenden Landtagswahl wieder als NPD-Kandidat antrete, teilte seine Fraktion mit. Und nicht nur das. Im Januar wolle man über einen Nachfolger entscheiden. Beraten werde dann aber auch, ob Apfel angesichts seiner Erkrankung weiter sein sächsisches Abgeordnetenmandat ausüben kann. Man werde mit ihm darüber sprechen, hieß es. Eine Ankündigung, die wie eine Drohung klingt.

Ob nun sofort oder erst nach der Landtagswahl, Apfels Abgang von der Politikbühne ist offenbar auch in Sachsen längst beschlossene Sache. Die Nachfolger erwartet eine Reihe undankbarer Aufgaben. Vor allem müssen sie entscheiden, ob sie Fraktion und Landesverband kurzfristig eine neue Strategie verpassen: Lauter, aggressiver und stärker auf den extremen rechten Rand ausgerichtet, um somit den Verbleib im Dresdner Parlament noch irgendwie zu sichern. Zuletzt lag die Rechtspartei bei nur drei Prozent – das wäre zu wenig.

Als ein Anwärter auf Apfels Posten in der Landtagsfraktion gilt der bisherige Vize Johannes Müller, ein Arzt aus Sebnitz. Dem droht aber interne Konkurrenz durch den Abgeordneten Mario Löffler. Der in Stollberg geborene Kaufmann war schon einmal NPD-Chef in Sachsen und zog 2012 als Nachrücker ins Parlament ein. Hier agierte er bisher in der zweiten Reihe. Doch die Personalnot in der achtköpfigen Fraktion macht nun den zweiten Aufstieg möglich.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. aha

    ups -im Apfel ist der Wurm drin

  2. schlapphut

    Zieht der VS seine Leute, damit Karlsruhe nicht wieder in die Hosen geht? Politstadl BRD ...

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