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Donnerstag, 07.12.2017

Müglitztaler wollen Bürgermeister absetzen

Andreas Burkhardt wurde 2015 gewählt. Seit September ist er krank. Offenbar blieb schon vorher einiges liegen. Nun soll er gehen. Dabei sind einige Hürden zu nehmen.

Von Heike Sabel

Locker, salopp, manchmal etwas hemdsärmelig ist Andreas Burkhardt. Der Gemeinde ist er nun offenbar zu locker, salopp und hemdsärmelig.
Locker, salopp, manchmal etwas hemdsärmelig ist Andreas Burkhardt. Der Gemeinde ist er nun offenbar zu locker, salopp und hemdsärmelig.

© Marko Förster

Müglitztal. Der Euphorie folgt die Ernüchterung. Andreas Burkhardt war bei Amtsantritt euphorisch, der Gemeinderat ist inzwischen ernüchtert. Es läuft nicht so, wie sie es sich vorstellten, wohl auch nicht so, wie es sich der parteilose Burkhardt gedacht hatte. Er hatte die Wahl 2015 überraschend gegen seine beiden Kontrahenten gewonnen. Vorgänger Jörg Glöckner (CDU) war nach 25 Jahren nicht mehr angetreten. Der Wunsch nach frischem Wind war groß. Ihm folgten erst ein laues Lüftchen und nun ein kräftiger Gegenwind.

Eine Gemeinde kann man eben nicht wie einen Privatbetrieb und nebenbei führen. Diese Erfahrung musste Burkhardt, der der Liebe wegen 2014 von Nordrhein-Westfalen nach Falkenhain gezogen war, relativ schnell machen. In Mühlbach wollte Burkhardt eine neue Schule bauen, mit einem Notkredit, den es nicht gab. Beim Auftrag für die Reinigung der Schule sah er das mit der Ausschreibung nicht so eng. Und bei der Entscheidung zu Fusions-Gesprächen mit Dohna war er hin- und hergerissen. So deutlich dagegen wie vor der Wahl angekündigt, war er dann doch nicht.

Seit September ist Burkhardt krank. Brigitte Starke (CDU) ist die stellvertretende Bürgermeisterin, genau so ehreamtlich wie Burkhardt – „und mit 71 Jahre ein paar Jahre älter“, sagt sie. Burkhardt ist 49. Man habe zudem vieles gefunden, was liegengeblieben war, berichten Gemeinderäte. Das alles aufzuarbeiten, sei kaum möglich.

Organisieren, das könne sie, aber insgesamt sei es zu viel, sagt Starke. Ohne die fachliche Hilfe der Dohnaer Stadtverwaltung wäre sie aufgeschmissen. Themen wie Haushalt, Flächennutzungsplan und Breitband stehen an. Zur jüngsten Sitzung des Gemeinderates war der Saal voller Leute. Das wird nächste Woche nicht anders sein. Brigitte Starke will am Mittwoch zurücktreten. Dafür muss die Mehrheit im Gemeinderat abstimmen. Das ist einfacher, als einen Bürgermeister abzuwählen.

Konsequenzen nicht absehbar

Die Gemeindeordnung nennt zwei Varianten – entweder die Bürger wählen ihren Bürgermeister ab oder Gemeinderat. Das Abwahlverfahren kann mit Zustimmung von mindestens drei Viertel der Stimmen aller Gemeinderäte veranlasst werden. Die Bürger können den Bürgermeister vorzeitig abwählen, wenn bei einem Bürgerentscheid die Mehrheit dafür stimmt.

In Müglitztal sind jetzt gleich beide Wege vorgesehen. Der Gemeinderat entscheidet am kommenden Mittwoch zunächst über das Abwahlverfahren, dann über einen Bürgerentscheid.

Die Konsequenzen der möglichen Abwahl sind derzeit noch nicht absehbar. Wer übernimmt die Führung und Verantwortung bis zu einer Neuwahl? Welche Auswirkungen hat das auf die Fusionsgespräche mit Dohna? Beschleunigt es eine Entscheidung?

Dass eine Abwahl auch nicht ganz so einfach ist, zeigte erst dieses Jahr Gohrisch. Hier wollte der Gemeinderat mit seiner Entscheidung dem schon geplanten Bürgerbegehren zuvorkommen. Zwei Stimmen fehlten am Ende im Rat. Heiko Eggert ist damit weiter ehrenamtlicher Bürgermeister. Am zerstörten Vertrauensverhältnis hat das nicht viel geändert.

Ratssitzung 13. Dez., 18 Uhr, Verwaltung Weesenstein