erweiterte Suche
Mittwoch, 14.02.2018

Neues Zuhause für kranken Louis

Erst die barrierefreie Wohnung, nun noch ein Kleinbus – für die Glashütter Familie wendet sich einiges zum Guten.

Von Maik Brückner

Bild 1 von 2

Sandy Kietzmann vor ihrer neuen Wohnung auf der Luchauer Straße in Glashütte. Nun braucht sie nur noch ein größeres Auto.
Sandy Kietzmann vor ihrer neuen Wohnung auf der Luchauer Straße in Glashütte. Nun braucht sie nur noch ein größeres Auto.

© Karl-Ludwig Oberthür

  • Sandy Kietzmann vor ihrer neuen Wohnung auf der Luchauer Straße in Glashütte. Nun braucht sie nur noch ein größeres Auto.
    Sandy Kietzmann vor ihrer neuen Wohnung auf der Luchauer Straße in Glashütte. Nun braucht sie nur noch ein größeres Auto.
  • Miklos Moro vom betreuenden Pflegedienst hat es jetzt wesentlich einfacher, wenn er mit Louis auf Tour geht. In der neuen Wohnung an der Luchauer Straße gibt es keine Treppen mehr.
    Miklos Moro vom betreuenden Pflegedienst hat es jetzt wesentlich einfacher, wenn er mit Louis auf Tour geht. In der neuen Wohnung an der Luchauer Straße gibt es keine Treppen mehr.

Glashütte. Sandy Kietzmann macht einen sehr entspannten Eindruck. Und das liegt an ihrem Sohn Louis. In den letzten Tagen hat der Kleine Fortschritte gemacht.

Der Vierjährige leidet seit seiner Geburt an einer seltenen Muskelschwäche. Er ist zu schwach, um sich selbst aufzurichten. Deshalb liegt er den ganzen Tag in seinem Bettchen. Bis vor Kurzem konnte er nur über eine Sonde gefüttert werden. „Jetzt isst er schon Babybrei“, sagt seine Mutter Sandy und lächelt über das ganze Gesicht. Vor wenigen Tagen hat er sie noch mal überrascht. Aus eigener Kraft hat er sein Becken nach oben gestemmt.

Seine Mutter freut sich über jeden Entwicklungsschritt, den ihr Kleiner macht. Und dazu gehört, dass er sich nun auch artikulieren kann. „Hier Loui“ und „Mama“ kann er schon sagen. Sandy Kietzmann weiß, dass das eine Riesenleistung ihres Kleinen ist, der geistig fit und ab und zu auch zu Späßen aufgelegt ist. Mitunter neckt er seine Mutter auch.

Pfleger gehört fast zur Familie


Louis’ Krankheit bestimmt das Leben der Familie, zu der auch der fünfjährige Ronny und die 13-jährige Lea gehören. Regelmäßig fährt Mutter Sandy mit ihrem kleinen Sohnemann zu Untersuchungen in die Uniklinik nach Dresden, mal muss er ins Schlaflabor, mal zur Ergotherapie oder zur Herzuntersuchung. Dabei wird Sandy Kietzmann fast immer von einem Pfleger oder einer Pflegerin begleitet. Diese Helfer gehören fast zur Familie, denn beinahe jeden Tag ist einer vor Ort, um sich um den kleinen Louis zu kümmern.

Louis’ Fortschritte treiben die Mutter an, noch mehr zu tun, um den Kleinen besser zu fördern. Und da hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan. Die Familie konnte eine neue, knapp 90 Quadratmeter große, ebenerdige Wohnung an der Luchauer Straße beziehen. Die ist groß genug, damit Louis das Fahren mit dem Rollstuhl lernen kann. Das bereitet ihm Spaß, weil es in einigen Räumen ein leichtes Gefälle gibt. Da rollt der Wagen von allein.

Und auch Sandy Kietzmann genießt die neuen vier Wände. Sie muss ihren Louis nun nicht mehr bis in den vierten Stock tragen, wie es im Mehrfamilienhaus an der Bahnhofstraße nötig war. „Das ist eine große Erleichterung“, sagt sie. Sie ist sehr dankbar, dass sie in diese Wohnung einziehen konnte. „Wir haben einen sehr netten Vermieter gefunden, der alles behindertengerecht für Louis umgebaut hat“, sagt die junge Frau. Jedes ihrer Kinder hat ein eigenes Zimmer bekommen. Das Bad ist so groß, dass Louis dort bequem mit dem Rollstuhl reinfahren kann.

Von seinem Zimmer geht es zur Terrasse hinaus, die ihr Vermieter anlegen ließ. Vorher befand sich dort eine Garage. Die wurde abgetragen, um eine kleine Fläche zu schaffen. Von hier führt eine Rampe zur Grundstückseinfahrt. Damit sind die Zeiten vorbei, in denen Louis durch das Treppenhaus getragen werden musste. Das wurde zunehmend zu einer Tortur. Denn der Kleine ist gewachsen und damit auch schwerer geworden. Zudem braucht er ein Beatmungsgerät. Nun hofft die Mutter, dass sich noch ihrer letzter großer Wunsch erfüllt, der nach einem größeren Auto.

Zurzeit fährt sich noch einen Mazda, Baujahr 1999. Der ist zu klein, um die ganze Familie samt Pfleger und Rollstuhl zu transportieren. Da ihr selbst das Geld fehlt, um sich ein größeres Auto anzuschaffen, schrieb sie Stiftungen an und startete eine Spendenaktion. Nun, nach eineinhalb Jahren, ist sie offenbar am Ziel. Mehrere Stiftungen haben ihr ihre Unterstützung zugesagt. 17 000 Euro könnte sie bekommen. Firmen und Privatleute sicherten ihr zudem noch 4 500 Euro zu. Zuletzt erhielt sie eine Spende von der Bäckerei Tannenbaum-Degenkolbe aus Schlottwitz. Diese hatte einen Riesenstollen gebacken, den sie auf dem Weihnachtsmarkt in Glashütte zugunsten von Louis verkaufte. Außerdem warb die Bäckerei in ihren Filialen um Spenden. Auch die Grundschüler sammelten für Louis. An Ende kamen 1 200 Euro zusammen. Bäckermeister Ringo Tannenbaum hat die Summe aufgerundet und Sandy Kietzmann Ende Januar 1 500 Euro übergeben. „Ich konnte das nicht fassen“, sagt Frau Kietzmann. Sie hätte nicht gedacht, dass bei einer solchen Aktion so viel Geld zusammenkommen kann. Sandy Kietzmann ist der Bäckerei für die Unterstützung sehr dankbar.

Per Zufall zum Kleinbus


Mit den zugesagten Spenden kann sie sich nun einen Kleinbus kaufen. Anfangs sah es gar nicht so gut aus. Denn einige ihrer potenziellen Geldgeber stellten Bedingungen, die sie nur schwer erfüllen konnte. Demnach sollte der kleine Bus nicht älter als fünf Jahre sein, er sollte TÜV haben und nicht mehr als 70 000 Kilometer gefahren sein. Solche Fahrzeuge gibt es, die kosten aber um die 35 000 Euro, weiß Frau Kietzmann nach mehreren Gesprächen in Autohäusern. Da sie sich außerstande sah, diese Summe aufzubringen, suchte sie weiter. Ein Autohändler gab ihr den entscheidenden Tipp, sich an ein bestimmtes Autohaus zu wenden. Das tat sie. Ihr wurde ein Kleinbus mit Rampe für 15 800 Euro angeboten. Das würde passen, sagt Frau Kietzmann. Allerdings steht der Kleinbus in Bochum und müsste noch von einem Experten begutachtet werden. Und dann bräuchte sie noch jemanden, der das Fahrzeug vom Ruhrgebiet nach Glashütte bringt.

Parallel dazu erarbeitet sie mit dem Verein Mobil in Bewegung an einem Finanzierungsmodell. Trotz dieser Hürden ist Sandy Kietzmann zuversichtlich, dass der Kleinbus vielleicht schon im Frühjahr vor ihrer Wohnung stehen kann.