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Dienstag, 15.05.2018

Nieskyer Ärztin wartet noch immer auf Geld

Sylvana Kretschmar soll sich im Honorarstreit gedulden, sagt die Kassenärztliche Vereinigung. Die Allgemeinärztin drohte, ihre Praxis zu schließen.

Von Thomas Staudt

Sylvana Kretschmar hat im Herbst in Niesky ihre eigene Arztpraxis eröffnet. Am ersten Tag bildeten sich lange Schlangen vor dem Haus,
Sylvana Kretschmar hat im Herbst in Niesky ihre eigene Arztpraxis eröffnet. Am ersten Tag bildeten sich lange Schlangen vor dem Haus,

© André Schulze

Niesky. Sylvana Kretschmar hat am Freitag die ausstehenden Zahlungen nicht von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) überwiesen bekommen. Das bestätigte sie am Montag auf SZ-Nachfrage. Die niedergelassene Allgemeinärztin, die in Niesky praktiziert, hatte der KVS in der vergangenen Woche ein Ultimatum gestellt, entweder sie erhalte die zugesagten Zahlungen oder sie werde die Konsequenzen ziehen und ihre Praxis zum Jahresende schließen. Ihr Fall hatte nach der Veröffentlichung am Freitag, 11. Mai eine rege Diskussion auf sz-online ausgelöst.

In dem Honorarstreit geht es um eine bereits zugesagte finanzielle Förderung für Neueinsteiger im unterversorgten ländlichen Raum. Wenn sie 50 Prozent der durchschnittlichen Fallzahlen erreiche, erhalte sie eine Förderung in Höhe von 60 000 Euro, heißt es in einem Bescheid, den die Ärztin im Sommer vergangenen Jahres aus Dresden erhalten hat. Das Schreiben lasse keinen Zweifel, dass die 50-Prozent-Hürde auf das erste Geschäftsjahr gemünzt sei, so Sylvana Kretschmar. Als sie die Zusage vor ein paar Wochen in Anspruch nehmen wollte, wurde ihr von der Kassenärztlichen Vereinigung mitgeteilt, dass sie bereits im ersten Quartal ihrer neuen Tätigkeit 50 Prozent der Fallzahlen hätte erreichen müssen. Die zugesagten 60 000 Euro erhielt sie nicht in vollem Umfang. Auf eine SZ-Anfrage von vergangener Woche zum Thema hatte die KVS ausweichend reagiert.

Sachsen den Rücken kehren

„Mein Mann, der sich um alle meine betrieblichen Angelegenheiten kümmert, hat nochmals mit dem Geschäftsführer der KVS telefoniert. Der Fall müsse erneut von einer Kommission geprüft werden, sagte der, und ich solle mich gedulden“, berichtet Sylvana Kretschmar. Wann die Kommission entscheidet, wurde nicht mitgeteilt. Sollte die Prüfung zu ihren Ungunsten ausfallen, werde sie ihre Forderung einklagen, kündigte Kretschmar an. „Es geht mir einfach um die formale Korrektheit, nicht darum, dass ich am Hungertuch nage“, sagt sie. Sie habe den ganz klaren Eindruck, dass die Kassenärztliche Vereinigung, gegen die Ärzte handele, statt es ihnen einfacher zu machen. „So werden sicherlich keine neuen Ärzte nach Sachsen kommen.“

Sie behalte sich weiter vor, ihre Praxis zum Jahresende tatsächlich zu schließen. Die Entscheidung sei auch deshalb nicht so einfach zu treffen, weil davon auch ihre Mitarbeiter und ihre Patienten abhängig seien. Sollte sie die Ankündigung wahr machen, will sie Sachsen in jedem Fall den Rücken kehren.