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Donnerstag, 05.10.2017

Neues Klettergerüst fürs Museumsgrün

Brandgefährlich oder schön? Diese Frage wurde in Dohna kontrovers diskutiert. Jetzt war ein Fachmann vor Ort. Und auch ein Anwohner will helfen.

Von Heike Sabel

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Derzeit sieht die Fassade des Museums am Dohnaer Markt etwas nackt aus. Doch schon nächstes Jahr soll sie wieder grüner – und sicherer – sein.
Derzeit sieht die Fassade des Museums am Dohnaer Markt etwas nackt aus. Doch schon nächstes Jahr soll sie wieder grüner – und sicherer – sein.

© Andreas Hoppe

  • Derzeit sieht die Fassade des Museums am Dohnaer Markt etwas nackt aus. Doch schon nächstes Jahr soll sie wieder grüner – und sicherer – sein.
    Derzeit sieht die Fassade des Museums am Dohnaer Markt etwas nackt aus. Doch schon nächstes Jahr soll sie wieder grüner – und sicherer – sein.
  • Vor einem Jahr sah es noch so am Dohnaer Museum aus. Damals sollte das Fassadengrün wegen Brandgefahr für immer ganz verschwinden.
    Vor einem Jahr sah es noch so am Dohnaer Museum aus. Damals sollte das Fassadengrün wegen Brandgefahr für immer ganz verschwinden.

Dohna. Noch ist das Grün am Dohnaer Museum etwas spärlich. Doch schon in einem Jahr soll die Hälfte der Fassade bewachsen sein, in zwei Jahren komplett. Dann ist es so wie bisher und doch anders.

Alte Dohnaer kennen das Gebäude am Markt nicht anders als bewachsen. Deshalb war der Aufschrei vor einem Jahr groß, als die Stadt das Grün rigoros entfernen wollte. Ihr Argument: die Brandgefahr. Sie bezog sich dabei auf zwei Brandschutzgutachter bzw. -prüfer. Doch der Denkmalschutz sagte Stopp. Der Kompromiss: Das Totholz wird zurückgeschnitten und der Bewuchs in der Höhe und an der linken Seite reduziert. Dafür soll er in der Mitte der Fassade sowie horizontal zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss verstärkt entwickelt werden.

Thorwald Brandwein hat dafür jetzt die Voraussetzungen geschaffen. Der Fassadengrün-Fachmann aus Mechernich in Nordrhein-Westfalen hat die Kletterhilfen angebracht. Die sind aus Glasfasermaterial und weiter von der Wand entfernt als die vorherigen. Sie sind elastisch und halten die von den wachsenden Pflanzen ausgehenden Kräfte besser aus.

Schlecht sei jedoch, dass sich das Regenfallrohr nach wie vor auf der rechten Seite der Fassade befindet. Auf der anderen Seite wäre es technisch besser gewesen, sagt Brandwein. Doch als er zum Zuge kam, sei das Dach schon saniert und damit auch am Rohr nichts mehr zu ändern gewesen.

Pflege verringert Risiko

Eine Brandgefahr schließt Brandwein aus. „Ich sehe kein Restrisiko.“ Voraussetzung ist das regelmäßige Entfernen des Totholzes und die Schnitte, besonders im Herbst. „Ein eventuelles Brandrisiko durch Fassadenbewuchs mit Kletterpflanzen ist eine Folge vernachlässigter Pflege von Fassadenbegrünungen“, sagt Brandwein. Für einen Fachvortrag in Wien vor drei Jahren hat er 54 Brände von Fassadenbegrünungen seit 2008 untersucht. „Dominierend ist Leichtsinn gröbster Art und Vorsatz.“

Der notwendige Pflegeaufwand sei überschaubar, sagt Brandwein. Er beziffert ihn mit dreimal im Jahr zwei Stunden. „Man muss nur dran bleiben“, sagt Brandwein und wüsste da schon jemanden. Andreas Hoppe, Marktanwohner und beratendes Mitglied im Technischen Ausschuss des Stadtrates, hat er bei seiner Arbeit in Dohna kennengelernt. Er war ihm vorher schon durch die Zeitungsartikel bekannt geworden. Hoppe würde das natürlich gern übernehmen. Die Stadt wisse das schon. Er warte nun auf eine Entscheidung, sagt er.

Hoppe freut sich über das neue alte Museum und die Entscheidung zum Fassadengrün. „Das ist gerade in unserer umweltbelasteten Umgebung ein wirksamer unterschätzter Beitrag zu Luftverbesserung und auch optisch bei regelmäßiger Pflege eine Aufwertung der Umgebung.“ Und dazu leistet er gern einen Beitrag.