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Samstag, 13.01.2018

Neun Jahrzehnte Musik

Jutta Zoff gehört zu den weltweit bekanntesten Harfenvirtuosen. Am Sonntag feiert die gebürtige Bautzenerin 90. Geburtstag.

Von Miriam Schönbach

Jutta Zoff bei ihrem letzten Auftritt im Bautzener Dom.
Jutta Zoff bei ihrem letzten Auftritt im Bautzener Dom.

© Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ihr letztes öffentliches Konzert gab Jutta Zoff vor gut zehn Jahren im September 2007. Anlässlich des Festgottesdienstes zur Gründung der Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung verzauberte die Bautzenerin ein letztes Mal ihr Publikum mit der Harfe. Andächtig lauschte das Publikum im Dom St. Petri ihrem Spiel. Ihre musikalische Karriere endete damit in ihrer geliebten Heimatstadt, wo sie ihre ersten Konzerte gab. An diesem Sonntag feiert die Harfenvirtuosin ihren 90. Geburtstag.

„Ich fühle mich immer noch als ein Bautzener Kind“, sagte Jutta Zoff anlässlich ihres 80. Geburtstages. Die Musik gehört seit ihrem fünften Lebensjahr zu ihrem täglichen Begleiter. Der Vater erkennt früh das Talent seiner Tochter und unterrichtet sie auch. Noch vor dem Eintritt in die Schule spielt sie Klavier. Akkordeon und Gitarre kommen später hinzu. Zum Saxophonüben geht es im Winter sogar mit abgeschnittenen Fingerhandschuhen auf den Dachboden, um niemanden im Haus zu stören. Mit ganz viel Fleiß füttert das junge Mädchen ihre Begabung. Eine neue Faszination entdeckt Jutta Zoff mit 13 Jahren – mit dem Geschenk einer Harfe. Fortan reist sie zum Unterricht auf dem Saiteninstrument zu ihrem Lehrer nach München. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs beenden die Ausbildung. Doch die junge Musikerin bleibt sich treu. Nach dem Ende des Krieges versucht sie sich als bei Hauskonzerten als freiberufliche Künstlerin. Bis 1967 ist Jutta Zoff fast 20 Jahre Solo auf Tour, dann wechselt sie an die Staatskapelle Dresden.

Die Künstlerin wird gefeiert – in der Royal Festival Hall in London, im Spiegelsaal in München, in Indien, in Japan und in arabischen Ländern. Ihre Konzerte führen sie auf alle Kontinente – außer Australien. 1991 verabschiedet sich die Wahl-Dresdnerin als Soloharfenistin aus dem traditionsreichen, sächsischen Orchester. Ihre Virtuosität klingt bis heute auf zahlreichen Schallplatten- und CD-Produktionen nach.

Auch in ihrer Heimatstadt ist Jutta Zoff immer wieder aufgetreten, zusätzlich engagierte sie sich im Kuratorium „Altstadt“ für die Sanierung ihrer Heimatstadt. Im September 2017 hat Jutta Zoff anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Mättig-Stiftung die erste Stifter-Medaille für ihr Engagement in ihrer Stadt erhalten. Der langjähriger Oberbürgermeister Bautzens, Christian Schramm, sagte in seiner Laudatio: „Jutta Zoff bewies einen weltweiten Blick, ohne die Wurzeln zu vergessen.“ Auch deshalb besucht sie ihre Lieblingsstadt ganz regelmäßig. Am Sonntag aber werden sich ihre Wegbegleiter nach Dresden auf den Weg machen – zum 90. Geburtstag der Jubilarin.