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Dienstag, 24.11.2015

Nächtlicher Spuk vorm Hause Hilbert

Mitglieder „asylkritischer“ Gruppierungen demonstrieren am Dienstagabend in Klotzsche vor dem Haus von OB Dirk Hilbert. Mit einer Postsendung und bedrohlichen Rufen.

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Die Briefüberbringer vor dem Haus von Oberbürgermeister Dirk Hilbert.
Die Briefüberbringer vor dem Haus von Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

© Tobias Wolf

  • Die Briefüberbringer vor dem Haus von Oberbürgermeister Dirk Hilbert.
    Die Briefüberbringer vor dem Haus von Oberbürgermeister Dirk Hilbert.
  • Der Brief bedurfte offenbar der persönlichen Zustellung.
    Der Brief bedurfte offenbar der persönlichen Zustellung.
  • Die physische Botschaft der nächtlichen Postboten gleicht einer Bedrohung.
    Die physische Botschaft der nächtlichen Postboten gleicht einer Bedrohung.

Dresden. Die Polizei weiß Bescheid. Schließlich kennt sie ihre potenzielle „Zielgruppe“ dank der vielen Beiträge auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken. Für Dienstagnacht verabredet sich eine Schar „besorgter Bürger“ zum gemeinsam Protestgang durch Klotzsche.

Ziel ist das Haus von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). An die 50 Nachtwanderer aus Übigau, Cotta, Striesen und Kleinzschachwitz sammeln sich vor der Gartenpforte des OB. Sie schwenken Lampions und Taschenlampen, tragen reflektierende Warnwesten und einen Umzugskarton mit der Aufschrift: „Herr Hilbert, wir schaffen das“.

Der symbolische Akt des Auftritts besteht im Überbringen eines Briefes. Bevor jedoch die Polizei den Weg zum Briefkasten des Adressaten freigibt, muss erst einmal jemand die semi-spontane Veranstaltung regulär anmelden. Um der Ordnung willen. Diesen Part übernimmt Tom Walthersen, polizeibekannt durch die Turnhallenblockade in Übigau.

Nach dem Verwaltungsakt auf offener Straße kommt es zum Einwurf des Schreibens. Auf diesem steht: „Lieber OB Dirk Hilbert! Bitte melden Sie sich bei uns. Die Polizei hat alle Nummern. Danke.“ Anlass für die Briefsendung sei das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, sagen die Demonstranten. Dirk Hilbert würde ihnen aus dem Weg gehen und zudem nicht Wort halten - so würden in der Turnhalle in Übigau mittlerweile 78 statt anfangs 59 Flüchtlinge wohnen.

Noch nicht einmal einen Tag nach dem Anschlag auf die Wohnung von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) in Leipzig wirkt diese Aktion nicht nur skurril, sondern latent bedrohlich - auch weil vor Hilberts Haus „Volksverräter“ skandiert wird. Tom Walthersen will noch intervenieren, doch die Demonstranten beharren auf ihrem Ruf.

Während des ganzen Spektakels brennt Licht im Hause Hilbert. Als sich der „asylkritische“ Lampionumzug entfernt, tritt der Oberbürgermeister laut Polizei kurz auf den Balkon und widmet sich dann wieder seiner Familie. (szo)