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Aus dem Gerichtssaal Montag, 21.01.2013

Nach acht Stunden im gestohlenen VW-Bus erwischt

Ein notorischer Autodieb konnte es selbst bei der bislang größten Fahndung der Polizei nicht lassen. Nun muss er wieder in Haft.

Von Alexander Schneider

Massenkontrolle an der Bergstraße: Im Juli 2012 startete die Polizei auf der Suche nach Autodieben die Operation Helios. Massenhafte Erfolge bescherte diese allerdings nicht.Foto: Sven Ellger
Massenkontrolle an der Bergstraße: Im Juli 2012 startete die Polizei auf der Suche nach Autodieben die Operation Helios. Massenhafte Erfolge bescherte diese allerdings nicht. Foto: Sven Ellger

Enrico L. (30) hat bisher kaum etwas anderes gemacht, als Autos zu knacken und damit herumzufahren. Weil der Dresdner es einerseits nicht lassen kann, andererseits aber nicht sonderlich erfolgreich darin ist, brachten ihn seine Eskapaden immer wieder ins Gefängnis.

Nach seiner letzten Entlassung dauerte es gerade zweieinhalb Monate, bis die Polizei den Angeklagten auf frischer Tat erwischte. Das war am 16. Juli 2012. Jetzt stand Enrico L. wieder vor dem Amtsgericht Dresden. Das Besondere an seinem Fall war, dass der notorische Dieb der Polizei ausgerechnet mitten im bislang größten Fahndungseinsatz gegen professionelle Autoschieberbanden aus Osteuropa in die Hände gefallen war. „Helios“ nannte die Polizei die Großfahndung. Vom ersten Tag an berichteten die Medien über den vierwöchigen Dauereinsatz ab Anfang Juli.

Doch davon hatte Enrico L. offenbar nichts mitbekommen. Laut Anklage soll er in der Nacht zum 15.Juli die Türen von fünf älteren VW T3 aufgebrochen haben, um die Autos kurzzuschließen. Gelungen war ihm das jedoch nur einmal. Mit dem Bully Baujahr 1984 legte er rund 250 Kilometer zurück, ehe er am nächsten Abend in einem Hinterhof in der Königsbrücker Straße gefasst wurde. Eine Polizeistreife war ihm bis dorthin gefolgt. Der Besitzer hatte das Auto mittags als gestohlen gemeldet. Acht Stunden später hatte die Polizei den Täter.

Enrico L. gab nur den Diebstahl und die Fahrt mit dem Bully zu. Die Anklage gegen die übrigen Taten stellte das Gericht daher ein. Mehr als zwölf Jahre hat der 30-Jährige bereits nach Angaben seiner Verteidigerin Ines Kilian hinter schwedischen Gardinen verbracht. Er hat 14 Vorstrafen, alle einschlägig – Diebstahl von Autos, Fahren ohne Führerschein, manchmal sogar mit Unfallflucht.

Die vielen Strafen zeigten, dass ihr Mandant so nicht erreichbar sei, sagte Kilian. Sie schlug daher eine Bewährungsstrafe von einem Jahr vor. „Die Chance auf Bewährung hatte er schon lange nicht mehr.“ Die Staatsanwaltschaft forderte dagegen ein Jahr und neun Monate Haft. Richterin Edeltraut Thaut, die Vorsitzende des Schöffengerichts verurteilte den Angeklagten zu 14Monaten, die der Angeklagte jedoch voll abzusitzen habe.