Donnerstag, 14.02.2013

Museen suchen verlorene Schätze

Die Dresdner Museen wollen weder eine Grabkammer der Geschichte noch ein Disneyland der Zerstreuung sein. Vielmehr empfehlen sie sich als Lernort des Erinnerns. Das umfasst auch schmerzliche Erinnerungen.

Seit kurzer Zeit wieder im Dresdner Stadtmuseum zu sehen: „Der Sonnenaufgang“ von Otto Dix.
Seit kurzer Zeit wieder im Dresdner Stadtmuseum zu sehen: „Der Sonnenaufgang“ von Otto Dix.

©dapd

Dresden. Die Museen der Stadt Dresden suchen auch 68 Jahre nach Kriegsende nach verlorenen Kunstschätzen. Allein die Bilderstürmerei der Nationalsozialisten bei ihrer Aktion „Entartete Kunst“ habe einen Verlust von 498 Einzelwerken gebracht, teilten die Städtischen Museen am Donnerstag mit. Ein bedeutendes Bild aus dieser Reihe war unlängst zurückgekehrt - der „Sonnenaufgang“ von Otto Dix. Mit finanzieller Hilfe von Stiftungen konnte es wieder nach Dresden zurückkehren.

Die Provenienzforschung sei auch deshalb schwierig, weil sämtliche Inventarbücher im Krieg verschwanden, erklärte Gisbert Porstmann, Direktor des Museumsverbundes. Deshalb müssten die Inventarlisten aufwendig rekonstruiert werden, was viel Arbeit in Archiven verlange. Allein im vergangenen Jahr hatte das Stadtmuseum etwa 160 Objekte in das „Lost Art Register“ eingetragen.

So fahnden die Dresdner unter anderem nach dem Ratsschatz, der aus Gläsern und Pokalen besteht. Von 160 Teilen sind nach dem Zweiten Weltkrieg nur 3 wieder nach Dresden gelangt. Es gibt aber auch Verluste aus späterer Zeit - in den 70er Jahren verschwand bei einem spektakulären Raub Schmuck. Porstmann nannte die Provenziensforschung einen permanenten Prozess. Die Museen müssten dabei auch Werke zurückgeben, die nie zu ihrem rechtmäßigen Besitz gehörten.

Zugleich stellten Dresdens städtische Museen am Donnerstag ihre Bilanz für 2012 sowie die Sonderausstellungen für dieses Jahr vor. Dabei widmet sich das Stadtmuseum im historischen Landhaus unter anderem Richard Wagners Dresdner Jahren und der Schlacht bei Dresden 1813, bei der Sachsen an der Seite Napoleons gegen Russen, Preußen und Österreicher stand. 2012 besuchten 165.000 Gäste die verschiedenen Sammlungen, 11.600 weniger als im Jahr zuvor. Zu dem Museumsverbund gehören das Stadtmuseum, die Technischen Sammlungen, die Städtische Galerie und fünf kleinere Einrichtungen. (dpa)