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Freitag, 06.10.2017

Neue Straßenbahn soll Johannstadt aufwerten

Eine Lösung ist dringend nötig: Die Buslinie 62 ist überlastet. Bis dort eine neue Stadtbahn fährt, dauert es aber noch.

Von Theresa Hellwig

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So könnte sie aussehen, die Stadtbahn in der Johannstadt. Ob die Bahn aber tatsächlich durch die Pfotenhauerstraße verläuft, ist noch offen.
So könnte sie aussehen, die Stadtbahn in der Johannstadt. Ob die Bahn aber tatsächlich durch die Pfotenhauerstraße verläuft, ist noch offen.

© virtual-architects|D.Jdanoff

  • So könnte sie aussehen, die Stadtbahn in der Johannstadt. Ob die Bahn aber tatsächlich durch die Pfotenhauerstraße verläuft, ist noch offen.
    So könnte sie aussehen, die Stadtbahn in der Johannstadt. Ob die Bahn aber tatsächlich durch die Pfotenhauerstraße verläuft, ist noch offen.
  • Sind Autos neben den Bahnen erlaubt oder soll der Bereich verkehrsberuhigt sein? Viele Fragen sind zu klären.
    Sind Autos neben den Bahnen erlaubt oder soll der Bereich verkehrsberuhigt sein? Viele Fragen sind zu klären.

Viel grau, viele Plattenbauten; geometrische Gebäude, die teils hoch in den Himmel ragen. Die Johannstadt soll attraktiver werden, findet Hendrik Stalmann-Fischer, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion. Helfen soll dabei eine neue Bahnlinie, die zwischen der Johannstadt, dem Zentrum und Plauen verkehren könnte. Das Projekt ist Teil der Maßnahme „Stadtbahn 2020“. Am Mittwochabend informierten die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) gemeinsam mit der SPD über das Vorhaben und fragten die Johannstädter nach ihren Vorstellungen.

Warum wird die neue Bahn so dringend benötigt?

Stalmann-Fischer berichtet: „Wer einmal mit der Buslinie 62 gefahren ist, kennt es: Ab der evangelischen Hochschule wird es eng, ab St. Benno-Gymnasium wird es dann richtig kuschelig.“ Die Buslinie 62 zwischen Johannstadt und Plauen ist überlastet. Etwa 23 700 Menschen nutzen diese Linie täglich, Tendenz steigend. „Mit einem Durchschnittstempo von nur 15 km/h bewegen wir uns auf dieser Strecke fort“, ergänzt Andreas Hoppe von den DVB. „Da braucht man nicht einmal ein E-Bike, um schneller zu sein“, verdeutlicht der Leiter der Abteilung Verkehrsplanung. Besonders an Verkehrsknotenpunkten, wie am Rathenauplatz oder dem Pirnaischen Platz, verzögert sich die Fahrzeit enorm. Stalmann-Fischer empfindet auch die Aufwertung der Johannstadt durch eine neue Straßenbahn als wichtig. Der Stadtteil laufe Gefahr, zum sozialen Brennpunkt zu werden. Dem möchte er durch die verbesserte Lebensqualität, die die Bahn biete, entgegenwirken. Auch Politiker anderer Fraktionen bewerten das Vorhaben als wichtig. So betont Gunter Thiele von der CDU: „Der Handlungsdruck ist da.“

Warum wird nicht die Buslinie ausgebaut?

Eine Stadtbahn, geplant als neue Linie 5, soll die Buslinie 62 ersetzen und den Problemen Abhilfe schaffen. Sie bietet Platz für mehr Fahrgäste als ein Bus. Zudem kann eine neue Bahnstrecke so geplant werden, dass die Bahn weniger im Stau steht als ein Bus.

Was muss alles beachtet werden?

Die Planer müssen überlegen, wie Verkehrsknotenpunkte umgangen werden können. Wie in einigen anderen Städten, bietet sich hier beispielsweise ein verkehrsberuhigter Bereich an, durch den die Bahn als einziges Verkehrsmittel fahren darf. Bei allen Überlegungen dürfen städtebauliche Aspekte nicht außen vor gelassen werden. In Zentren beispielsweise soll es schön aussehen; an anderen Stellen stimmt die Straßenbreite nicht. Bedacht werden müssen Aspekte wie: Soll es Bäume und Grünanlagen geben? Wie sieht es mit dem Radverkehr aus? Wo liegen die Prioritäten: Sind Parkplätze oder Radwege wichtiger oder ist es die neue Bahnlinie?

Wie konkret sind die aktuellen Planungen?

Hoppe spricht in diesem Zusammenhang von einer „Vorplanung“. Es werden die Meinungen der Bürger eingeholt, Studien zu Fahrgastzahlen und Zweckmäßigkeit der Bahn durchgeführt und erste Lösungen für die Problemstellungen gesucht. Ob es die Bahn wirklich geben wird, ist noch offen. Fest steht aber, dass der Haushalt für das kommende Jahr 500 000 Euro für die Planung sicherstellt. Was der Bau kostet, ist noch offen. Bis die Räder aber rollen, dauert es noch. Wenn es reibungslos verläuft, rechnet Hoppe ab etwa 2030 mit der Fertigstellung.

Wie sicher ist das Vorhaben dieses Mal?

Schon einmal verliefen die Planungen einer neuen Stadtbahnlinie 5 im Sande: Im Jahr 2011 gab das sächsische Wirtschaftsministerium entsprechende Förderungsanträge nicht an den Bund weiter. Daran scheiterte das Projekt beim letzten Mal. Wie Hoppe betont, ist die Lage heute jedoch eine andere. Während die DVB im Jahr 2000 nur etwa 140 Millionen Fahrgäste befördert und man von sinkenden Zahlen ausging, sind es mittlerweile 160 Millionen – mit steigender Prognose. Zudem haben, so Hoppe, Land und Bund bereits den Willen der Förderung bekannt gegeben, sofern die neuen Gutachten den Nutzen der Bahn beweisen.

Was erwarten die Bürger von der neuen Bahn?

Als die anwesenden Interessierten erfahren, dass die Bahn noch in derart ferner Zukunft liegt, macht sich Unmut breit. „Und was machen wir bis dahin?“, fragt einer der Bürger. Ein anderer wünscht, den Einsatz von Bussen, vielleicht Elektrobussen, noch einmal zu überdenken. Mehreren scheint wichtig, dass die Lebenskosten dadurch nicht steigen: „Werden unsere Mieten teurer?“, fragt einer. Die Anwesenden wünschen sich, in den Planungsprozess einbezogen zu werden – wenn konkrete Pläne vorliegen, wollen sie ihre Meinung dazu abgeben können.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 22 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. ÖPNV-Nutzer

    @10 Ist nur blöd, dass dieses Projekt schon seit über 10 Jahren auf der Agenda steht.

  2. Phillip

    @11 Echt? Nur seid 10 Jahren erst? :)

  3. ÖPNV-Nutzer

    @12 Wenn die Geldhähne für die Planungen zugedreht werden liegt ein Projekt eben erst mal auf Eis. Die Stadt Dresden hat es verschlafen ein ordentliches Mobilitäzskonzept zum ÖPNV zu entwickeln und jetzt stellt man fest, dass die aktuellen Kapazitäten im ÖPNV in Zukunft nicht mehr ausreichen werden. Auf diesem Grund wird erst jetzt wieder neu angefangen.

  4. kaktus

    Seit ....vielen Jahren wird dieses Projekt vorgestellt, doch geschehen ist nicht viel. War vor einigen Jahren schon mal zu einer Bürgerbefragung in Dresden-Plauen, da wurde der gleiche Mist erzählt und geändert bzw. sichtbar ist bis heute nichts. Die Busse der Linie 62 sind zu Stoßzeiten voll wie eh und je, und wie die neue Straßen-(Stadt-)bahn sich in Plauen ums Rathaus bis zur Weißeritz schlängeln soll, weiß auch keiner - ich kann es mir jedenfalls bei dem Verkehr täglich nicht vorstellen. Es wurde ja wieder gesagt, dass der Bau der Bahn weiterhin derart in ferner Zukunft liegt, dass man nur hoffen kann, das es unsere Enkel noch erleben.

  5. Aleister Crowley

    Liebe DVB, bring doch bitte die Mügelner Str. endlich in Ordnung. Seit der Betriebshof Reick läuft, verotten dort die toten Gleise in der Straße, das Pflaster ist marode und der Asphalt bröckelt.

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