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Samstag, 30.09.2017

Muss die SZ Anzeigen der AfD drucken?

Ich bin ernsthaft erschrocken, dass meine abonnierte Tageszeitung eine Wahlwerbung von Frau Steinbach für die AfD veröffentlicht. Sind Sie dazu verpflichtet? Oder gelten nur finanzielle Interessen ihrerseits für diese Veröffentlichung? Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Scheinert.

Sehr geehrter Herr Scheinert,

nein, es gibt niemanden, der da Vorschriften macht. Ganz prinzipiell gilt: Die Redaktion der Sächsischen Zeitung legt selbst fest, was in die Zeitung kommt, der Verlag der SZ bestimmt, welche Anzeigen gedruckt werden. Weder kann der Verlag über die Inhalte der Zeitung bestimmen noch die Redaktion über Anzeigenveröffentlichungen. Allerdings ist es sinnvoll, wenn Redaktion und Verlag in einer so wichtigen Frage, wie die Zeitung mit einer Bundestagswahl verfährt, Absprachen trifft, die für alle Seiten nachvollziehbar sind. Nachvollziehbar für Leser und Anzeigenkunden.

Zunächst hat die Chefredaktion schon vor Jahren festgelegt, dass alle nennenswerten Parteien im Wahlkampf gleichbehandelt werden. Mit einer Ausnahme: Rechtsradikalen Parteien wie der NPD wird in dieser Zeitung kein Platz eingeräumt. Diese Regel gilt auch 2017. Der Verlag hat sie auch für Anzeigenveröffentlichungen übernommen.

Im Umkehrschluss heißt das, die AfD wird behandelt wie alle anderen in den Parlamenten vertretenen Parteien. Diese gilt so lange, wie sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt. Die SZ wird das kritisch verfolgen. Sollte sie ihn verlassen, dürfte auch unsere Entscheidung überprüft werden. Die SZ hat in den vergangenen Wochen die Positionen der aussichtsreichen Parteien auf ganzen Seiten dargestellt und verglichen, Reportagen vom Wahlkampf gedruckt, Kandidaten in Interviews und Porträts vorgestellt. Schließlich sehr ausführlich auf vielen Zeitungsseiten die Ergebnisse dargestellt, analysiert und bewertet. Immer auch unter Einbeziehung der AfD, so wie alle anderen Zeitungen in Deutschland auch. Wenn die Redaktion dies so hält, gibt es für den Verlag der SZ keinen triftigen, nachvollziehbaren Grund, die AfD als Anzeigenkunden auszuschließen.

Die halbseitige Anzeige, in der Erika Steinbach für die AfD warb, hat sicher nicht nur Sie, Herr Scheinert, sondern viele Leser der SZ erschreckt. Dieser Schrecken dürfte sich am Sonntag wiederholt haben. Aber so ist das, wenn sich Realitäten verändern.

Ihr Olaf Kittel

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