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Samstag, 20.02.2016

Netter Kerl vor Gericht

Ein Freitaler soll in mehreren Fällen Drogen verkauft haben. Dem Klischee eines Dealers entspricht er aber so gar nicht.

Von Yvonne Popp

Polizisten untersuchen Tütchen mit Marihuana. Mit der Droge soll ein Freitaler gedealt haben.
Polizisten untersuchen Tütchen mit Marihuana. Mit der Droge soll ein Freitaler gedealt haben.

© Symbolfoto dpa

Freital. „Eine Hand wäscht die andere“, soll der einschlägig in der Drogenszene bekannte Mann gesagt haben, als die Polizei vor seiner Tür stand. Die Beamten waren gekommen, um ihn zu verhaften. Er hatte eine Geldstrafe nicht bezahlt und sollte die Summe nun absitzen. Weil er aber genau das nicht wollte, fing er an zu plaudern und nannte der Polizei mehrere Leute, die, wie auch er, im Drogenmilieu zugange waren.

Unter den Genannten war auch der Freitaler André E. Er muss sich nun wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. In mindestens 15 Fällen soll er Marihuana an seinen langjährigen Freund Alexander R. verkauft haben.

Von der Richterin zu den Vorwürfen befragt, räumt André E. sofort ein, mehrmals Drogen an seinen Kumpel weitergegeben zu haben. „Ich hatte das Gras ursprünglich immer nur für mich alleine gekauft“, sagt er weiter. Alexander R. habe das gewusst, sei aber ab und an zu ihm gekommen, wenn er etwas brauchte.

„Oft hat er schon vor meiner Tür gewartet, wenn ich von Arbeit nach Hause kam“, erzählt der Landwirt. „Ich habe ihm dann von meinem Gras meist jeweils ein Gramm für zehn Euro abgegeben.“ Irgendwann sei ihm das aber zu heiß geworden. Auch machte ihm der eigene Konsum inzwischen sehr zu schaffen. Er sagt, dass ihm seine Arbeit zunehmend schwerer gefallen sei. Dazu kam die Angst, dass er wegen der Kifferei seinen Führerschein verlieren könnte. „Also habe ich damit aufgehört“, versichert er.

Da André E. so gar nicht dem Bild eines Drogenkonsumenten entspricht, wollte Richterin Daniela Höllrich-Wirth wissen, wie der arbeitsame, ordentliche und höfliche 29-Jährige da hineingeraten konnte. „Angefangen hat das, als ich meine Lehre zum Landwirt in den alten Bundesländern angetreten habe.“ Dort habe er sich einer Partyclique angeschlossen, in der das Marihuana-Rauchen zum Alltag gehörte. Später sei sein Vater schwer erkrankt und schließlich auch verstorben. Mit Hilfe der Drogen habe er versucht, dem zu entfliehen.

Als er zurück nach Freital gezogen war, kehrte etwas Ruhe ein. „Ich bin dann aber wieder in gewisse Kreise geschlittert“, sagt er. Damit sei aber ein für alle Mal Schluss. Er möchte künftig zur Drogenberatung gehen, versichert er.

Da die Taten schon etwas länger zurückliegen und der Angeklagte bisher weder vorbestraft noch sonst in irgendeiner Weise polizeilich in Erscheinung getreten ist, verurteilte Richterin Daniela Höllrich-Wirth André E. zu einer Bewährungsstrafe. Neben seinem tadellosen Führungszeugnis kamen ihm auch seine Glaubwürdigkeit, seine geordneten Lebensverhältnisse und sein höfliches Auftreten zugute.