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Müglitztalbahn rammt Bäume

Die Städtebahn Sachsen stellt den Zugbetrieb ein und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn.

11.01.2018
Von Maik Brückner

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lbahn rammt Bäume
Umgekippte Bäume – wie hier am Geisingberg – legten am Dienstag den Bahnbetrieb auf der Müglitztalbahn gleich mehrmals lahm. Die Städtebahn stellte deshalb den Zugverkehr ein.

© Foto: Städtebahn

Müglitztal. Gleich dreimal krachte es am Dienstag auf der Bahnstrecke zwischen Geising und Altenberg. Die Triebwagen der Müglitztalbahn rammten Bäume, die auf den Gleisen lagen. Fahrgäste und Lokführer kamen mit dem Schrecken davon.

Nach der dritten Kollision wurde die Strecke Altenberg – Heidenau komplett gesperrt. Die Städtebahn Sachsen stellte den Zugverkehr bis auf Weiteres ein. Sie begründet das mit Lebensgefahr für Lokführer und Fahrgäste. Denn es könnten sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Die Gefahr lauere an der gesamten Strecke.

Die Bäume, die die Weiterfahrt am Dienstag behinderten und zu Verspätungen von bis zu eineinhalb Stunden führten, lagen an verschiedenen Stellen. Die erste Kollision ereignete sich 5.30 Uhr bei Geising, die zweite gegen 11.10 Uhr auf halber Strecke zwischen Altenberg und Geising und die dritte 15.30 Uhr kurz nach der Abfahrt von Altenberg, berichtet die Sprecherin der Städtebahn, Franziska Straube.

Vor allem die Lokführer haben jetzt ein mulmiges Gefühl, auf dieser Strecke zu fahren, da sie das nahende Unheil als Erste sehen. Franziska Straube zitiert einen, der regelmäßig auf diesem Streckenabschnitt unterwegs ist: „Ich bin sehr verunsichert, nach Altenberg zu fahren. Hinter jeder Kurve erwarte ich einen umgefallenen oder morschen Baum. Die Strecken sind zugewachsen und es sollte dringend nachhaltig etwas unternommen werden.“

Die Forderungen decken sich mit denen der Geschäftsführung der Städtebahn Sachsen – und sind nicht neu. Seit Jahren fordert die Städtebahn von der Deutschen Bahn AG, dass diese die Strecke im Müglitztal, aber auch andere Nebenstrecken besser und öfter frei schneidet. Die zuständige Bahntochter DB Netz AG habe nicht wie gewünscht gehandelt. Auch der Vorstand der DB Netz in Frankfurt am Main habe nicht reagiert. Ende des vergangenen Jahres machte die Städtebahn den Streit öffentlich. Außerdem beauftragte das Unternehmen eine Kanzlei, strafrechtliche Konsequenzen für die DB Netz AG zu prüfen.

Schon länger Kritik an Netzbetreiber

Nach den neuerlichen Vorfällen wiederholt der Geschäftsführer der Städtebahn, Torsten Sewerin, seine Kritik. In den vergangenen Jahren habe die Städtebahn Sachsen durch die Kollision mit Bäumen bereits einen Millionenschaden an ihren Fahrzeugen erlitten. Trotz Bitten und Mahnungen habe der Netzbetreiber DB Netz AG nicht auf die Anliegen der Städtebahn reagiert. Die Bahntochter berufe sich jedes Mal auf höhere Gewalt. Sie lehnt es ab, die Sachschäden zu ersetzen.

Nach Meinung von Torsten Sewerin ist der Regionalbereich Südost der DB Netz AG überfordert. Dieser habe zu wenig Geld und zu wenig Personal, um die Bäume regelmäßig zurückzuschneiden. Dabei sei die Bahntochter gesetzlich dazu verpflichtet. „Wir haben heute die DB Netz AG aufgefordert, unverzüglich einen Maßnahmenplan vorzulegen und uns mitzuteilen, bis wann die Sicherheit der Strecke nach Altenberg wieder hergestellt wird, damit unsere Züge gefahrlos fahren können“, sagt Sewerin. Der aktuelle Zustand auf der Strecke könne nicht hingenommen werden: „Ich erwarte eine verbindliche Aussage“, so Sewerin.

Wann der Zugverkehr nach Altenberg wieder zum Rollen kommt, ist ungewiss. „Dies hängt maßgeblich davon ab, wann die DB Netz AG den sicheren Zustand der Strecke wieder hergestellt hat und dies erklärt“, sagt er. Rückdeckung erhält die Städtebahn vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der den Zugverkehr auf der Strecke Heidenau – Altenberg bestellt. „Wir erwarten größere Anstrengungen von der DB Netz“, erklärt die Marketingverantwortliche des VVO, Gabriele Clauss.

DB Netz will reagieren

Die DB Netz AG hat nach eigenen Aussagen bereits reagiert. Man habe sofort gehandelt und weitere kurzfristige Maßnahmen ergriffen, informiert ein Bahnsprecher auf SZ-Nachfrage. Sein Unternehmen habe nicht nur die betroffenen Bereiche beräumt, sondern werde die Vegetation in den relevanten Bereichen unabhängig von Besitzverhältnissen entfernen. Bäume, die als nicht standsicher eingeschätzt werden, würden gefällt. Den Vorwurf der Städtebahn, dass man den Vegetationsschnitt vernachlässigt habe, weist die DB Netz entschieden zurück. „Baumstürze in der Vergangenheit ereigneten sich durch Unwetter, deren Auswirkungen sich nie vollumfänglich vorhersagen lassen.“

Auch am Dienstag sei das der Fall gewesen. Die Bäume kippten auf die Gleise, weil sie von einem orkanartigen Sturm mit Windstärke 10 umgeworfen wurden. „Die Auswirkungen auf die Fahrgäste bedauern wir sehr“, sagt der Bahnsprecher. Mit der Städtebahn werde man zum Thema Baumpflege weiter in Kontakt bleiben.

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) zeigte indes Verständnis für die Entscheidung der Städtebahn. „Die Sicherheit geht vor.“ Mit der Feuerwehr habe man vor einiger Zeit einen Rettungseinsatz an einem Zug geübt. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Bergung und Rettung sehr kompliziert sei.