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Müssen Journalisten alles ertragen?

Vor einigen Tagen belehrten Sie einen Leserbriefschreiber, dass die SZ in jedem Fall unabhängig berichten würde. Nach dem Lesen des Artikels über Herrn Bachmann drängt sich mir der Verdacht auf, dass ihr Redakteur die Leser nur für dumm verkaufen will. Er zeigt die links-grün verseuchte Meinung dieses opportunistischen Lohnschreiberlings. Lutz Härtel

26.03.2016

Werter Herr Härtel,

ich erspare unseren Lesern weitere Auszüge aus Ihrem Brief, in dem Sie auch vorschlagen, dass man Journalisten wie in Polen aus den Redaktionen treiben sollte. Das ist starker Tobak. Leider erhält die Redaktion in den vergangenen Monaten immer wieder solche Zuschriften. Und Journalisten stellen sich besorgt die Frage, wo das hinführt. Und wie sie damit umgehen sollen. Ignorieren? Böse reagieren? Verklagen? Wie auch immer Redakteure im Einzelfall entscheiden: So darf das nicht weitergehen.

Wenn Sie, Herr Härtel, sich für Pegida und Herrn Bachmann engagieren sollten, ist das Ihr gutes Recht. Das kann ich persönlich richtig oder falsch finden. Sie jedenfalls haben einen Anspruch darauf, Ihre Meinung zu äußern, auch sehr deutlich. Auch in dieser Zeitung. Für die Meinungsfreiheit wird sich die SZ jederzeit starkmachen. Allerdings gibt es Grenzen: nämlich dort, wo andere diskriminiert oder beleidigt werden. Von anständigen Umgangsformen mal ganz abgesehen.

Andersherum dürfen Journalisten Respekt erwarten, wenn ihre Recherche zu Ergebnissen führt, die Ihrer Meinung widerspricht. Zugegeben: In einer so aufgeladenen Stimmung wie derzeit ist es nicht einfach, sachlich kritisch zu reagieren. Aber notwendig ist es. Denn nur wenn Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten sich mit Respekt begegnen, werden Meinungsunterschiede produktiv und Dialog erst möglich.

Und genau dafür steht die SZ: für fairen Meinungsstreit und für konstruktiven Dialog. Deshalb gibt es diese Leserbriefseite, deshalb finden Sie Kommentare überall im Blatt, deshalb druckt diese Zeitung Perspektivbeiträge im Feuilleton, wo kluge Leute sehr unterschiedliche Positionen beziehen, an denen man sich herrlich reiben kann. Denn eines ist doch klar, Herr Härtel: Hunderttausende SZ-Leser können unmöglich jeden Tag mit jeder Meinung in ihrer Zeitung übereinstimmen.

In diesem Sinne wünsche ich uns neben dem heißen Herzen jederzeit einen kühlen Kopf.

Ihr Olaf Kittel

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