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Sonntag, 12.11.2017

Närrisches Treiben im Bielatal

Ein Riesenumzug krönt den 60. Geburtstag vom Faschingsclub Bielatal. In der Bildergalerie gibt es allerlei Narren zu sehen, aber auch Untote und das allererste Prinzenpaar.

Von Thomas Möckel

Die Bilder vom Faschingsumzug

Doppelküsschen zum 60.: Die Stimmung war ausgelassen beim Jubiläum des Bielataler Faschingsclubs.
Doppelküsschen zum 60.: Die Stimmung war ausgelassen beim Jubiläum des Bielataler Faschingsclubs.

© Marko Förster

Rosenthal-Bielatal. Madlen Reichelt hat sich in ein dunkelgrünes Kleid gehüllt, es ähnelt einer königlichen Robe, in ihren Haaren steckt ein kleines silbernes Krönchen. Neben ihr steht Jan Liebold in einem schmucken schwarzen Anzug. Die beiden sind im wirklichen Leben ein Paar, und nun, zur fünften Jahreszeit, dazu in besonderer Mission miteinander vereint: Prinzessin Madlen und Prinz Jan sind das neue Prinzenpaar des Faschingclubs Bielatal, ganz frisch gekrönt am 11. November. Und dass sie schon an diesem Tag ganz offiziell über Rosenthals Dorfplatz flanieren können, ist einem ganz bestimmten Umstand geschuldet.

Die Bilder vom Faschingsumzug

Der Faschingsklub feierte am Sonnabend seinen 60. Geburtstag, ein riesiger Festumzug krönt das Jubiläum. Normalerweise wird das Geheimnis ums neue Prinzenpaar erst im Januar oder Februar gelüftet, doch diesmal wird es eher publik. Ein Festumzug ohne die Hoheiten ist für die Bielataler Narren einfach unvorstellbar. Prinzessin und Prinz werden später in einer offenen roten Audi-Kutsche im närrischen Tross mitrollen.

Schon am Mittag liegt der Dorfplatz Rosenthal ganz bunt, kurz vor 13 Uhr stellen sich die Umzugsteilnehmer die Straße hinauf. 40 Bilder wird es geben, für das Prozedere haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen. Der Wagen mit der höchsten Nummer steht zuerst, der Wagen mit der Nummer eins ganz hinten. Sinn der Sache: Auf diese Weise fahren alle Narren einmal aneinander vorbei, können sich sehen und sich gegenseitig bejubeln, was im laufenden Umzug dann so nicht mehr funktioniert.

Punkt 13 Uhr geht es los, schon beim Vorbeifahren wird gejohlt und gegrölt, die Stimmung erreicht ihren ersten Höhepunkt, da sind die Wagen gerade einmal ein paar Meter gerollt. Viele der Bilder stellen ein Faschingsmotto der vergangenen Jahre dar, beispielsweise „Olsenbande“ oder „Trickfilm“, die Zuschauer, die die Strecke in Richtung Sportplatz Bielatal säumen, feiern ihre verkleideten Helden.

Hunderte Teilnehmer und Zuschauer

Eine richtige Pferdekutsche fährt vornweg, sie ist besetzt mit Erinnerungen an früher, ehemalige Faschingshoheiten fahren mit, den Veranstaltern ist dabei ein ganz besonderer Coup gelungen: Prinzessin Gerlinde und Prinz Harry sind mit an Bord – sie waren vor 60 Jahren das erste Prinzenpaar im Bielatal. Schon Jahre zuvor waren Gerlinde Berger, geborene Schöne, inzwischen 81, und Harry Wendler, 85, im Fasching aktiv, und so nahmen sie 1958 dankbar das Amt an, das sie eine Saison innehatten. „Es ist schön, dass diese Tradition hier so lange weiterlebt“, sagt Harry Wendler. Er und Gerlinde waren im wirklichen Leben nie ein Paar, aber beide stammen aus Bielatal, sie lebt jetzt in Krippen, er in Dresden. Auf der Kutsche fühlt es sich noch einmal an wie früher, die Ex-Hoheiten winken lange den Zuschauern zu.

Mehr als 600 Teilnehmer haben sich zum Umzug angesagt, darunter viele Gäste, wie beispielsweise der Faschingsfanclub Borna-Gersdorf. Weil es dort keinen eigenen Faschingsverein gibt, feiern die Narren immer mit in Bielatal. Zum Umzug haben sich die Männer als russische Soldaten verkleidet, die Frauen als russische Mamas – rote Röcke, rote Wangen, rote Lippen. „Wir sind ganz treue Fans, und es ist uns eine Ehre, hier mitzufahren“, sagt Fanclub-Chef Andreas Frei und verschwindet mit seiner Roten Armee im Getümmel.

Inzwischen rollt der Tross flüssig, von den Wagen fliegen Konfetti, Bonbons, Bierdosen. Noch lange dröhnt das Bielatal, ehe der Zug am Sportplatz ankommt. Schluss ist dort noch nicht, die Bielataler haben für die Stunden danach ein Festzelt aufgebaut. Die Nacht der Narren wird noch lang.