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Dienstag, 21.03.2017

Neuhaus peilt den Aufstieg an

Nun gibt auch Dynamos Trainer seine Zurückhaltung auf und spricht offen vom Durchmarsch in die Bundesliga.

Von Tino Meyer

Der Blick geht nach oben. Und plötzlich ist für Dynamo alles möglich, weiß auch Cheftrainer Uwe Neuhaus. Überraschend offen redet er über die Konstellation.
Der Blick geht nach oben. Und plötzlich ist für Dynamo alles möglich, weiß auch Cheftrainer Uwe Neuhaus. Überraschend offen redet er über die Konstellation.

© robert michael

Lange hat er sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, das Thema ignoriert, weg- und kleingeredet. Selbst nach dem 2:0 gegen Sandhausen am Sonntag hat sich Dynamo Dresdens Tabellensituation nach Ansicht von Uwe Neuhaus nicht wirklich verändert. „Wir sind immer noch Fünfter“, sagt der Trainer – wohlwissend, dass der Rückstand auf den Relegationsrang drei nun statt sieben lediglich noch sechs Punkte beträgt.

Als Aufstiegsaspiranten lässt Neuhaus seine Mannschaft aber nicht durchgehen, das sind für ihn Stuttgart, Braunschweig, Hannover und sein Ex-Klub Union Berlin. Doch der 57-Jährige hat offenbar große Lust daran gefunden, am Ende der oft unterschätzte Außenseiter zu sein, der den Durchmarsch bis in die erste Liga schafft.

Beispiele lassen sich dafür in der Bundesliga-Historie genügend finden, im Grunde reicht ein einziges: Darmstadt 98. „Deshalb wollte ich den Sieg gegen Sandhausen schon ganz gern haben. Weil klar war, dass wir dann oben noch näher dran sind“, sagt Neuhaus und lässt beseelt vom ersten Heimsieg des Jahres den Gedanken freien Lauf – was sonst überhaupt nicht seine Art ist. „Man träumt und spinnt ja manchmal ein bisschen, guckt sich Konstellationen an, wer gegen wen spielt und wo es eng werden kann“, erzählt er unerwartet offen.

Der Blick auf sich – und die anderen

Neuhaus weiß daher im Detail, dass beispielsweise Union die drei Spitzenspiele gegen Stuttgart, Hannover und Braunschweig allesamt auswärts bestreitet, Hannover dagegen in den Partien gegen die anderen drei immer Heimrecht hat. „Wobei, wenn man ganz ehrlich ist, muss man jedes Spiel isoliert angehen und sagen, das nächste ist das schwierigste – auch wenn der Spruch noch so platt und abgedroschen ist“, sagt Neuhaus.

Zudem lohnt der Blick auf die Konkurrenten sowieso nur, wenn die neun eigenen noch ausstehenden Spiele fast alle erfolgreich gestaltet werden. Auch die hat Neuhaus sicher zumindest grob durchgerechnet, das aber nicht öffentlich. Auffällig ist: Dynamos Restprogramm mit Heimspielen gegen Düsseldorf, 1860 München und Bielefeld sowie den Partien in Fürth, Bochum und Karlsruhe lässt regelmäßige Punktgewinne realistisch erscheinen.

Entscheidend wird also sein, was vor diesen genannten letzten sechs Saisonspielen passiert – also in der sogenannten Englischen Woche nach der Länderspielpause mit drei Spielen binnen acht Tagen. „Wir haben Sonntag das Auswärtsspiel in Stuttgart, danach mittwochs zu Hause Heidenheim und spielen Montag darauf in Braunschweig. Über die Schwere der Aufgaben brauchen wir keine Worte zu verlieren. Das sind zwei der heimstärksten Mannschaften überhaupt“, sagt Neuhaus.

Doch Druck, das sagt auch Kapitän Marco Hartmann, verspüre in der Mannschaft niemand. Die Last des Aufsteigen-Müssens haben die anderen vier. „Wir wollen Spaß entwickeln. Das war gegen Sandhausen ein Stück Schwerstarbeit, aber wir haben es geschafft. Und jetzt wartet Stuttgart, das zuletzt auch dreimal in Folge nicht gewonnen hat. Das wird schon ein besonderes Spiel“, sagt Neuhaus.

Er erinnert an das Hinspiel, das Dynamo mit 5:0 gewann. In Heidenheim folgte dann ein 0:0, ehe man nach einem 0:2-Rückstand den damaligen Tabellenführer Braunschweig noch 3:2 besiegte. „Wenn uns noch mal die gleiche Ausbeute wie in der Hinrunde gelingt, wäre das gigantisch“, sagt Neuhaus und wählt bewusst den Konjunktiv, also die Möglichkeitsform.

Würde Dynamo tatsächlich aus diesen nächsten drei Spielen wieder sieben Punkte holen, wäre das sogar mehr als gigantisch – nämlich Dynamo dann auch wirklich ein ernsthafter Kandidat für den Aufstieg. Neuhaus hätte nichts dagegen: „Am Ende der Englischen Woche kann alles vorbei und der Traum ausgeträumt sein. Aber wenn nicht … Ich weiß auch nicht, wo das endet. Freiwillig werden wir jedenfalls nichts dagegen unternehmen.“

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