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Mittwoch, 03.01.2018

Neuer Drewag-Chef setzt auf Fusion

Frank Brinkmann will Stadtwerke und Regionalversorger zusammenführen. In Dortmund hatte er damit ein Problem.

Von Peter Hilbert

Der neue Drewag-Chef Frank Brinkmann am Heizkraftwerk Nossener Brücke. Das versorgt den Großteil von Dresden mit umweltfreundlicher Fernwärme.
Der neue Drewag-Chef Frank Brinkmann am Heizkraftwerk Nossener Brücke. Das versorgt den Großteil von Dresden mit umweltfreundlicher Fernwärme.

© Christian Juppe

Die Drewag hat einen neuen Chef. Frank Brinkmann wird an diesem Donnerstag beim Neujahrsempfang der Stadtwerke erstmals als Sprecher der Geschäftsführung auftreten. Als Dresdens neuer kommunaler Supermanager steht der 51-Jährige auch an der Spitze des Stadtkonzerns Technische Werke Dresden (TWD), unter dessen Dach neun Unternehmen mit rund 5 500 Beschäftigten arbeiten. Neben der Drewag wird Brinkmann auch den Regionalversorger Enso Energie Sachsen Ost führen.

Diese Posten hatte bisher Reinhard Richter inne. Der 63-Jährige geht jetzt in Rente. Anfang 2016 hatte er die Funktionen als TWD-Chef und als Sprecher der Drewag-Geschäftsführung vom langjährigen Dresdner Supermanager Reiner Zieschank übernommen.

Brinkmann hatte die Dresdner überzeugt. Sowohl die Aufsichtsräte von TWD und Enso als auch die Stadträte sprachen sich einstimmig für ihn aus. „Ich empfinde das als Vertrauensvorschuss, für den ich mich sehr bedanke“, sagt er. Ein wichtiges Ziel sei es, die Drewag und die Enso zusammenzuführen, um unter den Bedingungen des harten Wettbewerbs noch effizienter arbeiten zu können. Die Energiewende bedeute eben auch, die Energiewirtschaft in den Regionen besser zu organisieren. Und dabei würden die Stadt Dresden und das Umland nun mal zusammengehören. „Allerdings ist dafür eine Entscheidung der Anteilseigener nötig“, erklärt er. Die Drewag gehört der Stadt zu 90 Prozent, 72 Prozent der Enso-Anteile ebenfalls. Die restlichen 28 Prozent des Regionalversorgers sind im Besitz der von ihm versorgten Gemeinden im Großraum Dresden.

Auf eine Fusion mit dem Regionalversorger hatte Brinkmann schon als Chef der Dortmunder Energie- und Wasser GmbH (DEW 21) gesetzt. Doch mit dieser Strategie, die in Dresden schon lange verfolgt wird, war der parteilose, in der Branche anerkannte Manager in Dortmund in Ungnade gefallen. Die SPD-geführte Stadtspitze hatte andere Vorstellungen und trennte sich von ihm.

Jetzt beginnt seine Dresdner Zeit. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe“, sagt Brinkmann. Zuerst will er jetzt zuhören. „Ich werde das Versorgungsgebiet abreisen, um die Akteure kennenzulernen. Mein Kalender ist schon sehr gut gefüllt.“ Ihm seien motivierte Mitarbeiter sehr wichtig, die für die Sache brennen und etwas bewegen wollen.

„Er macht es genau richtig“, findet Dresdens Ex-Supermanager Zieschank. Gute Leistung in einer Firma können nur durch Teamarbeit erreicht werden. Die Drewag und die Enso seien schon weit gekommen. „Der große Akt war der Rückkauf der Unternehmensanteile“, nennt der 66-Jährige den wichtigsten Fortschritt.

„Nach der Wende hatte man mit dem Einigungsvertrag die Energieversorgung für ‘n Appel und ‘n Ei an Westkonzerne verkauft“, sagt der aus Karlsruhe stammende Manager mit sächsischen Wurzeln. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Vattenfall hatten Anteile an den hiesigen Versorgern erworben. „Jedes Jahr sind die Gewinne in den Westen geflossen“, nennt Zieschank die Konsequenz, die er aus seiner Zeit als TWD-Geschäftsführer seit 1997 und als Drewag-Chef seit 2006 kennt. „Es war immer wieder ein Kampf mit den privaten Mitgesellschaftern, die hohe Preise wollten. Sie hatten kein anderes Interesse, als Geld zu kassieren.“ So gehörte die Drewag Anfang 2010 beim Gaspreis zu den Top Ten der teuersten deutschen Stadtwerke. Das hatte eine SZ-Recherche ergeben.

Letztlich gelang es der Stadt, 2010 die Anteile der Drewag und 2011 die der Enso von den Energiekonzernen für insgesamt rund eine Milliarde Euro zurückzukaufen. „Wir haben alle an einem Strang gezogen“, so Zieschank. Die Stadt habe eine große Rolle gespielt, federführend bei den Verhandlungen sei auch Reinhard Richter als Enso-Vorstand gewesen. Das hat sich gelohnt. „Jetzt profitieren die Kommunen viel stärker von Gewinnen“, resümiert Zieschank. 2016 erzielte die Drewag mit ihren etwa 1 400 Mitarbeitern einen Gewinn von 92 Millionen und die Enso mit ihren rund 1 350 Mitarbeitern von 54 Millionen Euro.

Im Gegensatz zu früheren Jahren können sich auch die Preise von Drewag und Enso im Vergleich der lokalen Versorger Deutschlands sehen lassen. Das bestätigte das Vergleichsportal Verivox der SZ.

Die Drewag-Strategie mit dem Ausbau der Energiespeicher im Kraftwerk Reick, der Nutzung von Sonnenenergie und der Fernwärme sei hervorragend. „Ich halte es für richtig, dass Drewag und Enso jetzt fusionieren“, sagt Zieschank. „Vor der Wende sind sie aus dem Energiekombinat Dresden gekommen.“ Wenn sie jetzt wieder zusammengefügt würden, könnte man im harten Wettbewerb viel mehr sparen.

Davon sollen auch die Kunden profitieren, nennt der neue Drewag- und Enso-Chef Brinkmann ein Ziel. Zu den Kunden gehört er jetzt auch. Der Familienvater hat eine Wohnung in der Inneren Neustadt gemietet. Allerdings wird er anfangs noch pendeln. Schließlich gehen seine acht, zwölf und fünfzehn Jahre alten Kinder noch in Dortmund zur Schule.