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Neues Gesicht für den Strehlener Platz

Das Areal rund um die Kreuzung soll bebaut werden. Die Stadt hat in einem Wettbewerb erste Ideen gesammelt.

14.06.2017
Von Nora Domschke

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Am Strehlener Platz sehen Stadtplaner großes Entwicklungspotenzial. Hier ist Platz für Wohn- und Forschungsbauten.

© Sven Ellger

Tausende Dresdner nutzen täglich die Verbindung über die Teplitzer Straße und den Strehlener Platz. An der stark befahrenen Kreuzung müssen sie besonders aufmerksam sein. Nicht, weil der Strehlener Platz eine architektonische Augenweide ist. Vielmehr zählt er zu Dresdens Unfallschwerpunkten. Daran wird sich wohl auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Denn die Verkehrsführung wird vorerst so bleiben, wie sie derzeit ist.

Dennoch hat die Stadt große Pläne für das Areal rund um die Kreuzung. Viel hat sich dort seit der politischen Wende nicht verändert. Zwei Supermärkte wurden gebaut – einer von ihnen am einstigen Standort des 1950 eröffneten Hotels „Astoria“, das 1997 abgerissen wurde. An der Strehlener Straße entstand neben einer denkmalgeschützten Villa ein Parkplatz. Südwestlich befindet sich das Mitte der 1950er-Jahre errichtete Gebäude der Ingenieurschule für Verkehrstechnik, das heute Sitz des Berufsschulzentrums für Elektrotechnik ist. Nun soll der Strehlener Platz ein neues Gesicht bekommen. Dafür hatte die Stadt Anfang dieses Jahres einen Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich sechs Architekturbüros beteiligten. Ideen sollten gesammelt werden, die als Grundlage für einen sogenannten Rahmenplan dienen. An ihm müssen sich später Investoren orientieren, die an dieser Stelle bauen wollen.



Dabei war die Herangehensweise der Architekten sehr unterschiedlich. Die Ergebnisse des anonymen Werkstattverfahrens stellte ein Stadtplaner an diesem Montag in der Sitzung des Ortsbeirates Prohlis vor. Demnach hatte etwa die Ipro-Consult GmbH aus Dresden einen Entwurf erarbeitet, der vorsah, die insgesamt rund zehn Hektar großen Flächen relativ dicht, aber kleinteilig zu bebauen. Zwischen der ehemaligen Kaufhalle, in der zuletzt eine Filiale von Videoworld untergebracht war, und der Haltestelle in der Ackermannstraße sollte ein neuer, zentraler Platz entstehen. Die Jury – in der unter anderem Stadtplanungschef Steffen Szuggat und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) saßen – lehnte diesen Vorschlag als nicht umsetzbar ab, weil die Ackermannstraße dafür zu stark befahren sei. Auch mit einem Achtgeschosser direkt am Strehlener Platz konnte diese Vision nicht punkten.

Ganz anders die Idee der Dresdner O+M Architekten GmbH: rund um den Strehlener Platz größere, vier- bis fünfgeschossige Gebäudekomplexe, an der Teplitzer Straße Wohnhäuser. Ähnlich sah der Entwurf von Planpartner Architekten aus. Beidseitig der Einmündung zur Teplitzer Straße planten die Bauexperten hier allerdings zwei markante Zehngeschosser. Auch das stieß nicht auf Wohlgefallen. Letztlich setzte sich das Leipziger Büro Grunwald & Grunwald gegen die Dresdner Konkurrenz durch. „Wir haben uns gefreut, dass der Wettbewerb so ausgeschrieben war, dass die Jury nicht wusste, aus welchem Büro die Entwürfe kommen“, sagt Matthias Grunwald gegenüber der SZ. Der Architekt hat die Bereiche, die zwischen der Bahntrasse, Strehlener, Ackermann-, Teplitzer und August-Bebel-Straße entstehen, in fünf Quartiere mit unterschiedlicher Nutzung unterteilt. So soll an der Strehlener Straße ein neuer Supermarkt gebaut werden – als Ersatz für die beiden Märkte, die auf der gegenüberliegenden Seite wegfallen werden. Dort sollen Neubauten entstehen. Grunwald hatte dafür Wissenschafts- und Forschungsgebäude vorgesehen. Aufgrund der angespannten Wohnmarktsituation will die Stadt an dieser Stelle vor allem auf Wohnungsbau setzen. “Es muss jetzt erst einmal geprüft werden, ob die Flächen an der Bahntrasse dafür geeignet sind“, erklärt Grunwald das weitere Vorgehen. Positive Resonanz bekam der Leipziger Experte für den Zehngeschosser auf der Spitze zwischen Teplitzer und Ackermannstraße. Das Gebäude sei als Auftakt für die Hochhäuser in der Ackermannstraße zu verstehen.

Der Prohliser Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt kritisierte, dass das Straßen- und Tiefbauamt zwar am Werkstattverfahren beteiligt war, an der unübersichtlichen Verkehrsführung auf dem Platz vorerst aber keine Änderungen vorgesehen seien. „Das hätte doch gleich in die Planungen für die Umgestaltung mit einfließen können“, sagt Lämmerhirt. Wenn die Pläne für den Strehlener Platz konkreter sind, wird sich der Ortsbeirat Prohlis erneut mit dem Thema befassen.