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Mittwoch, 05.11.2008

Molotow-Cocktails: Tätern wird der Prozess gemacht

ZWICKAU/MYLAU - Sollten ihre Opfer jämmerlich verbrennen? Vor der Jugendkammer des Zwickauer Landgerichts begann gestern der Prozess gegen zwei junge Mylauer (Vogtland) wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung.

Die beiden 16-Jährigen sollen vergangenen Oktober nachts zwei Molotow-Cocktails auf das Haus einer Familie geworfen haben. Nur weil der Vater noch wach war, konnten er, seine Frau, die beiden erwachsenen Töchter und ein Freund der Familie einem Inferno entkommen.

Der Hintergrund ist möglicherweise rechtsradikal. Der Vogtländer war mit seiner Frau, einer gebürtigen Mainzerin, und den Töchtern Mitte der 1990er-Jahrein seinen Heimatort zurückgekehrt. Dort hielt sich das Gerücht, dass die Mutter angeblich Ausländerin sei. „Die Familie wurde über Jahre drangsaliert, mit Hitlergruß begrüßt“, so André Löscher von der Opferhilfe Chemnitz. Die Attacke des Nachbarsjungen und eines Freundes war schließlich „die Spitze des Eisbergs“, wie es Bürgermeister Christoph Schneider (49, CDU) nannte. „Diskriminierung steht keinem zu, und so will ich das auch in Mylau gehandhabt wissen“, sagt er.„Die Jugendlichen gestehen den Brandanschlag, bestreiten jedoch eine Tötungsabsicht“, so Richter Altfrid Luthe.

Übrigens: Den offenbar fremdenfeindlichen Hintergrund hatte die Polizei keiner Meldung an die Presse für wert befunden. Zwickaus Polizeipräsident Dieter Kroll (54) teilte mit, man habe damals „erst nach und nach Hinweise auf einen politisch motivierten Hintergrund erhalten“. (dkl/fle)