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Dienstag, 06.10.2015

Modellprojekt für Flüchtlingshilfe

Die Stadt Bischofswerda und Partner arbeiten an einem Programm zur Beschäftigung von Menschen in der Erstaufnahme. In Sachsen neu.

Von Gabriele Naß

Erste Begegnung auf dem Spielplatz in Bischofswerda: Silvia Lehmann aus Bischofswerda mit ihrem Sohn Emil und Nawal aus Syrien mit ihrem Sohn Hussam.
Erste Begegnung auf dem Spielplatz in Bischofswerda: Silvia Lehmann aus Bischofswerda mit ihrem Sohn Emil und Nawal aus Syrien mit ihrem Sohn Hussam.

© Steffen Unger

Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große hat vor Stadträten die Entwicklung eines Schulungs- und Bildungsprogramms für Flüchtlinge angekündigt. Partner sein sollen das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft mit Sitz in Bischofswerda, der avisierte neue Eigentümer des Kulturhauses sowie der Verein KulturOrt, der beim Eastclub Bischofswerda andockt.

Entwickelt werden soll etwas Neues mit Modellcharakter und nutzbar für ganz Sachsen. Es gehe darum, schon die Menschen aus Erstaufnahmeeinrichtungen in Schulung und Bildung zu bringen, um sie sich nicht monatelang selbst zu überlassen und Integration vorzubereiten. „So etwas hat der Freistaat für die ersten Monate des Aufenthalts der Flüchtlinge im Land bisher nicht vorgesehen“, sagt Große. Im Sinne eines guten, friedlichen Miteinanders in den Städten sei das aber nötig.

Genehmigungen stehen aus

Karin Soeder, Mitarbeiter beim Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft, bestätigte gemeinsame Pläne mit der Stadtverwaltung. Man stecke „komplett in den Vorbereitungen“, brauche aber noch Zeit, auch um die entsprechenden Genehmigungen einzuholen. Das Bildungswerk haben seine Ideen und Möglichkeiten offeriert. Start der Arbeit mit den Flüchtlingen könnte zu Beginn des neuen Jahres sein.

Das Bildungswerk offeriert am Beginn der Arbeit am Projekt bereits viele Möglichkeiten zur Hilfe jeweils für Kinder und Erwachsene. Kindern könnte unter anderem das spielerische Lernen von Deutsch und das Lernen des Verhaltens als Fußgänger im Straßenverkehr angeboten, größeren Kindern auch handwerkliches Arbeiten in Werkstätten. Erwachsene würde das Bildungswerk schulen wollen unter anderem in Verhaltensregeln und Umgangsformen in Deutschland, Berufsabschlüsse abfragen und die Vergleichbarkeit mit deutschen Abschlüssen prüfen oder Anlaufstelle beim Ausfüllen von Formularen sein können. Auch an ein Müttercafé wird gedacht. Der Verein KulturOrt sei eingebunden für interkulturelle Veranstaltungen im Sinne des voneinander Lernens, das Kulturhaus als mögliche Tagungsstätte.

OB Große sagt, in einer ersten Ausbaustufe würde das Projekt vorrangig den Flüchtlingen aus der Erstaufnahme Bischofswerda und Flüchtlingen im Landkreis Bautzen dienen. In einer zweiten Stufe könnte es für ganz Sachsen ausgebaut werden. Das Bildungswerk ist Nachfolger vom Fortbildungswerk. Es beschäftigt sich mit benachteiligten deutschen Jugendlichen und Erwachsenen.