Montag, 26.11.2012
Neustädter Bahnhof wird ein Jahr eher fertig
Die Deutsche Bahn will die umfangreiche Sanierung nun schon bis Ende 2014 abschließen. Auf die Kritik an unübersichtlichen Umwegen reagiert das Unternehmen.
Großbaustelle Neustädter Bahnhof. Wo bisher die Reisenden an Gleis 4 und 5 auf ihre Züge gewartet haben, rollen momentan die Bagger. Große Umwege führen wiederholt zu Unmut. Neue Hinweisschilder sollen deshalb bald für eine bessere Orientierung sorgen. Fotos: André Wirsig (2)
Die Deutsche Bahn legt bei der millionenteuren Sanierung des Neustädter Bahnhofs einen Zahn zu. Die Arbeiten sollen nun schon ein Jahr früher als geplant, zum Jahreswechsel 2014/2015 beendet sein. „Dann wird es keine Einschränkung mehr für die Reisenden geben“, sagte der zuständige Projektingenieur Günter Rossmann. Der Grund für die Beschleunigung: Die noch nicht sanierten Bahnsteige 1, 2 und 3 direkt neben der riesigen Eingangshalle sollen ab Ende 2013 in einem Rutsch und nicht, wie vorher geplant, in zwei Abschnitten erneuert werden.
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Großbaustelle Neustädter Bahnhof. Wo bisher die Reisenden an Gleis 4 und 5 auf ihre Züge gewartet haben, rollen momentan die Bagger. Große Umwege führen wiederholt zu Unmut. Neue Hinweisschilder sollen deshalb bald für eine bessere Orientierung sorgen. Fotos: André Wirsig (2)
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Bauarbeiter reißen derzeit die Mittelbahnsteige ab. Nach der Sanierung sollen die Bahnsteige höher sein, damit die Reisenden leichter in die Züge steigen können.
Zurzeit laufen die Arbeiten am Bahnsteig 4 und 5. Die Deutsche Bahn tauscht dort, wie an den Bahnsteigen 6, 7 und 8 schon geschehen, die mehr als hundert Jahre alten Gleistragwerke aus. Dieser Unterbau wird durch modernen Stahlbeton ersetzt. Unter anderem entstehen dort rund acht Meter tiefe Schächte, in die später die neuen Fahrstühle eingesetzt werden.
Der Vorteil für die Reisenden: Nach dem Ende der Sanierung sind alle Bahnsteige per Lift zu erreichen. Die Bahnsteige, die sich im Laufe der Zeit abgesenkt hatten, werden leicht angehoben. Die Eingänge der Züge sind dadurch leichter zu erreichen. Außerdem werden die drei historischen Schaffnerhäuschen detailgenau restauriert und zu Wartehäuschen umfunktioniert. Der Nachteil für die Reisenden: Sie müssen in den kommenden zwei Jahren weiter mit Umwegen über die Baustelle rechnen.
Wer derzeit von der Eingangshalle zu Gleis 7 und 8 will, muss zunächst die Treppe zum Bahnsteig 3 nehmen, diesen Bahnsteig 50 Meter entlanglaufen, dann über eine Behelfsbrücke überirdisch Bahnsteig 4 und 5 queren und von Bahnsteig 6 durch einen Tunnel laufen. Der Weg zu den Zügen verlängert sich dadurch um fünf Minuten. „Wir bauen hier bei laufendem Betrieb und unter dem rollenden Rad“, sagt Rossmann.
Trotz Kritik von Reisenden (die SZ berichtete) wird es bei dieser Wegeführung erst einmal bleiben. Es gebe keine andere Möglichkeit, sagt Rossmann. Die Treppenaufgänge würden nach und nach erneuert und müssten deswegen teilweise gesperrt werden. Der Baustellenbereich müsse außerdem für Lkw und Bagger erreichbar sein. Deswegen könne die Behelfsbrücke nur auf einer Seite stehen.
Das Bahnhofsmanagement will nun aber zusätzlich Pfeile auf den Boden kleben, um den Reisenden den richtigen Weg zu weisen. „Wir werden aber nie den Zustand erreichen, dass alle glücklich sind“, sagt Rossmann. „Die Alternative wäre aber gewesen, den Bahnhof für vier Jahre komplett zu sperren.
Das Verständnis der Reisenden wird noch bis zum Ende der Bauarbeiten auf eine harte Probe gestellt. Nachdem im Herbst 2013 die Bahnsteige 4 und 5 fertiggestellt sind, wandert die Baustelle an die Bahnsteige 1, 2 und 3 direkt neben der Eingangshalle. Noch steht nicht fest, wie genau die Reisenden dann die Bahnsteige dahinter erreichen sollen. Für kurze Zeiträume sei der Zugang aber nur über den Eingang an der Hansastraße möglich, so Rossmann. Außerdem wird die Deutsche Bahn 2014 die Eisenbahnbrücke an der Antonstraße durch eine neue ersetzen. Die historischen, gusseisernen Stützen fallen damit weg. Sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Sicherheitsbestimmungen, weil sie bestimmten Aufprallen nicht standhalten. Während der Bauarbeiten muss die Straße unter der Brücke teilweise voll gesperrt werden.
Momentan plant die Deutsche Bahn außerdem die Arbeiten an den Bahnbögen entlang der Antonstraße. In diesen waren früher Geschäfte untergebracht. Die Bögen sollen 2014 von außen gereinigt werden und auf jeden Fall offen bleiben. Ob darin wieder Geschäfte eingerichtet werden, steht noch nicht fest. Die Deutsche Bahn verhandelt deswegen gerade mit der Stadt.