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Donnerstag, 13.02.2014

Neonazis bleiben der Frauenkirche erspart

Meditieren, Beten, Händehalten und Protestieren der Dresdner zum Gedenken an den 13. Februar.

Von Andreas Weller

Das Katz-und-Maus-Spiel um die heutige Kundgebung der Rechtsextremen erreichte gestern seinen Höhepunkt. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen hat endgültig entschieden, dass die Neonazis nicht vor die Frauenkirche dürfen. Allerdings konnten sie sich bis gestern zum späten Nachmittag noch aussuchen, ob sie von 12 bis 15 Uhr auf den Postplatz wollen oder abends an die Prager Straße.

Anmelder Maik Müller entschied sich, auf das Angebot nicht zu reagieren. Das teilte die Versammlungsbehörde der Stadt gestern nach Ablauf der Frist mit. Damit versammeln sich wahrscheinlich einige Hundert Neonazis heute ab 18 Uhr vor dem Hotel Königstein, nahe dem Hauptbahnhof und mitten auf der Einkaufsmeile Prager Straße. Müller hat seine Unterstützer aufgefordert, sich bereits ab dem Nachmittag in der Stadt aufzuhalten, den Hauptbahnhof aber wegen möglicher Blockaden zu meiden. „Wir sind auf alle denkbaren Szenarien vorbereitet“, so Silvio Lang, Sprecher vom Bündnises Dresden nazifrei, das die Blockaden organisiert.

Zum 13. Februar finden etliche Veranstaltungen statt: Los geht es bereits um 9 Uhr im Kulturrathaus an der Königstraße. Der Stadtschülerrat veranstaltet einen Schülergipfel. Das stille Gedenken vor der Frauenkirche beginnt um 14 Uhr. Zeitgleich startet der Mahngang Täterspuren an Dresdner Orte, die mit Nazi-Verbrechen in Verbindung stehen. Treff ist am Gewerkschaftshaus am Schützenplatz.

Das traditionelle Gedenken auf dem Heidefriedhof beginnt um 15 Uhr. Und um 15.30 Uhr lädt der Meditationslehrer Torsten Zumpe zum Meditieren in den Großen Garten, nahe dem Mosaikbrunnen. „Egal, ob rechts oder links, gewaltbereit oder friedlich, Polizist oder Tourist – wir senden Liebe für alle, die fühlen, atmen, leben“, so Zumpe. Die Veranstaltungen enden rechtzeitig, damit alle Interessierten zur Menschenkette kommen. Vorab hält Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) ab 17 Uhr eine Rede am Rathaus. Gegen 18 Uhr wird die Kette um die Altstadt geschlossen.

Im Anschluss gibt es in der Frauenkirche und einigen anderen Kirchen Friedensgebete, auf dem Neumarkt zeigt die Kathedrale die Installation Lichter der Versöhnung und vom Innenhof der Synagoge aus kann der Gedenkweg über den Georg-Treu-Platz bis zur Kreuzkirche abgeschritten werden. Parallel rufen die evangelische Kirche Dresden und der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Protest in Sicht- und Hörweite gegen Neonazis auf. Treffpunkt ist am Ausgang der Altmarkt-Galerie, Dr.-Külz-Ring/Seestraße/Wallstraße.

Bereits um 16.30 Uhr startet die Demonstration des Studentenrates Dresden am Münchner Platz. Die endet am Postplatz. Dresden nazifrei hat zwei Mobilisierungspunkte: Im Anschluss an den Mahngang, der zum Hauptbahnhof führt, eben dort, und an der Ecke Schweriner/Hertha-Lindner-Straße. Am letzteren Punkt ab 16 Uhr. Eine weitere Anlaufstelle für Demonstranten ist ab 16 Uhr die Ecke Wilsdruffer Straße/Galeriestraße. Dort hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus angemeldet. Die Linksjugend fordert alle Teilnehmer auf, mit Klobürste zu kommen – als Zeichen des Protests gegen Neonazis und gegen ein Gefahrengebiet wie in Hamburg um das Kulturzentrum „Rote Flora“. „Wir gehen dabei natürlich friedlich sowie mit guter Bürste voran“, so Torsten Bittermann, Jugendpolitischer Sprecher der Linken.

Wem das zu viel Protest ist, der kann auch um 19 Uhr zum Gedenkkonzert in die Kreuzkirche gehen. Gleichzeitig findet in der Trinitatiskirche am Fiedlerplatz eine Gedenkandacht zur Zerstörung Dresdens statt. Der Künstler Holger John zeigt zur selben Zeit eine Vernissage zum Thema entartete Kunst, Kunst, die von den Nazis verunglimpft wurde, in seiner Galerie an der Rähnitzgasse. Soziologie-Professor Karl-Siegbert Rehberg spricht im Aktsaal der Hochschule für Bildende Künste an der Brühlschen Terrasse zum Thema: „Die Einzigartigkeit des Dresdner Gedenkens als Tradition und Problem“. Um 19.30 Uhr spielt die Philharmonie im Albertinum ein Gedenkkonzert und um 20 Uhr die Staatskapelle in der Semperoper das 6. Sinfoniekonzert zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens. Zum Abschluss gibt es in der Kathedrale am Schloßplatz ab 20.30 Uhr einen Friedensgottesdienst mit Gästen aus Coventry. Danach beginnt um 22 Uhr die Nacht der Stille in der Frauenkirche.