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Montag, 30.01.2017

Neue Tischkultur im Kaufhaus

HTI-Line hat den Versandhandel von Rico Kretschel übernommen. Ralf Hensgens machte dem Insolvenzverwalter das beste Angebot.

Von Jens Hoyer

Manuela Haußmann und Sylvio Heidrich arbeiten im Versandhandel über dem Döbelner City-Kaufhaus. Die „Neue Tischkultur“ von Rico Kretschel ist vorige Woche in neue Räume umgezogen. Hier gibt es mehr Platz als im alten Domizil und Lager und Verpackungslinie befinden sich auf einer Ebene.
Manuela Haußmann und Sylvio Heidrich arbeiten im Versandhandel über dem Döbelner City-Kaufhaus. Die „Neue Tischkultur“ von Rico Kretschel ist vorige Woche in neue Räume umgezogen. Hier gibt es mehr Platz als im alten Domizil und Lager und Verpackungslinie befinden sich auf einer Ebene.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Lange Reihen von Regalen, Paletten mit Kartons, dazwischen ein paar Packtische – in der vergangenen Woche ist der Versandhandel „Neue Tischkultur“ von der Johannisstraße in Räume über dem Henwi-Kaufhaus umgezogen. Inhaber Rico Kretschel hatte im September 2015 mit seinem Online-Handel Insolvenz anmelden müssen. Ralf Hensgens hat Anfang des Jahres mit seiner Firma HTI-Line GmbH das Geschäft übernommen. Für Insolvenzverwalter Dr. Jörg Schädlich ist das eine gute Lösung für das Unternehmen. „Der neue Eigentümer hatte das beste Angebot abgegeben. Der Versand bleibt vor Ort und die Mitarbeiter wurden alle übernommen“, sagte Schädlich. Er werde die Gläubiger am Montag über den Insolvenzplan informieren. Schädlich rechnet mit einem Abschluss des Verfahrens in den nächsten Wochen. Auch die Immobilie an der Johannisstraße, in dem Geschäft und Versandhandel untergebracht waren, stehe vor dem Verkauf, sagte der Insolvenzverwalter.

Rico Kretschel, der den Laden von seinen Eltern übernommen und zum weltweit verkaufenden Internethandel ausgebaut hatte, war aus verschiedenen Gründen in die Schieflage geraten. Zum einen durch die Auswirkungen des Hochwassers 2013. Aber vor allem auch durch die Umsatzeinbußen nach der Neckermann-Pleite – über die Händlerplattform des Internetriesen hatte Kretschel viel verkauft. Finanzielle Forderungen des Neckermann-Insolvenzverwalters seien dann der letzte Auslöser für den Insolvenzantrag gewesen, so Schädlich. „Jetzt gibt es für den Versand aber wieder ordentliche Perspektiven.“

Ralf Hensgens will nicht nur das Geschäft mit Porzellan, Glas und Haushaltwaren übernehmen. Er will das Geschäft ausbauen und von den Erfahrungen Rico Kretschels profitieren. „Das wird die Internetabteilung für die gesamte Firmengruppe“, so Hensgens. Zur Firmengruppe gehört nicht nur das City-Kaufhaus in Döbeln, sondern auch die Möbel-SB-Halle in Masten. „Es ist eine schöne Sache, eine Fachabteilung zu haben, die das intensiv betreiben kann. Das ist eine wichtige Sparte. Da kommt man als Händler nicht drumherum“, sagte Hensgens. Rico Kretschel soll die Abteilung leiten.

Die Neue Tischkultur hat schon angefangen, ihr Angebot zu erweitern. In dem Internetkaufhaus gibt es mittlerweile nicht mehr nur Porzellane, Glas, Bestecke und Haushaltwaren zu kaufen. Das Angebot wurde um Möbel, Wohn- und Bad-Accessoires und anderes erweitert. Und dabei geht es nicht nur ums Verkaufen. „Viele Leute informieren sich im Netz auch nur und lassen sich dann vor Ort beraten“, sagte Hensgens.

Insgesamt acht Leute kümmern sich um das Versandgeschäft – einige waren neu eingestellt worden. „Rico Kretschel hat ein Konzept und packt das professionell an“, sagte Hensgens. So wird im Kaufhaus ein Fotostudio eingerichtet, um die Waren für den Internetkatalog ins rechte Licht zu rücken. Auch in der Insolvenz sei das Geschäft immer weiterbetrieben worden, sagte Hensgens. „Alle Lieferanten waren bei der Stange geblieben. Viele von ihnen beliefern auch Henwi.“