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Montag, 02.10.2017 Post aus Belgrad

Neue Bleifußfallen mit alter Technik

Die Zeiten des unbesorgten Bretterns über Serbiens Autoput in Richtung Süden sind vorbei – auch ohne übliche Radarfallen.

Von Thomas Roser

Mautstelle an der Autobahn in Richtung Belgrad: Dort erleben Autofahrer eine unliebsame Überraschung, wenn sie wegen Tempovergehen zur Kasse gebeten werden.
Mautstelle an der Autobahn in Richtung Belgrad: Dort erleben Autofahrer eine unliebsame Überraschung, wenn sie wegen Tempovergehen zur Kasse gebeten werden.

© Mauritius

Eilige Transitreisende lassen sich bisher bei der hastigen Fahrt über Serbiens berüchtigten Autoput selbst durch die oft sehr enge Kurvenführung und den holprigen Asphalt kaum bremsen. Doch die Zeiten des unbesorgten Bretterns über die Autobahnpisten des Balkanstaats in Richtung Süden sind für Touristen und heimkehrende Gastarbeiter definitiv vorbei.

Notorische Bleifüße werden an den Mautstationen nun auch ohne Erfassung durch Radarfallen zur Ader gelassen: Wird die abgerechnete Strecke zu schnell bewältigt, sind automatisch Strafen fällig.

120 Kilometer pro Stunde beträgt in Serbien die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Vor allem ausländische Autobahnraser schienen sich bei ihrer zügigen Fahrt in Richtung Griechenland, Türkei oder Kosovo angesichts eher seltener Radarkontrollen bislang an Geschwindigkeitsbegrenzungen kaum zu stören. Auch wegen der relativ hohen Unfallzahlen auf den serbischen Autobahnen sollen nun neue Bleifußfallen den motorisierten Jüngern des Geschwindigkeitsrauschs das Handwerk legen.

Auf einigen Teilstrecken wurde das neue System schon seit dem Sommer getestet: Auf den an den Mautstationen erhaltenen Kassenzetteln ist seitdem auch die gemittelte Reisegeschwindigkeit auf der abgerechneten Strecke vermerkt.

Überschreitet die errechnete Durchschnittsgeschwindigkeit die 120-Kilometer-Grenze, sind Strafen fällig. Schon nach den ersten Stunden des Inkrafttretens der neuen Bleifußfallen bestätigte sich die Vorabeinschätzung der Polizei, dass sich vor allem ausländische Pkw-Fahrer als Liebhaber der durchgedrückten Gaspedale zu profilieren suchen: 87 Prozent der verhängten Strafen hatten nach Durchrasen des Teilabschnitts von der kroatischen Grenze bis zur Hauptstadt Belgrad verblüffte Temposünder mit ausländischen Kennzeichen zu berappen.

Mit der Veröffentlichung des Strafenkatalogs und der erforderlichen Mindestreisezeit auf den populärsten Teilstrecken hatten Serbiens Medien die heimischen Autofahrer allerdings auch sorgfältig auf das neue Strafzeitalter vorbereitet: Schneller als in vier Stunden und 16 Minuten sollte man beispielsweise die 537 Kilometer von Horgos an der Grenze zu Ungarn im Norden bis nach Presevo an der mazedonischen Grenze im Süden künftig lieber nicht mehr bewältigen, so deren gestrenge Mahnung. Wer schneller als erlaubt die nächste Mautstation zu erreichen droht, ist gut beraten, die rasante Reise mit vermehrten Kaffee- oder Pinkelpausen zu drosseln.

Von umgerechnet 25 Euro bei Geschwindigkeitsverstößen bis 140 Kilometer pro Stunde bis hin zu 1 000 Euro Strafgeld, Führerscheinentzug und Haft bei Fahrten mit über 200 Stundenkilometer reicht das Strafmaß für Temposünder.

Heimischen Kraftfahrern werden die Zahlungsaufforderungen zu Hause zugestellt. Verhinderte Formel-1-Piloten aus dem Ausland werden hingegen direkt an der Autobahn oder vor nahen Schnellgerichten zur Strafader gelassen: Von der Polizei einbehaltene Fahrzeugpapiere sollen deren Zahlungsmoral erhöhen.

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