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Dienstag, 22.03.2016

Muslim gegen Millionär

Beim Kampf um das Londoner Bürgermeisteramt treten zwei grundverschiedene Rivalen an.

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

Zac Goldsmith ist der Sohn des Milliardärs Sir James Goldsmith und gilt als Konservativer, Querdenker, Umweltaktivist sowie strammer Euroskeptiker.
Zac Goldsmith ist der Sohn des Milliardärs Sir James Goldsmith und gilt als Konservativer, Querdenker, Umweltaktivist sowie strammer Euroskeptiker.

© REUTERS

Der Kampf um London hat begonnen. Am Montag konnten die Parteien erstmals offiziell ihre Kandidaten für das Bürgermeisteramt von London benennen. Rund ein Dutzend Kandidaten bewerben sich, aber nur zwei haben Erfolgsaussichten: Zac Goldsmith und Sadiq Khan. Der Sohn des Milliardärs Sir James Goldsmith ist Konservativer, Querdenker, Umweltaktivist und ein strammer Euroskeptiker. Der 41-Jährige soll Nachfolger von Boris Johnson werden, der nach zwei Amtszeiten am 5. Mai aufhört. Goldsmith tritt gegen den Labour-Politiker Sadiq Khan an, der 2009 der erste muslimische Kabinettsminister wurde. Das Duell könnte konträrer nicht sein: links gegen rechts, benachteiligt gegen privilegiert, Muslim gegen Millionär.

Der jungenhaft wirkende Zac Goldsmith ist ganz und gar ein Vertreter der „Upper Class“: Mitglied der steinreichen Goldsmith-Familie, eingeheiratet in eine weitere steinreiche Familie – in zweiter Ehe mit Alice Rothschild –, sowie ehemaliger Schüler des Nobelinternats Eton, das auch Premier David Cameron und der jetzige Londoner Bürgermeister Boris Johnson besuchten. Sein persönliches Vermögen wird auf 75 Millionen Pfund (rund 95 Millionen Euro) geschätzt. Zugleich ist Goldsmith ein Rebell. Aus Eton flog er, weil er Haschisch geraucht hatte. Als Abgeordneter der Konservativen fiel er auf, weil er regelmäßig gegen die Parteilinie votierte. Er tritt für direkte Demokratie und radikalen Umweltschutz ein.

Verglichen mit ihm ist Sadiq Khan weit weniger glamourös. Der 45-Jährige ist der Sohn eines aus Pakistan eingewanderten Busfahrers und einer Näherin. Aufgewachsen in einer Sozialwohnung in Südlondon, hat sich Khan mit einem Jurastudium nach oben gearbeitet. 2005 wurde er Unterhausabgeordneter und war Transportminister in der letzten Labour-Regierung. Als gewiefter Politiker erwies er sich bei den letzten Unterhauswahlen. Khan organisierte den Wahlkampf in London, wo Labour, ganz im Gegensatz zum nationalen Trend, sieben Wahlkreise hinzugewinnen konnte.

London ist traditionell eine Labour-Stadt. Bei den Buchmachern liegt Khan als nächster Bürgermeister vorn. Aber der Konservative Boris Johnson hatte immerhin schon zwei Mal demonstriert, dass auch in einer linken Metropole ein Tory gewinnen kann. Johnson brachte das Kunststück fertig, weil er einerseits zwar eindeutig Oberklasse ist – reiche Familie, erzogen in Eton und Oxford sowie bestens vernetzt –, andererseits aber auch als Parteirebell und Exzentriker gilt, der seinen eigenen Kopf hat. Mit Goldsmith setzten die Konservativen auf eine ähnliche Karte. Der Millionär tritt betont unkonservativ auf mit politischen Positionen wie Opposition gegen den Ausbau des Flughafens Heathrow oder dem Kampf gegen die Wohnungsnot.

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