erweiterte Suche
Montag, 23.01.2017

Neustadt treibt es bunt

Zum achten Bürgerball strömten 400 Gäste in die Neustadthalle – und erlebten ein spektakuläres Farbenspiel.

Stefan Missbach und Leontine Link waren die Ersten auf der Tanzfläche. Das Schautanzpaar vom Tanzsportzentrum Dresden beeindruckte die Gäste mit einem gefühlvollen Langsamen Walzer und einem mitreißenden Quickstepp. Seit dreieinhalb Jahren tanzen die Standard- und Latein-Profis zusammen.
Stefan Missbach und Leontine Link waren die Ersten auf der Tanzfläche. Das Schautanzpaar vom Tanzsportzentrum Dresden beeindruckte die Gäste mit einem gefühlvollen Langsamen Walzer und einem mitreißenden Quickstepp. Seit dreieinhalb Jahren tanzen die Standard- und Latein-Profis zusammen.

© Steffen Unger

So bunt war die Gästeschar wohl noch nie. Männer in roten und blauen Anzügen, Damen in grünen und pinken Kleidern, geschmückt mit Pailletten, Strass und Glitzerpumps. Wer am Sonnabend in der Neustadthalle zu Gast war, befand sich in schillernder Gesellschaft. Grund war der inzwischen achte Neustädter Bürgerball. Etwa 450 Besucher strömten dafür in die farbenfroh erleuchtete Stadthalle, vor der ein roter Teppich ausgelegt war. Schon der stimmte auf das diesjährige Motto „à la couleur“ ein. Innen ging es nicht weniger farbenprächtig weiter. Am Eingang wurden die Besucher von drei von Kopf bis Fuß komplett bunt gekleideten und bemalten Pantomimekünstlern begrüßt, die alles konnten, nur eben nicht sprechen.

Was der Bürgerball sonst noch zu bieten hatte

Im Farbrausch zeigte sich auch die Dekoration. Stehtische, die selbstständig die Farbe wechselten, sorgten im Flanierbereich für unterschiedliche Lichtstimmungen. Im Großen Saal zog sich das Lichtkonzept ebenfalls durch. Beispielsweise an den Galatischen, die neben Blumen und Kerzen mit großen Leuchtkugeln geschmückt waren, die ebenfalls die Farbe verändern konnten.

Splitter zum Ball

1 von 6

18 Kellner und Barkeeper sind zum Bürgerball im Einsatz gewesen. Außerdem kümmerten sich weitere zwölf Servicemitarbeiter um das Wohl der Gäste an den Tischen.

Neun Köche arbeiteten seit Mittwoch an der Vorbereitung des Galabuffets. Am Sonnabend waren sie ab 10 Uhr auf den Beinen.

72 Ballgäste hatten den wahrscheinlich kürzesten Weg ins Bett. Sie haben im gegenüberliegenden Parkhotel übernachtet. Das Hotel hatte erneut ein spezielles Angebot vorbereitet. Kombiniert mit der Eintrittskarte konnte preiswerter im Hotel übernachtet werden. Außerdem gehörte ein Champagnerbrunch am Sonntag zum Arrangement dazu.

Trends in Sachen Ballroben gab es bei den Herren. Überraschend viele schmückten sich statt mit einer Krawatte mit einer Fliege. Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig gehörte allerdings nicht dazu. Er wählte einen roten Schlips. Auch beim Anzug unterschied er sich farblich von anderen Männern. Er erschien in einem dunkelblauen Zweiteiler. Seine Frau Susann trug ein bodenlanges, beigefarbenes Kleid.

Zum ersten Mal dabei beim Bürgerball war Udo Preusche. Seit September kümmert er sich als neuer Geschäftsführer der Neustadthalle um deren gastronomisches, kulturelles und touristisches Geschäft. Preusche kam allerdings nicht in Begleitung seiner Frau, er war rein dienstlich vor Ort, um mit anzupacken, wenn Not am Mann war.

Rettung für Notfälle gab es in der Beautylounge im Foyer. Dort konnten sich die Damen den ganzen Abend das Make-up auffrischen und die Frisur richten lassen. Schon vor dem Einlass 18.30 Uhr, saß die erste Besucherin auf dem Stuhl und ließ sich verschönern. (SZ/kat)

Einer dieser Tische war den Ehrengästen vorbehalten. An diesem nahmen neben Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN) und seiner Frau Brigitte der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Michel, der erstmals ohne Gattin zum Ball gekommen war, die Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags, Andrea Dombois (CDU) nebst Mann, sowie Torsten Klose, der Verlagsgeschäftsführer der DDV Mediengruppe, zu der die Sächsische Zeitung gehört, samt Ehefrau Platz. Der bekannteste Name am Ehrentisch gehörte allerdings einem anderen: Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) kam in Begleitung seiner Frau Susann ebenfalls zum Neustädter Bürgerball. Für Neustadt war sein Besuch in doppelter Hinsicht eine Premiere. Denn bisher eröffneten nur CDU-Politgrößen die Ballnacht.

Ein Thema, das Dulig augenzwinkernd in seiner Eröffnungsrede aufgriff. „Ich weiß nicht, ob ich nach Neustadt eingeladen wurde, um der politischen Farbwahl der letzten Bälle einen Tupfer entgegenzusetzen“, sagte er mit einem Schmunzeln. So oder so, Dulig zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der Ballmacher. „Man ist sofort zu Hause“, lobte er das gastfreundliche Ambiente. Er hätte großen Respekt vor der Leistung der Organisatoren. Der Bürgerball sei von unten gewachsen und dadurch gesellschaftsfähig geworden. Bei anderen Veranstaltungen dieser Art sei es genau andersherum. „Andere Bälle sind nur für bestimmte Gruppen ausgelegt“, verglich Martin Dulig und bekam dafür einen Zwischenapplaus. Sachsens Wirtschaftsminister nutzte seine Rede zudem, um ernstere Töne anzuschlagen. Er selbst sei in den letzten Monaten angesichts der gesellschaftlichen und politischen Veränderungen nachdenklicher geworden. „Den Ängsten und Sorgen der Bürger müssen wir Hoffnung und Zuversicht entgegensetzen“, formulierte er und wünschte sich für 2017 nichts Geringeres als Frieden.

Moderatorin Beate Werner, die in einem funkelnden Paillettenkleid durch den Abend führte, gelang nach diesem ernsten Teil der Spagat zurück zur Leichtigkeit, die der Bürgerball versprühen sollte. Dafür sorgten auch die Tanzeinlagen der sechs Schautanzpaare des Tanzsportzentrums Dresden. Die Damen wirbelten in pinken Kleidern des Dresdner Designers Uwe Herrmann übers Parkett. Bevor die illustre Gästeschar jedoch die Tanzfläche entern durfte, war es Martin Dulig und seiner Frau Susann vorbehalten, den Ball mit einem Wiener Walzer zu eröffnen. Etwa 30 Sekunden waren alle Blicke auf sie gerichtet, dann lud Dulig die restlichen Ballgäste ein, es ihm gleichzutun. Die ließen sich nicht lange bitten und tanzten zur Livemusik des Dresdner Salonorchesters – bis tief in die Nacht.