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Samstag, 01.11.2008

Norweger kupfern unsere Bahnen ab

Jetzt bringt Chemnitz sogar die norwegische Tram ins Rollen: Die skandinavische Stadt Bergen baut gerade ihr Straßenbahnnetz auf und holt sich dabei Hilfe bei der CVAG. Die Morgenpost war bei der Fahrstunde dabei.

Von Corinna Karl

Langsam setzte sich die Tram in Bewegung. Fahrer Tom Potter (51) hielt die Strecke konzentriert im Auge, wollte keinen Fehler machen - denn er ist Fahrschüler. Warum nur? In seiner Heimat, der zweitgrößten Stadt Norwegens, sucht man nämlich vergebens nach Straßenbahnen. „Wir wollen ein modernes Tramnetz bauen“, sagt der „Schüler“. Er und sein Kollege Knut Serigstad (50) sind mit dem Ausbau des Netzes beauftragt, hatten europaweit nach der besten Variante gesucht und in Chemnitz gefunden.

„Die Streckenbauweise ist ähnlich. Vieles gleicht sich“, sagt Herr Serigstad. „Außerdem können wir viel von der Erfahrung der CVAG lernen.“ Die fast 90-jährige Straßenbahn-Geschichte in Chemnitz und 40 Millionen Fahrgäste jährlich haben die Skandinavier überzeugt. Seit 1991 hatten die Stadtväter der 250000-Seelenstadt die Idee eines modernen Tramnetzes. Erst 2006 beschloss die Metropole den Bau. „In zwei Jahren sollen die ersten Bahnen über eine Zehn-Kilometer-Strecke rollen“, sagt Potter.

Die Norweger schicken zuvor Mitarbeiter nach Chemnitz. „Sie werden bei uns Fahrstunden nehmen. Denn sie müssen in Bergen eine Fahrschule etablieren. Außerdem übernehmen sie das deutsche Regelwerk“, erklärt Holger Auerbach (44) von der CVAG. Bergen, 500 Kilometer westlich von Oslo, lässt sich das Projekt vorerst 300 Millionen Euro kosten - nur für die ersten zwölf georderten Bahnen, eine Werkstatt und zehn Kilometer Gleise. Am Ende sollen vier Linien auf 45 Kilometern fahren.