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Donnerstag, 07.12.2017

Neue Bahntechnik für Berliner Strecke

SZ-Leser sind im Sonderzug zur Wiedereröffnung der Strecke Dresden – Berlin. Dort soll es künftig bis zu 200 km/h schnell vorangehen.

Von Ines Scholze-Luft

Einmalige Gelegenheit. Hella und Ulrich Pötzsch aus Eula bei Nossen auf dem Cottbuser Bahnhof in Großenhain vor dem Sonderzug, der anlässlich der Wiederinbetriebnahme der Strecke Berlin – Dresden noch vor dem offiziellen Linienstart unterwegs war. Ein solcher IC 2 wird künftig nicht in Großenhain halten.
Einmalige Gelegenheit. Hella und Ulrich Pötzsch aus Eula bei Nossen auf dem Cottbuser Bahnhof in Großenhain vor dem Sonderzug, der anlässlich der Wiederinbetriebnahme der Strecke Berlin – Dresden noch vor dem offiziellen Linienstart unterwegs war. Ein solcher IC 2 wird künftig nicht in Großenhain halten.

© Kristin Richter

Coswig. Das kann ja mal passieren. Dass es einen Bahnsteig nicht gibt, auf dem in der nächsten halben Stunde ein Zug ankommen soll. Noch dazu ein ganz Besonderer. Ein Doppelstöckiger in Weiß. Der neue Intercity 2 fährt als Erster auf der wiedereröffneten Strecke Berlin – Dresden (SZ berichtete), bevor zum Fahrplanwechsel am Sonntag der reguläre Betrieb rollt. Ab Großenhain sind auch SZ-Leser dabei. Die staunen nicht schlecht, dass es den angekündigten Bahnsteig 3 am Cottbuser Bahnhof gar nicht gibt. Zumindest nicht offiziell, nur bahnintern, wie die Nachfrage bei den Sonderfahrt-Organisatoren ergibt.

Doch rechtzeitig, bevor die weiße Wagenschlange heranrollt, ist der Einstieg – Bahnsteig 2 – klar, auch dank inzwischen eingetroffener Bahnmitarbeiter.

Zur Erinnerung: Nach 16 Monaten Bauzeit und Vollsperrung der Berliner Strecke im Brandenburgischen zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch ist der Schienenweg wieder frei. Auf dem es nun zehn Minuten schneller vorangeht zwischen den Hauptbahnhöfen Berlin und Dresden. Das große Ziel heißt 200 km/h, erlaubt sind vorerst aber nur 160 km/h. Auch weil die entsprechende Sicherungstechnik noch fehlt.

Die wird demnächst unter anderem auf einem drei Kilometer langen Abschnitt in Coswig eingebaut. Und nicht nur das, auch Gleis- und Oberleitungsanlagen entstehen neu, dazu Leit- und Signalanlagen sowie zwei Eisenbahnbrücken, nämlich an der Meißner Straße und am nördlich davon gelegenen Lachenweg.

Der geplante Bau ist das Stichwort für SZ-Leser Steffen Schluckwerder. Er hofft vor allem, dass sich damit die Lärmsituation für die Coswiger verbessert. Schließlich ist auch eine entsprechende Schutzwand vorgesehen. 240 Meter lang, drei Meter hoch. Zwar sei er quasi als Randradebeuler am anderen Ende der Stadt nicht direkt betroffen. Doch in etwa vorstellen kann er sich die Geräuschbelastung schon, sagt der Bahnliebhaber. Seine Frau hat ihn auf die SZ-Verlosung zur Sonderzugfahrt aufmerksam gemacht hat. Kennt sie doch die Vorliebe ihres Mannes, der an der Verkehrshochschule studiert, bei der Bahn gearbeitet hat und leidenschaftlicher Hobbymodelleisenbahner ist. Und weiß, dass es schon lange Pläne für eine schnellere Berliner Bahn gibt, dass die Züge vor 70, 80 Jahren schon mit 160 km/h unterwegs waren.

Ganz so schnell ist der Sonderzug nicht, etwas verspätet nimmt er die letzte halbe Fahrstunde Richtung Dresden in Angriff. Draußen fliegt viel Grau vorbei. Die Fahrt gefällt dem Ehepaar trotzdem. Was sie sich sonst noch wünschen von der Bahn? Schon vor allem Pünktlichkeit. Und bessere Anschlüsse. In Leipzig haben sie nicht selten ein Problem, wenn sie vom Fernflieger aus Frankfurt am Main eintreffen und es um Mitternacht nicht weitergeht. Oder wenn sie abends von der Felsenbühne Rathen kommen und im Hauptbahnhof Dresden für eine Stunde Zwangspause gaben.

Hella und Ulrich Pötzsch aus Eula sind ebenfalls zufrieden mit dem Tag. Auch sie haben eine spezielle Verbindung zur Bahn. Immerhin ist Ulrich Pötzsch 27 Jahre lang jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit gefahren, nach Sörnewitz.

Sollten sich die Familien mal zu einer Berlin-Fahrt per Zug entscheiden, wäre der Zustiegsort sicher Dresden. In Großenhain könnten sie dem ICE nur noch zuwinken. Denn halten wird er dort auch auf längere Sicht nicht. Obwohl es bezüglich des IC 2 solche Überlegungen gab. Die Frage nach einem künftigen Großenhain-Halt beantwortet der Fernbahnzuständige jedoch mit klarem Nein. Der mit Fahrplan ab Dezember 2019 eingesetzte IC 2 fährt auf den Ferngleisen an der Röderstadt vorbei Richtung Rostock. Was für Reisende aus der Region bedeutet: Zustieg erst in Elsterwerda.

Dort sind sie dann auch wirklich auf der sogenannten Berliner Bahn, deren Verlauf sich zumindest im Südabschnitt geändert hat. Waren die Strecken Dresden – Leipzig und Dresden – Berlin einst klar getrennt – sie kommen übrigens in Gröbern ganz dicht zusammen – gibt es nun eine Kopplung kurz vor Großenhain. So verläuft die Strecke nach Berlin heute vom Hauptbahnhof Dresden erst mal 34 Kilometer auf der Linie Dresden – Leipzig über Weinböhla bis Abzweig Kottewitz.

Für viele Coswiger und Weinböhlaer bleibt die Berliner Bahn aber traditionell die Schiene östlich davon, entlang der Neucoswiger Straße in Coswig und der Bahnhofstraße in Weinböhla: Heute offiziell die Strecke Dresden – Elsterwerda.

Und dort will die Bahn jetzt bauen. Genaueres konnte die Pressestelle dazu aber noch nicht sagen, beispielsweise, wann es losgeht mit dem Brückenabriss an der Meißner Straße – angekündigt ist der Januar – und welche Straßensperrungen geplant sind. Auch Coswigs Ordnungsamtschef Olaf Lier wartet noch auf die entsprechende Abstimmung.

Die hat zumindest bei der Rückfahrt in Großenhain schon mal geklappt. Da hält der Sonderzug am angekündigten Gleis.