Aus dem Gerichtssaal Dienstag, 22.01.2013

Mordversuch: Anklage fordert 14 Jahre Haft

Aus Stolz und Eifersucht soll der Angeklagte zwei Männer niedergestochen haben. Gestern wurden die Plädoyers gehalten.

Von Alexander Schneider

Das Dresdner Landgericht.
Das Dresdner Landgericht.

©dpa

Staatsanwalt Steffen Leite hat nach acht Sitzungstagen keine Zweifel mehr. Er hält Mehmet Ü. (27) für schuldig wegen versuchten Mordes in zwei Fällen. Der Türke aus Dresden habe im Februar 2012 in kurzer Zeit zwei Bekannte mit Messern niedergestochen und lebensbedrohlich verletzt. Dass die Männer die heimtückischen Angriffe überlebten, habe nicht in der Macht des Angeklagten gelegen. Leite forderte für beide Taten 14 Jahre Haft.

Als Motiv nannte der Staatsanwalt Eifersucht, Stolz und Überforderung. Bei Mehmet Ü. hätten sich Probleme aufgestaut, weil ihm sein Döner-Laden in Riesa über den Kopf wuchs, seine Frau aber in Dresden bleiben wollte. Hinzu käme, dass der frisch gebackene Vater drei Bekannte im Verdacht gehabt habe, ihn mit seiner Ehefrau hintergangen zu haben. Als Ü. zwei Männer mit diesem Verdacht konfrontieren wollte, sei es mit einer gewissen Zwangsläufigkeit zu den Taten gekommen. Leite bezog sich auf einen Gerichtspsychiater, der bei Ü. zwar keine forensisch relevanten Störungen festgestellt hatte, aber Besonderheiten wie die geringe Bildung, das Unvermögen, Konflikte zu lösen, und etwa seinem speziellen Frauenbild.

Ohne sichtbare Regung

Laut Anklage hatte Ü. am späten Abend des 20. Februar erst einen Landsmann (38) vor der Shisha-Café Efes in der Louisenstraße niedergestochen. Danach sei er in die Blasewitzer Straße gefahren, wo er 13-mal auf einen Iraker (32) an der Wohnungstür eingestochen habe.

Mehmet Ü. hatte zunächst keine Angaben gemacht. Erst als das Schwurgericht den Hinweis gab , in beiden Fällen käme statt des angeklagten versuchten Totschlags auch versuchter Mord infrage, berichtete Ü. von seiner Eifersucht. Er habe den Männern ein Messer an den Hals gehalten, um sie zur Rede zu stellen, aber sie nicht verletzen wollen. Schließlich hätten sie sich selbst durch Abwehrreaktionen die Stiche beigebracht. Ü. folgte dem Prozess ohne sichtbare Reaktion. Auch nicht, als Anwalt Oliver Nießing, er vertritt den Iraker, in seinem Plädoyer eine Tüte mit Medikamentenschachteln auf den Tisch kippte: „Das ist der Monatsverbrauch meines Mandanten.“ Nießing betonte, wie sehr der 38-Jährige bis heute unter dem Angriff und unter Ü.s Schweigen leide.

Verteidiger Michael Sturm forderte acht Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlages. Aus subjektiver Sicht habe Ü. nicht heimtückisch gehandelt. Zumindest im ersten Fall gebe es keinen Tötungsvorsatz, sagte Sturm. Das Urteil ist am 31. Januar geplant. (mit soe)