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Donnerstag, 04.01.2018

Neue Ideen für ein neues Gesicht

Ein anderer Bundesstützpunkttrainer soll beim DSC künftige Volleyball-Talente entwickeln.

Von Alexander Hiller

Landestrainer Jens Neudeck schwört die Volleyball-Talente vom VC Olympia Dresden ein. Für seine Aufgabe als Bundesstützpunkt-Trainer wurde der 47-Jährige bislang vom Landesverband freigestellt. Die Doppelfunktion und -belastung hatte aber Auswirkungen auf die Qualität von Aus- und Weiterbildungen.
Landestrainer Jens Neudeck schwört die Volleyball-Talente vom VC Olympia Dresden ein. Für seine Aufgabe als Bundesstützpunkt-Trainer wurde der 47-Jährige bislang vom Landesverband freigestellt. Die Doppelfunktion und -belastung hatte aber Auswirkungen auf die Qualität von Aus- und Weiterbildungen.

© Norbert Millauer

Die Nachwuchsarbeit bei den Volleyballerinnen des Dresdner SC wird ein neues Gesicht bekommen. Am Mittwochnachmittag machte der fünffache deutsche Meister die Ausschreibung bis 15. März 2018 für einen neuen Bundesstützpunkttrainer öffentlich.

Der Hintergrund dieser etwas überraschenden Personalentscheidung steckt in der Aufkündigung einer zeitlich begrenzten Kooperation: zwischen dem Dresdner SC und dem Sächsischen Sportverband Volleyball (SSVB). Der Verband stellt nunmehr in der fünften Saison den als Landestrainer angestellten Jens Neudeck für seine Arbeit als Bundesstützpunkttrainer frei. Diese Doppelfunktion wird nun im Sommer 2018 beendet. Die Finanzierung dafür stemmten bislang SSVB, DSC und der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) – allerdings nicht zu gleichen Teilen.

Bislang funktionierte das System, doch es gibt menschliche Grenzen. „Wir haben am Bundesstützpunkt Jens Neudeck als zuständigen Trainer mit einer 40-Stunden-Woche. Gleichzeitig ist Jens mit unbefristetem Vertrag beim SSVB im Fulltimejob als Landestrainer angestellt“, erläutert SSVB-Vizepräsident Maik Vogt den Ist-Zustand. Als Landestrainer wäre Neudeck für zwei Auswahlteams als auch für die Talentesichtung sowie für die Traineraus- und -weiterbildung zuständig. Die letzten beiden Punkte sind in der jüngeren Vergangenheit immer mehr ins Hintertreffen geraten. „Die regionalen Vereine treten uns zunehmend auf die Füße. Die Trainerfortbildung hat extrem gelitten“, verdeutlicht Vogt. „Jens war von unserer Entscheidung, die wir ihm im Oktober mitteilten, ein bisschen überrascht. Aber er hat unsere Argumentation verstanden“, meint Maik Vogt und betont: „Er war wirklich am Limit. Es war eine Grenze erreicht.“

Doppelaufgabe wird entflochten

Dieser Entwicklung wollen DSC und der SSVB mit der Entflechtung der beiden Traineraufgaben entgegenwirken. „Wir wollen weiter in den Nachwuchs investieren. Diese personelle Ausnahmesituation seit fünf Jahren ist gefühlte Normalität geworden. In der Realität war das aber keine Normalität“, erklärt DSC-Geschäftsführerin Sandra Zimmermann, die aber betont: „Wir hätten die Aufkündigung der Kooperation von unserer Seite sicher nicht forciert.“

Allerdings will der DSC die entstandene Situation nutzen. Heißt also im Klartext, der Verein wird den neuen Bundesstützpunkttrainer selbst einstellen, ob über die Volleyball-Abteilung, die Spielbetriebs GmbH oder den VC Olympia Dresden als Talenteschmiede des DSC, ist bislang noch offen. „Unser Ziel ist, dass wir optimale Bedingungen für alle Entwicklungsstufen der Mädchen ab dem Tag der Sichtung bieten können. Es ist unser ureigenstes Interesse, dass es wieder gelingt, eigene Talente hervorzubringen“, sagt Zimmermann.

Offen ist, ob sich Neudeck dafür entscheidet, seine unbefristete Stelle als SSVB-Landestrainer weiter auszufüllen oder ob sich der 47-Jährige ebenfalls auf die neue Ausschreibung als Bundesstützpunkttrainer bewirbt und folglich beim Landesverband kündigt. „Auch Jens kann sich bewerben“, sagt Zimmermann. Neudeck war gestern für die SZ nicht zu erreichen.

Ins Anforderungsprofil würde wohl auch der Doppeltrainer passen. „Sie oder er soll eine A-Trainer-Lizenz besitzen, ein sportwissenschaftlich-pädagogisches Studium abgeschlossen haben und im Idealfall Berufserfahrung im Nachwuchsbereich mitbringen“, betont die DSC-Geschäftsführerin. Sie sorgt sich um die nachhaltige Finanzierung der zusätzlichen Stelle. Dafür bedarf es neuer Ideen. Für 2018 hat der Verein eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Die projektbezogene Schwarmfinanzierung im Internet soll bis zum 28. Februar 15 000 Euro einbringen. Für Spender gibt es teilweise originelle Prämien. Für 500 Euro springt unter anderem ein Käffchen mit Eierschecke mit Erfolgstrainer Alexander Waibl raus. Bis Mittwochnachmittag waren 2 225 Euro auf dem Konto.

www.99funken.de/dsc-volleyballnachwuchs

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