sz-online.de | Sachsen im Netz

Kommentar

Nicht irgendwann, sondern jetzt

Seit Jahrzehnten wird der Bau einer Umgehungsstraße versprochen. Die Plotitzer sind vom Lkw-Verkehr genervt, manche haben resigniert, meint SZ-Lokalredakteur Jürgen Müller

26.09.2017

endwann, sondern jetzt
Jürgen Müller ist Redakteur in der SZ-Lokalredaktion Meißen.

© Claudia Hübschmann

Es ist eine Krux: Für jeden ist es selbstverständlich, jeden Tag frische Waren im Supermarkt kaufen zu können. Doch die Lkws, die diese Waren bringen, werden verteufelt. Dabei ist jedem klar: Das eine bedingt das andere. Allerdings sind die Belastungen sehr ungleich verteilt. Was die Plotitzer – und nicht nur sie – an Lärm, Dreck und Abgasen durch den Lkw-Verkehr seit Jahren ertragen müssen, weil die Infrastruktur schlecht ist, ist nicht hinnehmbar. Das raubt ihnen nicht nur den Schlaf, sondern erheblich Lebensqualität.

Sicher, die Straße gibt es schon lange, doch sie wurde einst nicht für diese Mengen und für diese Größen von Lkws gebaut. Seit Jahrzehnten wird eine Umgehung für diesen Autobahnzubringer versprochen und auch geplant. Und dennoch wird es weitere Jahre dauern, bis überhaupt der erste Spaten in die Erde gerammt wird.

Manche Plotitzer haben resigniert, glauben den Politikern kein Wort mehr. Es mag weit hergeholt sein, aber auch diese Unzufriedenheit ist ein Grund für das gute Abschneiden der AfD. Die Landbewohner fühlen sich benachteiligt, abgehängt, nicht gehört, nicht ernst genommen, vergessen. Da ist fehlender Straßenbau nicht das alleinige Kriterium, aber ein wichtiger Mosaikstein. Nicht nur Lokalpolitiker wissen es längst: Mit Straßenbau kann man Wahlen gewinnen oder eben auch verlieren. Wenn sie das nicht wollen, müssen sie nicht reden, nicht versprechen, sondern handeln. Nicht irgendwann, sondern jetzt.

E-Mail an Jürgen Müller