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Dienstag, 21.02.2017

Mundgeruch – nein, danke!

Der Gang zum Zahnarzt kann Ursachen für das Problem aufdecken und endgültig Abhilfe schaffen.

Die Gründe für schlechten Atem liegen zumeist im Zahn- und Mundbereich.
Die Gründe für schlechten Atem liegen zumeist im Zahn- und Mundbereich.

© Foto: www.fotolia.com © bg-pictures

Einen schlechten Atem nach dem Genuss von Speisen mit reichlich Zwiebeln oder Knoblauch oder nach dem Konsum von Nikotin oder Alkohol kennt wohl jeder. Doch manche Menschen kann man auch abseits derartiger Lebens- und Genussmittel einfach nicht riechen. Etwa 10 bis 15 Prozent der Deutschen leiden regelmäßig unter Mundgeruch, so die Einschätzung von Experten. Besonders tückisch: Betroffene erkennen ihren schlechten Atem selbst meist nicht. Wer dann keinen Vertrauten in seiner Umgebung hat, der einen dezenten und wohlgemeinten Tipp gibt, hat es schwer. Mit einem Trick kann allerdings jeder selbst testen, ob er an Mundgeruch leidet. Ein paar Mal mit der Zunge über den nicht eingecremten, unparfümierten Handrücken fahren und einige Sekunden warten. Eventuellen Mundgeruch können Betroffene dann am Handrücken riechen.

Wohlfühlklima führt zu Bakterienwachstum Mundgeruch ist noch immer ein Tabuthema, das den meisten Betroffenen häufig sehr peinlich ist und gleichzeitig Probleme in Beruf, Freizeit und Partnerschaft bereitet. Doch anstatt lange mit Kaugummis & Co. herumzuexperimentieren, sollte man besser die Scham überwinden und den Zahnarzt aufsuchen. Denn Mundsprays oder -spülungen sowie Pastillen und Dragees wirken meist nur kurzfristig, übertünchen das Problem, lösen es jedoch nicht. – Die Ursachen von schlechtem Atem liegen zu 90 Prozent im Mund selbst. In den meisten Fällen resultiert er aus mangelnder Mundhygiene und Zahnproblemen. Verantwortlich für unangenehm riechenden Atem sind circa 300 verschiedene Bakterienarten, die Nahrungsmittelreste zersetzen, wobei übel riechende Schwefelverbindungen entstehen. Bakterien und ihre Ausscheidungen bilden Beläge, auch Plaque genannt. Außerdem nisten sie sich vor allem dort ein, wo die Zahnbürste beim täglichen Putzen nicht oder nur schwer hingelangt: in Zahnzwischenräumen, Zahnfleischtaschen und auf der Zungenoberfläche. Hier bieten Körperwärme und Feuchtigkeit eine perfekte Grundlage zur Vermehrung. Bleibt eine gründliche Zahnreinigung aus, entstehen optimale Bedingungen für Bakterien, und somit verstärkt sich der Mundgeruch. Aber auch Zahnfleischentzündungen, kariöse Zähne und schlecht sitzende Kronen oder Brücken können die Ursache des Geruchs sein, weil sie Bakterien ebenfalls beste Voraussetzungen zur Vermehrung bieten. Zusätzlich kommt das Atmen durch den Mund als Ursache infrage, da hierdurch die Mundschleimhaut austrocknet und sich dort verstärkt Bakterien ansammeln. Aus demselben Grund fördern geringe Flüssigkeitsaufnahme wie auch zu geringer Speichelfluss die Entwicklung von schlecht riechendem Atem.

Mundhygiene spielt eine große Rolle

Im Anschluss an eine ausführliche Diagnose können Zahnarzt und Patient gemeinsam eine individuelle Therapie festlegen. Um den Bakterien möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, lohnt es sich, Kronenränder sowie Füllungen glätten zu lassen. Frei liegende Zahnhälse, kariöse oder bereits zerstörte Zähne müssen ebenfalls behandelt werden. Außerdem empfiehlt sich eine halbjährliche, manchmal auch vierteljährliche professionelle Zahnreinigung zur vollständigen Entfernung von bakteriellen Belägen an Stellen, die sich mit einer Zahnbürste kaum erreichen lassen. Durch eine restlose Entfernung von Plaque lässt sich dem Problem aber wirksam entgegentreten und die Neuentwicklung eines Bakterienfilms verzögern. Bei der täglichen Zahnreinigung zu Hause sollte man nicht vergessen, zu Zahnseide oder Interdentalbürstchen zu greifen, um Zahnzwischenräume von Ablagerungen zu befreien. Da eine Hauptursache für Mundgeruch bakterieller Zungenbelag ist - etwa 60-80 % aller Bakterien im Mund befinden sich auf der Zunge - , ist ein Zungenschaber genauso wichtig wie die Zahnbürste. Günstige Modelle gibt es in jeder Drogerie. Auch die Verwendung einer antibakteriellen Mundspüllösung ist ratsam, um die Zähne erfolgreich von Bakterien zu befreien.

Auch wenn die Gründe für Mundgeruch in vier von fünf Fällen im Mund liegen, können darüber hinaus andere Quellen dahinterstecken. So kommen der Verdauungstrakt sowie die Speiseröhre infrage, genauso wie Diabetes oder Lebererkrankungen. Ebenso kennen HNO-Fachärzte viele Erkrankungen des Mund- und Rachenraumes, die Mundgeruch auslösen; etwa Nasennebenhöhlenentzündungen und chronisch entzündete Mandeln. Wie auch immer – der Zahnarzt eignet sich grundsätzlich als erster Ansprechpartner. Konnte er Zähne und Mundraum als Verursacher ausschließen, überweist er zu anderen Fachärzten, um ernsthafte weitere Beschwerden auszuschließen. (sy)