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Montag, 24.03.2014

Neue Mensa soll im Oktober schließen

Künftig wird am Nürnberger Platz gekocht. Was aus dem denkmalgeschützten Altbau wird, bleibt offen. Die Zeit drängt.

Von Annechristin Kleppisch

Zum Mittagessen in die Neue Mensa. Damit soll es im Oktober vorbei sein. Dann schließt das Obergeschoss. Gekocht wird 100 Meter weiter.
Zum Mittagessen in die Neue Mensa. Damit soll es im Oktober vorbei sein. Dann schließt das Obergeschoss. Gekocht wird 100 Meter weiter.

© André Wirsig

Hier bleibt bald die Küche kalt. Spätestens im Oktober soll in der Neuen Mensa an der Bergstraße nichts mehr gekocht werden. Keine Schnitzel, keine Nudeln. Das Studentenwerk will das obere Stockwerk des denkmalgeschützten Baus an der Bergstraße schließen. Die Essenausgabe von 4.000 Portionen am Tag soll an den Nürnberger Platz umziehen. Dort ist eine Fläche reserviert. Die alten Baracken wurden schon 2013 weggerissen. Bäume sind verschwunden. Wichtige Anschlüsse sind gelegt. „Der Bau der zweigeschossigen Interims-Halle soll schnell beginnen“, sagt Martin Richter, Geschäftsführer im Studentenwerk. Sechs bis acht Wochen würde das dauern. Schon im September soll es einen Probelauf in der Halle geben, damit zum Start ins Wintersemester der Mensabetrieb problemlos laufen kann.

Damit beginnt die Uhr für die Zukunft der Neuen Mensa an der Bergstraße zu ticken. Das Baudenkmal muss dringend saniert werden. Vor allem die Lüftungs- und Haustechnik aus DDR-Zeiten ist veraltet. Gerade wurde der letzte noch verfügbare Lüftungsmotor eingebaut. Wie lange der läuft, ist ungewiss. Fällt er aus, muss das obere Stockwerk der Mensa sofort geschlossen werden. Diesem Ernstfall will das Studentenwerk jetzt mit seiner Leichtbaumensa zuvorkommen. „Wir minimieren das Risiko, von heute auf morgen die Essenversorgung nicht mehr gewährleisten zu können“, sagt Richter.

Doch mit dem Hallenbau beginnt die Zeit an anderer Stelle zu drängen. Für die Interims-Mensa gibt es nur eine Betriebserlaubnis von fünf Jahren. Danach kann auch dort nicht mehr gekocht werden. Nur fünf Jahre bleiben also, um einen dauerhaften Ersatz zu finden und umzusetzen. Bis Anfang des Jahres wäre das kein Problem gewesen. Die Sanierung der Neuen Mensa ist bereits geplant. 1,2 Millionen Euro hat das gekostet. Was bisher fehlte, war das Geld. Von 20,8 Millionen Euro ist die Rede. Das Geld muss vom Land im Haushalt eingeplant werden.

Doch das zuständige Finanzministerium hat es sich Ende vergangenen Jahres offenbar anders überlegt. „Das Finanzministerium favorisiert nunmehr einen Abriss und Neubau“, sagte Martin Richter im Januar gegenüber der SZ. Schon im Dezember ist er darüber kurz informiert worden. Demnach seien den Überlegungen des Ministers zufolge Abriss und Neubau günstiger als die Sanierung.

Konkrete Zahlen hat das Ministerium dafür bisher nicht vorgelegt. Kritiker argumentieren aber, dass ein Neubau ohne Cafeteria und Bierstube 20,4 Millionen Euro kosten würde. Das hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung berechnet. Kosten für Planung und Abriss sind dort noch nicht enthalten. Zudem kritisieren vor allem die Denkmalpfleger, dass mit dem Abriss ein wichtiges Bauwerk der modernen DDR-Architektur verloren gehen würde.

Dann bleiben die Teller leer

Welche Lösung kommt, wird wohl erst der Entwurf für den sächsischen Haushalt 2015/16 zeigen. Darüber wird derzeit verhandelt. Die Neue Mensa ist sicher Thema. Mit Verweis auf die aktuellen Gespräche will sich das Ministerium derzeit aber nicht zum Ergebnis äußern. Auch welche Lösung gerade favorisiert wird, bleibt offen. Wird die Sanierung gekippt, muss der Neubau geplant und ausgeschrieben werden. Bis diese Mensa dann tatsächlich steht, können gut zehn Jahre vergehen. Die Interims-Lösung ist dann lange abgelaufen. Und die Teller bleiben leer.

Gespannt wartet Martin Richter auf das Ergebnis. Immerhin ist die Neue Mensa wichtig für die Versorgung von 36.000 Studenten und 7.000 Mitarbeitern der TU Dresden. „Wir legen großen Wert darauf, dass in einem möglichst überschaubaren Zeitraum wieder eine funktionsfähige und moderne Mensa zur Verfügung steht“, sagt TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen. „Mensa und Verpflegung sind wesentliche Punkte des studentischen Lebens.“ Das bestätigte auch das Wissenschaftsministerium. „Unser Anliegen ist es, dass die Essensversorgung der Studenten auch in der Übergangszeit in der Interims-Mensa qualitätsvoll gesichert ist. Diese wird auf jeden Fall und unabhängig von der Entscheidung des Finanzministeriums benötigt“, sagt Sprecherin Annett Hofmann.

Das Studentenwerk arbeitet daran, dass das mit der Interims-Mensa klappt. Die Fußgängerampel am Fritz-Foerster-Platz muss umgebaut werden. „Bei 2.500 erwarteten Essensgästen in der Halle rechnen wir mit 5.000 Straßenquerungen mehr am Tag“, sagt Martin Richter. Dafür ist die Ampelschaltung nicht ausgelegt. Zusammen mit der Stadt soll das geändert werden. Zudem bleiben bis zu einem eventuellen Baustart die Cafeteria und die Bierstube in der Neuen Mensa geöffnet. Auch damit will das Studentenwerk einen Engpass bei der Mittagsversorgung verhindern.

„Spätestens zum Wintersemester soll in der Interimsmensa der Betrieb laufen“, sagt er. Die Hoffnung bleibt, dass damit das Ringen um eine schnelle Lösung für die denkmalgeschützte Neue Mensa bald ein Ende findet.

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