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Donnerstag, 17.03.2016

Nazikeule gegen Narrenhäusel

Die Kritik richtet sich gegen den Umbau zu Nazizeiten. Der Investor reagiert mit einem klaren Nein an jegliche Tümelei.

Von Lars Kühl

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Ein Foto aus der Zeit nach dem Umbau zum Restaurant – so sah das Narrenhäusel ab 1937 aus. Frank Wiessner nimmt aber ältere Aufnahmen zum Vorbild.
Ein Foto aus der Zeit nach dem Umbau zum Restaurant – so sah das Narrenhäusel ab 1937 aus. Frank Wiessner nimmt aber ältere Aufnahmen zum Vorbild.

© Möbius/ Deutsche Fotothek Dresden

Das Dresdner Baugeschäft Max Wiessner will das Narrenhäusel als historisch anmutendes Gebäude an der Neustädter Seite der Augustusbrücke neu bauen. Der Stadtrat entscheidet auf seiner Sitzung am Donnerstag endgültig darüber. Oder doch nicht? Der Punkt steht jedenfalls als letzter im öffentlichen Teil auf der langen Tagesordnung. Ein Aufschub aus Zeitgründen ist also nicht ausgeschlossen.

Freuen würden sich die Kritiker des Projektes. Während der federführende Finanzausschuss mehrheitlich den Verkauf und die Ausschreibung des Grundstücks vorschlägt, gibt es auch Gegenstimmen. Zu denen zählen die Linken. Und die brachten am Mittwoch einen eigenwilligen Einwand. Sie nehmen Bezug auf die Formulierung „wie vor der Zerstörung“ in der Vorlage und diese auch wörtlich. Das Narrenhäusel wurde seit seiner Ersterrichtung im 18. Jahrhundert mehrfach umgebaut, aufgestockt und erweitert. So auch 1936 und 1937, als das Gebäude zum Restaurant wird und unter anderem Fensterläden bekam. Veranlasst hatte die Modernisierung Ernst Zörner. Jener Nationalsozialist der ersten Stunde, der 1933 auf Geheiß Adolf Hitlers Dresdens Oberbürgermeister wurde.

Tilo Wirtz, Linken-Stadtrat und baupolitischer Sprecher der Partei, bescheinigt dem Gebäude nach der Umgestaltung einen „zeitgemäßen Heimatschutzstil, dessen revuekulissenhafte Anmutung nur wenig mit Dresdner Barockhäusern zu tun hatte“. In dieser Form fiel das Narrenhäusel 1945 den Bomben zum Opfer. Bei einer Entscheidung pro Wiederaufbau bestehe „die Gefahr eines Griffs ,ins Braune‘“. Ein Nazi-OB würde ein Denkmal bekommen. „Es sollte gut überlegt werden, ob mit der kritiklosen Rekonstruktion eines Projektes der Volksbespaßung aus der Nazizeit eine dunkle Zeit unzutreffend idyllisiert und damit verharmlost wird“, sagt Wirtz.

Frank Wiessner, der seine Firma in der fünften Generation führt, findet die Diskussion schade und versteht die Argumentation überhaupt nicht. Seine Familie habe früher Probleme mit der Nazi-Herrschaft gehabt, genauso im Übrigen, wie sie später unter den Repressalien der Kommunisten litt. Allen Befürchtungen beim Wiederaufbau tritt er entgegen. „Vorbild für mich ist ein Foto um 1900.“ Die Fensterläden, die auf aktuellen Visualisierungen auftauchen, könnten weggelassen werden. „Und wenn es gewünscht ist, baue ich auch das barocke Dach wieder.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 27 Kommentare

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  1. Volker W.

    Wenn der Hr. Wirtz meint, dass es unangepasst wäre, das Narrenhäusel so zu bauen wie es 1936 renoviert wurde, ist es seine Meinung. In dem Stil kenne ich auch Häuser in Laubegast, denen man den Status der "Nazizeit" nicht ansieht. Die Frage ist doch passt es oder nicht? Egal ob mit oder ohne Fensterläden, schön wäre es, es wieder zu haben, auch als Restaurant, egal welcher Bürgermeister mal an der Macht war.

  2. Ali B.

    Wo ist eigentlich festgelegt, welches Jahr als Vorlage für den "Wiederaufbau" Dresdens verwendet werden soll? 1206? 1848/49? 1933? 1945? 1960?

  3. Irre

    Ein neues Kapitel aus dem GRÜN-Linken Tollhaus! Wenn dem Herrn Wi(r)tz die fachlichen Argumente ausgehen, wird die NAZI-Keule geschwungen. Aber immerhin - Tunnel zuschütten und für EINE MILLION Euros Straßen zu Fahrradwegen umbauen - das könnse!

  4. Kim Jong Ungezogen

    Wir erinnern uns an den gestrigen Einwand des Fachverbandes Fußverkehr in Person von Herrn Kutzner im Artikel "Fußgängerverband will kein Narrenhäusel" hier auf sz-online. Interessant, dass ein gewisser Frank Kutzner aus Dresden im Netz ziemlich intensiv im Zusammenhang mit der Partei Die Linke auftaucht. In der Sozialistischen Monatsschrift (die heißt wirklich so) vom Januar 2015 wird dem "Genossen Frank Kutzner" sogar zum Geburtstag gratuliert. Da hat sich wohl vor allem ein treuer Parteisoldat für seine Führungsriege auf städtischer Ebene gehörig ins Zeug gelegt und schnell mal noch den 2-Meter-Fußweg vor dem Narrenhäusel aus dem Hut gezaubert, um für die heutige Abstimmung der Linken im Stadtrat gegen den Bau mit diesem Ablenkungsmanöver noch ein paar digitale Unterstützer zu generieren. (Fortsetzung folgt)

  5. Kim Jong Ungezogen

    (Fortsetzung) Nachdem sich das Geschrei aber deutlich in Grenzen hielt und die Mehrheit die kleinlichen Einwände des Fußgängervereins nicht ganz für voll genommen hat, wurde dann am Abend noch das letzte Geschütz aufgefahren, die Allzweckwaffe, die immer wirkt: Die Nazikeule, wie es die SZ ganz treffend formuliert. Jetzt steht die Partei, aber vor allem dieser Kutzner doch ziemlich blöd da, weil sich sein angebliches Engagement für die Fußgänger und die Behinderten als parteitaktisches Manöver entpuppt.

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