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„Nizza-Sperren“ – ist das politisch korrekt?

Ich bitte Sie höflichst, in Zukunft nicht mehr den Begriff „Nizza-Sperren“ zu verwenden. Es wird doch so viel Wert auf politische Korrektheit gelegt. Der Begriff trägt einerseits zu einer gewissen Verniedlichung bei und andererseits hat man regelmäßig den schrecklichen Anschlag vor Augen. Und was sagt wohl die Stadt Nizza dazu? Gabriele Arlt

17.06.2017

Sehr geehrte Frau Arlt,

in dieser Woche waren die „Nizza-Sperren“ wieder im Einsatz, als die Innenminister im Dresdner Kongresszentrum tagten. Gemeint sind 2,5 Tonnen schwere Betonteile, die Zufahrten schützen, um möglichen Anschlägen mit Fahrzeugen vorzubeugen. So geschehen in Nizza im Juli 2016, als 86 Menschen starben, nachdem ein Lkw ungehindert in eine Fußgängerzone rasen konnte. Die Bilder von diesem furchtbaren Ereignis, das auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin seine Fortsetzung fand, haben wir alle noch im Kopf. Insofern kann ich ein gewisses Unwohlsein bei diesem Begriff durchaus nachvollziehen.

Warum verwendet die SZ den Begriff trotzdem? Zunächst hat das naheliegende Gründe. Diese Sperren wurden zu den Einheitsfeiern in Dresden im Oktober 2016 erstmals eingesetzt, und eine einheimische Firma stellt sie her. Zudem hat die sächsische Polizei den Begriff rasch in ihren Sprachgebrauch übernommen. Dies hat dazu beigetragen, dass „Nizza-Sperren“ in weniger als einem Jahr so bekannt geworden sind, dass fast jeder Leser etwas damit anfangen kann. Wenn das aber so ist, dann müssen Medien gute Gründe haben, einen bereits eingebürgerten Begriff zu meiden. Ein leichtes Unwohlsein reicht da nicht.

Was könnten das für Gründe sein? Verniedlichung? Kann ich nicht erkennen. Kummer in Nizza? Kein starkes Argument, New York wird immer mit den Angriffen auf die Twin Towers, Dresden mit den Bombennächten in Verbindung gebracht werden. Das ist nicht zu ändern.

Und was verlangt die politische Korrektheit? Dass Redakteure alles meiden, was rassistisch, volksverhetzend, rechtsextrem ist. Es gibt viele andere starke Gründe. Die allermeisten Medien hierzulande sind da sehr sensibel, sensibler als in vielen anderen Ländern. Allerdings beginnt sich hierzulande ein Konsens abzuzeichnen, dass politische Korrektheit auch nicht übertrieben werden darf. Wenn Begriffe schon infrage gestellt werden, wenn feine Untertöne stören, dann ist sie schnell weltfremd.

Ihr Olaf Kittel

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