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Neue Ideen für Königsteins Bahnhof

Eine Masterarbeit zeigt, was aus dem Gebäude werden könnte: Sportzentrum oder Erlebnisbahnhof?

06.10.2017
Von Katharina Klemm

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n für Königsteins Bahnhof
Der Königsteiner Bahnhof zeigt sich wenig repräsentativ. Zu lange steht er leer und ungenutzt. Erste Ideen für eine mögliche Nutzung des historischen Gebäudes gibt es. Die werden bald öffentlich diskutiert.

© Marko Förster

Königstein. Das alte Bahnhofsgebäude in Königstein ist in letzter Zeit wieder häufiger Thema im Stadtrat gewesen. In der letzten Sitzung ging es um die mögliche künftige Nutzung. Dazu stellte Ralf Schreiber von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg seine Masterarbeit vor. Im letzten halben Jahr hatte sich der Student des Studiengangs Denkmalpflege intensiv mit dem Bahnhofsgebäude beschäftigt. In seiner Arbeit befasst er sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Gebäudes, wie er sagte. Er durchforstete Archive und sichtete historische Quellen.

Im März reiste der Leipziger dann nach Königstein, um den derzeitigen Zustand mit dem Fotoapparat festzuhalten. Ralf Schreiber stellte fest: „Dafür, dass der Bahnhof so lange leer steht, ist er grundsätzlich in einem soliden Zustand.“ Natürlich gibt es auch Problemstellen. Die zeigen sich dort, wo man an das ursprüngliche Gebäude von 1849/50 später anbaute. Das passierte vor allem 1879 und in den 1890er- Jahren. Durch die Erschütterungen der vorbeifahrenden Züge seien an den Schnittstellen Schäden entstanden.

Für den letzten Teil seiner Arbeit – der wahrscheinlich interessanteste für die Königsteiner – stellt er die Frage, wie man das Empfangsgebäude des Bahnhofs wiederbeleben könnte. Und er entwickelte Ideen für den Bahnhof.

Der Bahnhof als Erlebnis

Mit seiner ersten Variante möchte Ralf Schreiber gezielt ein Erlebnis aus dem Besuch des Bahnhofs machen. Dafür stellt er sich ein Erlebnisrestaurant in den ehemaligen Warteräumen im Erdgeschoss vor. In verschiedenen thematischen Speisesälen könnten die Gäste regionales, rustikales Essen genießen. Das Erlebnis könnte durch Personal in historischen Bahnerkostümen noch gesteigert werden. Auch eine spezielle Art der Bedienung wie etwa durch Züge, die an die Tische fahren, wäre denkbar.

In den weiteren Räumen des Erdgeschosses könnte man laut Schreiber eine öffentliche Toilette sowie eine Touristinformation und Ausstellungsräume oder eine Fahrradgarage einrichten.

Der Bahnhof als Boulderhalle

Auch vorstellbar für Ralf Schreiber wäre ein Boulderbereich im Erdgeschoss. Denn die nächste Kletterhalle gibt es in Heidenau, die nächste Boulderhalle sogar erst in Dresden. Dafür bieten Deckenhöhen von 4,50 Metern ideale Bedingungen. Außerdem würde diese Variante thematisch an den Klettersport in der Sächsischen Schweiz anknüpfen. Auch Schulklassen und Sportvereine könnte man in die Nutzung des Boulder-Bahnhofs einbeziehen.

Zwei Variaten für das Obergeschoss

Auch für das Obergeschoss hat Ralf Schreiber zwei Ideen entwickelt. Zum einen könnte man Büro- oder Gewerbeflächen einrichten und vermieten. Seine zweite Idee knüpft an das Erlebnis Bahnhof an: Zwei Ferienwohnungen, die das Motto Bahnhof im 19. Jahrhundert aufgreifen, würden das Angebot ergänzen. Authentisch würde das Ganze durch die unter dem PVC-Belag noch erhaltenen Holzdielenfußböden. Die müssten saniert und in die Nutzung einbezogen werden.

Eine dritte Variante, der Abriss der Seitenflügel, käme wahrscheinlich nur infrage, wenn man irreparable Schäden am Gebäude feststellen würde, so Schreiber. Das müsste allerdings mit dem zuständigen Denkmalamt besprochen werden. Auch dann seien die Varianten umsetzbar, allerdings in kleinerer Form.

Noch sind es nur Ideen, es steht nichts fest. Bürgermeister Tobias Kummer (CDU) hält die Varianten von Ralf Schreiber auf jeden Fall für einen guten Anfang. „Es ist ein guter Anstoß, um gemeinsam mit den Bürgern weiterzudenken.“ Bei einer Ideenschmiede soll genau das passieren. Dort kann sich jeder einbringen. Die Masterarbeit wird dann als Grundlage der Diskussion genommen, nicht als feststehende Konzeption. Jeder kann auch eigene Ideen vortragen. So will man gemeinsam der möglichen Wiederbelebung des Bahnhofs ein Stück näher kommen.

24. Oktober. 18 Uhr, offene Ideenschmiede zum Bahnhof im Ratssaal der Stadtverwaltung Königstein