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Donnerstag, 28.01.2016

Moderne Fassade für Palais Riesch?

Eine Jury hat entschieden: Historisch ist nicht machbar. Der Aufschrei ist groß. Der Wettbewerb geht in eine neue Runde.

Diesen Entwurf hat die CG-Gruppe dem Bauausschuss und der Öffentlichkeit vorgeschlagen. Er stößt auf Ablehnung.
Diesen Entwurf hat die CG-Gruppe dem Bauausschuss und der Öffentlichkeit vorgeschlagen. Er stößt auf Ablehnung.

© Anja Schneider

Dresden. Der Chef persönlich verkündet die Botschaft. Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG-Gruppe, ist extra aus Berlin gekommen. Zu sensibel ist das Objekt, zu wichtig das Thema. Das Quartier Hoym, im Moment noch ein riesiges Loch, soll hinter dem Polizeipräsidium für 136 Millionen Euro gestaltet werden und die Fluchten an der Rampischen sowie der Landhausstraße schließen. Frauenkirchen- und Neumarktnähe – hier schauen die Dresdner besonders genau hin und machen Forderungen nach möglichst originalgetreuem Wiederaufbau auf.

Wichtigstes Gebäude ist das namensgebende Palais Hoym auf der Landhausstraßen-Seite. Dessen Rekonstruktion nach historischem Vorbild steht fest, sozusagen als Leitobjekt für das Quartier. Aber auch das Palais Riesch gegenüber an der Rampischen Straße 16 bis 18 sollte zumindest eine Fassade bekommen, die der aus dem 18. Jahrhundert nahekommt. Damals wurde der Vierflügelhof wiedererrichtet, nachdem das Palais während des Siebenjährigen Krieges zerstört worden war. So zumindest lautete die Vorgabe an eine Jury, die sich in den vergangenen drei Monaten mit der künftigen Gestaltung beschäftigt hat.

Am Donnerstag musste nun Christoph Gröner den vielen Dresdnern bei einer Infoveranstaltung im Suitess-Hotel verkünden, dass daraus nichts wird. Deckenhöhen, Fensterpositionen und -anzahl sowie die Anordnung der Dachgauben lassen nach heutigen Maßstäben keine Nutzung als Wohnhaus zu. Denn obwohl die CG-Gruppe Interessenten für ein anderes Konzept, wie Theater oder eine andere Kultureinrichtung, gesucht hat, habe sich niemand mit einer Alternative gemeldet. Also bleiben nur Wohnungen. Selbst wenn hinter einer historischen Fassade modern gebaut werden würde, halten die Entwürfe keiner Prüfung zur ausreichenden Belüftung und vor allem Belichtung stand. Dies hätten Gutachten ergeben, sagt Gröner.

Wie sollte es weitergehen am Palais Riesch?

4218 abgegebene Stimmen

Die Schritte im Werkstattverfahren, in denen die Vorschläge mehrerer Architektenbüros diskutiert wurden, haben letztendlich die Jury bewogen, sich für eine zeitgenössische Fassade zu entscheiden. Im Bauausschuss wurde das Ergebnis am Mittwoch noch hinter verschlossenen Türen verkündet, am Donnerstag erstmals öffentlich. „Wir waren alle mehr oder weniger entsetzt“, sagt Tilo Wirtz, der für die Linke im Bauausschuss sitzt. „Auch wenn die historische Fassade nicht mit einer zeitgemäßen Nutzung hinterlegt werden kann, darf eine moderne Fassade nicht so aussehen.“

Die CDU sieht das ähnlich: „Auch wir sind enttäuscht von der Vorstellung. Die moderne Fassade ist ein unsensibler Umgang mit den Dresdnern, anders als uns das zugesagt wurde“, erklärt Gunter Thiele, baupolitischer Sprecher der CDU. Torsten Kulke, Vorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt, zweifelt gar die Urteilskraft der Gestaltungsjury an. Er will jetzt selbst eine Studie in Auftrag geben.

Die CG-Gruppe steht nun vor einem Problem: Historisch geht nicht, der moderne Vorschlag wird kategorisch abgelehnt. Ein Streit um die Fassade ohne Einigung könnte das gesamte Projekt scheitern lassen. Deshalb hat sich das Unternehmen in Absprache mit der Stadtverwaltung dazu entschlossen, den Wettbewerb zu verlängern. Zwei weitere Architekturbüros sollen daran teilnehmen. Grundlage wird allerdings der neue Entwurf bleiben. „Ich halte ihn für einen sehr guten“, sagt Gröner. „Das heißt aber nicht, dass er mir auch gefällt.“ Wichtig sei, aus den Gegebenheiten das Beste zu machen. Ein Verkauf des Grundstückes Palais Riesch komme nicht infrage. „Wir machen das Quartier ganz oder gar nicht.“ Das Projekt laufe trotz der Verzögerung bei der Fassadengestaltung auf Hochtouren weiter. Bis Ende April soll dann auch ein Vorschlag gefunden sein, mit dem sich alle anfreunden können.

„Es gab ziemlich viele Bemühungen, eine historische Fassade gangbar zu machen. Aber man muss irgendwann akzeptieren, dass es nicht funktioniert“, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Für Christoph Gröner steht fest: „Ich kann nicht sagen, wie es letztendlich aussieht, aber es wird modern.“ Die Frage bleibt, ob die Dresdner das akzeptieren.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 78 Kommentare

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  1. Wossim

    Was lernen Architekten heutzutage eigentlich noch ? Schon 'mal was von Harmonielehre und Fibonacci gehört ? Ein Stück Wellblech hat für mich mindestens denselben Charme wie dieser Lückenflickenteppich.

  2. Dresden modern

    Das vorgehen löste bei der Neumarktgesellschaft Befürchtungen aus -ja und - welchen rechtlichen Status hat denn die Rückwärtsgrichtete Gesellschaft - juristisch u. politisch keinen. Wenn da jeder heute eine Gesellschaft gründet u.dann Stadtentwicklung beeinflussen will da gäbe es Chaos. Solche Rückwärtsentwickler sind zb in Berlin auch dafür verantwortlich für den Bau des Berliner Schlosses. Architekt Libeskind bezeichnet dies als eine Phantasieübung Rückwärtsgerichteter Personen. Nun wird die Fassade Rampische 16/18 endlich modern gestaltet ,auch weitere Bauplätze sollten endlich mal Weltflair erhalten sonst bleibt Dresden ewig Provinz,da nützt es auch nicht das die Semperoper ein paar Promis einläd die nur kommen weil sie eine Auszeichnung erhalten- wohlgemerkt keinen ORDEN denn die Georgsplakette wurde weder vom Bundespräsidenten noch vom sächs.Ministerpräsidenten gestiftet.

  3. Lars

    Der hier gezeigte Entwurf ist äusserlich genauso brutal hässlich wie die neuen Häuser auf dem Altmarkt (Richtung PragerStrasse/Hauptbahnhof gesehen. Würde sowas "Schule" machen , dann ist Dresden nicht mehr zu retten , dann wird Dresden zukünftig eine einzige von Beton und Bauhasstil dominierte Stadt werden anstatt tzurück zu Barock und Renaissance in der Innenstadt . Aber glücklicherweiese sind die meisten Menschen ja mittlerweile so abgestumpft das sie das gar nicht mehr wahr nehmen , sie interessiert eher ob da ein einfaches Fastfood-Restaurant rein kommt statt hochwertiger Haut Cousine . So wie die der Baustil , so auch der Ess-und Lebensstil , primitiv halt !

  4. armes Dresden

    Gesichtslose Investoren'architektur' in Reinkultur. Das ist ein PALAIS und kein Industriebau! So etwas hat innerhalb des alten Festungsrings nichts zu suchen!! Da sah ja die abgerissene DDR-Polizeiwache noch besser aus.

  5. Stefan

    Offenbar gibt es Leute, die tatsächlich Zeit darauf verwenden "Fassaden" zu entwerfen, die keinen anderen Zweck erfüllen sollen, als all jene, die sich für eine einigermaßen verträgliche Architektur an diesem Ort einsetzen, maximal zu provozieren. Dieses Elaborat lässt ja nicht enmal erkennen, dass es sich um ein Haus handeln soll - da ist ja die jetzige Brache weniger abstoßend.

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