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Freitag, 22.12.2017

Neuer Ärger wegen Qualm der Schmalspurbahn?

Rauchgase verärgern Anwohner im Zittauer Bahnhofsviertel, behauptet ein Stadtrat. Die Soeg bezweifelt das.

Von Mario Heinke

Die Schmalspurbahn im Sommer auf dem Weg ins Zittauer Gebirge
Die Schmalspurbahn im Sommer auf dem Weg ins Zittauer Gebirge

© Matthias Weber

Die rauchende Schmalspurbahn ist für Eisenbahnfreunde und Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Für die Bewohner der Straßen rund um den Zittauer Bahnhof sei der stinkende Qualm hingegen eine Belästigung, behauptet der fraktionslose Stadtrat Andreas Manschott (FBZ). Immer wieder werde er von Anwohnern angesprochen, denen der Qualm stinkt. Weil die „Ruhefeuer“ im Kessel der Loks die ganze Nacht über lodern, könne man nicht mit offenem Fenster schlafen, sagt Manschott. Deshalb habe er im Sommer mit der Unteren Immissionsschutzbehörde des Landkreises Görlitz Kontakt aufgenommen, aber seither keine Antwort auf seinen Brief bekommen.

Das Landratsamt bestätigt, dass Ende 2016 und Anfang 2017 zwei Beschwerden aus der Berg- sowie der Max-Lange-Straße bei der Unteren Immissionsschutzbehörde eingegangen sind. Die Behörde kam nach einer Vorortbegehung mit Vertretern der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft mbH (Soeg) als Betreiber der Schmalspurbahn und den Beschwerdeführern zu folgendem Ergebnis: Das Anfeuern der Loks erfolgt bestimmungsgemäß, die Kohlequalität ist nach Prüfung durch ein externes Labor nicht zu beanstanden. Der Schornsteinfegermeister reinigt den Kamin des Lokschuppens halbjährlich. Sollte es wieder zu Beeinträchtigungen kommen, vereinbarten beide Seiten einen direkten Austausch, schreibt die Immissionsschutzbehörde. Ullrich Sauer, Oberster Betriebsleiter bei der Soeg stellt klar, dass der Qualm der Loks nicht für die Beschwerden verantwortlich gewesen sei. Die Anwohner hätten von „verbranntem Plastik- und Gummigeruch“ gesprochen, mit Rauchgasen habe das nichts zu tun, so Sauer. Im Klartext heißt das: Der Gestank kann aus jedem beliebigen Ofen kommen. Der Bezirksschornsteinfeger konnte aber bislang keine Hinweise auf nicht ordnungsgemäß betriebene Öfen im Umfeld feststellen, so der Landkreis. „Herr Manschott hat sich am 10. Juli 2017 telefonisch bei der Immissionsschutzbehörde zum Sachverhalt erkundigt. Der Bearbeitungsstand wurde ihm telefonisch übermittelt. Ein Schreiben ist nicht bekannt“, so der Kreis.

Andreas Manschott wohnt selber im Quartier und klagt weiterhin über die Geruchsbelästigung und Hustenreiz. Zwar fährt er selbst gern mit der Schmalspurbahn, ist aber der Meinung, dass die Rauchbelästigung eingedämmt werden sollte. Er wirft Soeg-Geschäftsführer Ingo Neidhardt vor, das Problem herunterzuspielen. Neidhardt hatte im Stadtrat gesagt, die Belästigung trete höchstens dreimal im Jahr bei einer Inversionswetterlage auf. Die oberen Luftschichten sind hierbei wärmer als die unteren, deshalb bleibt die Durchmischung der Luftschichten aus und es kann zu einer Ansammlung von Luftschadstoffen kommen.

Dazu muss man wissen: Nach Beschwerden der Anwohner hatte die Soeg bereits 2013 freiwillig, ohne rechtlichen Zwang und um des Freiedens willen eine Rauchgas-Sammelanlage zur Ableitung der Lokabgase errichten lassen. Die Anlage kostete 100 000 Euro und leitet den Rauch aus dem Kessel der Lok über einen Schornstein in höhere Luftschichten. Seit Inbetriebnahme der Sammelanlage gab es keine Beschwerden mehr, sagt Neidhardt. Und er hält dagegen: Die Soeg tue alles technisch Machbare, um Belästigungen zu vermeiden. Freiwillig habe man eine kohlefressende Lok, die für die Verbrennung von Braunkohle ausgerüstet war, stillgelegt. Außerdem sind inzwischen zwei der vier Loks mit einer Kesselisolierung ausgestattet, damit im Stillstand weniger geheizt werden muss. Regelmäßige Kohlegutachten bestätigen, dass bei der Schmalspurbahn die beste Steinkohle verwendet werde, sagt Neidhardt und ergänzt: „Eine aktive Absaugung der Rauchgase mit Filtern ist technisch nicht umsetzbar, weil das Feuer im Kessel ausgehen würde.“

„Wenn wir die touristische Bedeutung der Schmalspurbahn infrage stellen, können wir in Bezug auf den Tourismus im Zittauer Gebirge das Licht ausmachen“, mahnt Ingo Neidhardt. Wer über Umweltschutz und Luftverschmutzung rede, sollte sich an die Autobahn 4 stellen, über die täglich Tausende Lastkraftwagen rollen. Der Soeg-Geschäftsführer hält die erneute Diskussion über die Rauchgase der Schmalspurbahn für völlig fehl am Platz und bezweifelt, dass Stadtrat Manschott im Auftrag der Anwohner spricht, weil abgesehen von dessen Klagen, bei der Soeg keine neuen Beschwerden bekannt geworden seien.