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Mittwoch, 15.11.2017

Notstand am Liftparkplatz

Altenberg hat keine guten Erfahrungen mit öffentlichen Toiletten gemacht. Das muss sich ändern – schnell.

Von Mandy Schaks

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Der zentrale Parkplatz in Altenberg an der B170 wurde im Sommer mit einem automatischen Schrankensystem ausgestattet. Fotos:
Der zentrale Parkplatz in Altenberg an der B 170 wurde im Sommer mit einem automatischen Schrankensystem ausgestattet. Fotos:

© Kamprath

  • Der zentrale Parkplatz in Altenberg an der B170 wurde im Sommer mit einem automatischen Schrankensystem ausgestattet. Fotos:
    Der zentrale Parkplatz in Altenberg an der B 170 wurde im Sommer mit einem automatischen Schrankensystem ausgestattet. Fotos:
  • Jetzt fehlen noch öffentliche Toiletten, die auch immer funktionieren und offen sind, wenn die Gäste sie brauchen.
    Jetzt fehlen noch öffentliche Toiletten, die auch immer funktionieren und offen sind, wenn die Gäste sie brauchen.

Altenberg. Der umgebaute Liftparkplatz in Altenberg wird sehr gut angenommen, stellt Siegfried Tietz fest. Anfang August hatte die Bergstadt die zentrale Stellfläche an der Bundesstraße B 170, die vor allem im Winter von Kraftfahrern am meisten genutzt wird, mit einem automatischen Schrankensystem ausgerüstet. Das sollte für mehr Ruhe und Ordnung im Zentrum sorgen – und auch für mehr Einnahmen, die der Stadt durch Parksünder bislang durch die Lappen gingen. Die Rechnung scheint aufzugehen. Das freut auch den Altenberger Siegfried Tietz.

Seine Beobachtungen, die er dort macht, sind allerdings nicht ungetrübt. Der Senior fragt sich, was passiert, wenn erst einmal die Wintersportsaison beginnt, bei herrlichen Skibedingungen Ausflügler zu Hunderten anreisen und sich dann ein dringendes Bedürfnis einstellt. „Können dort die Toilettenanlagen genutzt werden?“, wollte er zur Stadtratssitzung am Montagabend wissen. Denn ihm ist natürlich nicht entgangen, dass die WCs, die es in dem Areal gibt, nicht immer dann zur Verfügung stehen, wenn sie gerade gebraucht werden. Das sei schon jetzt ein Problem. Die Toilette am Skilift zum Beispiel ist nur offen, wenn auf der Piste auch Betrieb ist. Die städtischen Toiletten wiederum seien oftmals zu. Also suchen sich die Gäste in ihrer Not in der freien Natur einen Platz und erleichtern sich auf diese Weise, hat Siegfried Tietz beobachtet. Das sei kein akzeptabler Zustand und ganz bestimmt auch nicht hygienisch, kritisiert er.

Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) kennt die Probleme. Er räumt ein, dass die Öffnungszeiten der städtischen Toiletten am Liftparkplatz verbesserungswürdig seien. Und das ist noch nicht alles. Die Stadtverwaltung muss sich etwas einfallen lassen. Denn Altenberg will das Gebäude, das im Eigentum der Stadt ist und in dem sich die Toiletten befinden, an den bisherigen Nutzer des Objektes verkaufen. „Wir müssen eine Alternative finden“, sagt Kirsten.

Er verhehlt nicht, dass dem Rathaus noch die große Lösung fehle, die bezahlbar und auch praktikabel ist. Vor seinem geistigen Auge hat er immer noch die Toilettenanlage an der Bushaltestelle am Platz des Bergmanns, die die Stadt herrichten ließ und die inzwischen geschlossen ist. 30 000 Euro Miese stehen unterm Strich. An mangelnden Besuchern lag es Kirsten zufolge nicht. Dort hielten sogar Reisebusse. Um die 30 Leute stiegen dann aus, einer steckte an der öffentlichen Toilette seine Münzen in den Automaten und hielt den anderen die Türe auf. Einer, so die Erfahrung, bezahlte also für alle. So eine Anlage funktioniere deshalb nur, sagt Kirsten, wenn dort eine Person sitzt und von Hand kassiert. Aber für eine kleine Stadt wie Altenberg lohne sich der Aufwand nicht. Nachgedacht wird auch über einen Eingang mit Drehkreuz, den immer nur einer passieren kann, nachdem dieser bezahlt hat. Doch im Notfall – zum Beispiel bei einem Brand – müssten alle Menschen, die sich gerade in den Toiletten befinden, schnell die Anlage verlassen können. Das klappe aber bei einer Drehkreuz-Lösung nicht.

Nun erwägt die Stadt, noch in diesem Jahr einen Toilettenwagen für den Liftparkplatz zu organisieren. Dabei will Kirsten auch die Betreiber von Imbissständen mit für die mobilen WCs gewinnen, die dort in der Wintersaison alkoholische Getränke verkaufen und Sitzplätze anbieten. Denn das sei auch mit ihr Geschäft – was reingeht, muss wieder raus. Nächstes Jahr dann will die Stadt die Holzhütte in dem Gelände, die ihr gehört, zu einer öffentlichen Toilette umrüsten. Sie soll mit Automaten funktionieren. Wie genau, steht noch nicht fest.